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Kommentar

Digitalisierung: Wie "smart" sollte Landwirtschaft sein?

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Cord Leymann, LAND & Forst
am
16.11.2017

Auf der Agritechnica hört man viel von „smarten Lösungen“. Klingt sympathisch. Aber was steckt dahinter? LAND & Forst-Redakteur Cord Leymann gibt die Antwort.

Die Digitalisierung schreitet voran. Stellen Sie sich deshalb vor: In wenigen Jahren gibt es auf der einen Seite den hochautomatisierten und hochproduktiven landwirtschaftlichen Betrieb und auf der anderen Seite Höfe, die in einer Nische produzieren.

Hier werden günstig Lebensmittel nach festgeschriebenen Qualitäten produziert, und für das Wohlgefühl ist es auf einigen Betrieben kuschelig-nostalgisch. Dort werden dann natürlich auch höhere Produktpreise verlangt.

Wieso man gerade auf der Agritechnica auf solche Ideen kommt? Die Landwirtschaft ist bereits häufig digital. Seit vielen Jahren prägen Informatik und Elektronik den Alltag. Digitale Anwendungen helfen beim Pflanzenschutz und der Wettervorhersage.

Für die Präzisionslandwirtschaft sind Landmaschinen mit intelligenten Technologien bestückt. Automatisierte Arbeitsprozesse sind also auf dem Feld und Hof angekommen. Und sind nun alle glücklich und zufrieden?

Digitalisierung bringt Macht

Die Digitalisierung geht immer weiter und verknüpft verschiedenste Prozesse und Akteure miteinander: Landwirt, IT-Dienstleister, Landtechnikhersteller und Berater. Nicht allen ist wohl in ihrer Haut. Es geht um Daten und die damit verbundene Macht.

Je mehr Daten jemand sammelt, desto mehr nützen sie ihm. Intelligente Maschinen eines Herstellers großer Stückzahlen sammeln mehr Daten als andere. Ihre Maschinen lernen somit mehr und sind dann denen der Wettbewerber voraus.

Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass durch den Einsatz neuer Technologien Arbeitsplätze verloren gehen, dafür aber neue, andere Beschäftigungsfelder entstehen.Wissenschaftler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim fanden heraus, dass in Deutschland 42 % der Beschäftigten eine Arbeit ausüben, die in 15 bis 20 Jahren digitalisiert oder automatisiert werden könnte. Was daran dann noch „smart“ ist, lässt sich nicht sofort erkennen.

Digitalisierung mit Folgen für den Arbeitsplatz "Landwirt"?

Für landwirtschaftliche Unternehmen stellt sich die Frage, ob die Digitalisierung Auswirkungen auf Betriebsstrukturen oder auf den Arbeitsplatz „Landwirt“ hat? Ob kleine und mittlere Betriebe davon profitieren, wird unterschiedlich eingeschätzt. Durch überbetriebliche Ansätze könnten aber auch kleinere Betriebe an der Digitalisierung teilhaben.

Fakt ist aber wohl auf jeden Fall: Landwirtschaft wird sich in den nächsten Jahren verändern. Stärker als je zuvor. Der Umbruch durch Digitalisierung ist vielleicht sogar vergleichbar wie mit der Einführung des Traktors auf den Höfen vor hundert Jahren.

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