Login
Technik

Eigene Technik macht flexibel

von , am
14.01.2014

Landwirt und Biogasanlagenbetreiber Jochen Oestmann aus Rethem (Heide) und Partner Dietrich Meyer haben sich leistungsfähige Gülletechnik angeschafft. Sie berichten, was sinnvoll ist.

Ein Vorteil der Eigenmechanisierung ist die volle Verfügbarkeit der Technik und damit bessere Anpassungsmöglichkeit an die Witterungsbedingungen. © Sontheimer
Bei 2.500 Schweinemastplätzen, insgesamt drei Biogasanlagen und mehreren hundert Hektar Fläche, muss das Gülle- und Gärrestmanagement optimiert sein. Landwirt Jochen Oestmann hat zusammen mit seinem Berufskollegen Diedrich Meyer in effektive Gülletechnik investiert.

Mindestens Kostengleichheit mit dem Lohnunternehmer war dabei das Ziel. „Wir bringen jährlich 40.000 m3 flüssigen Gärrest auf rund 1.000 ha Fläche aus und können so eine gute Auslastung der Geräte sicherstellen“, erklärt Oestmann. Alle Maschinen sind 700 bis 800 Stunden im Jahr im Einsatz, denn nur so lasse sich die Anschaffung von Neumaschinen vertreten.

Rund 12.000 m³ Gärrest-Gülle bringt Oestmann pro Jahr aus. Die Lagerkapazität ist nicht unbedingt das Problem. Mit den zwei 5.000 m³ großen Endlagern und einem weiteren externen Pufferbehälter hat der Landwirt bereits heute neun Monate Kapazität. Zudem darf er bereits ab dem 16. Januar wieder Gärrest-Gülle auf seine Flächen ausbringen, "bei Raps ist die Gefahr des Überwachsens relativ gering", wie er sagt.

Anders sieht es bei seinem Gülletechnik-Partner Meyer aus, der u. a. durch den relativ geringen TS-Gehalt bei seiner Coferment-Biogasanlage mit 14.000 m³ wesentlich mehr Volumen ausbringen muss. Etwa 7 % TS hat der NawaRo-Gärrest, 4 % der Coferment-Gärrest mit Nebenprodukten aus der Lebensmittelverarbeitung als Substrat. Aus Meyers NawaRo-Anlage kommen ebenfalls noch einmal 14.000 m³. "Wir haben so geeinigt, dass jeder von uns die Zeit für das Ausbringen bekommt, die er in Relation an Kubikmetern hat und fahren dabei sehr gut", erläutert Oestmann. Bislang sei die Arbeitserledigung unproblematisch gewesen, "maximal zwölf Stunden am Tag, wir fahren nur bei Tageslicht", erklärt er. Im Durchschnitt 100 m³ pro Stunde, in Spitzenzeiten bis zu 120 m³ schaffen sie mit ihrer Güllekette.

Zur Verfahrenstechnik: Das Zubringerfass ist ein Kotte TAV 26-Fass mit 26 m³ Fassungsvermögen und einer Vakuumpumpe. Das Ausbringfass ist ein 19,5 m³-Pumptankwagen PTL 19500/B mit einer 9.000 l-Vogelsang-Drehkolbenpumpe. Das Zubringfass ist mit einer ackerschonenden Bereifung ausgerüstet, um ein Überladen auf dem Feld zu ermöglichen.

Oestmann und Meyer fahren zwei Verfahrensketten: Entweder holt das Zubringerfass oder ein vom Lohnunternehmer bzw. Maschinenring gemieteter Lkw die Biogasgülle von der Anlage und bringt sie zum Feld in einen bereitgestellten Container. "Der Vorteil ist, dass das Ausbringfass immer fahren kann, der Nachteil, dass eine Arbeitskraft damit beschäftigt ist, den Container umzusetzen", stellt Oestmann fest. Der begrenzende Faktor dabei ist der Ausbringer. Doch das ist immer eine Abwägungssache: "Wenn ich Schlagkraft möchte, muss ich tiefer in die Tasche greifen und wenn ich für die gleiche Fläche zwei Tage Zeit habe,  kann ich die Kosten optimieren", fasst er zusammen.

Als Nachläufer zur sofortigen Gülleeinarbeitung haben sich Oestmann und Meyer für einen Grubber mit 6 m Arbeitsbreite und eine Scheibenegge mit 5 m Arbeitsbreite entschieden. "Mein Partner möchte 20 bis 25 cm tief einarbeiten und da haben wir zwei Geräte zur Auswahl", erklärt Oestmann. Beide Betriebe wirtschaften jeweils mit einem Mitarbeiter, der sich auf die Gülleausbringung spezialisiert hat.

Und wie sieht nun die Wirtschaftlichkeit bei rund 240.000 € netto als Investition in die eigene Gülletechnik aus? "Wir können es so gut wie ein guter Lohnunternehmer, aber nicht wesentlich günstiger", stellt Jochen Oestmann fest, "der große Vorteil für uns ist aber, dass wir die volle Verfügungsgewalt über die Technik haben."
 
Betriebsspiegel Oestmann und Meyer
 

Oestmann:
300 ha Ackerbau eigen plus 150 ha Bewirtschaftungsverträge mit Vieh haltenden Betrieben, die den Ackerbau abgegeben haben
zwei Fruchtfolgen: Zuckerrüben, Winterweizen, Wintergerste und Mais-Getreide
drei Mitarbeiter und zwei 400 €-Kräfte
2.500 Schweinemastplätze, Schweinegülle komplett in Biogasanlage
750 kWel-Biogasanlage in Kooperation mit einem Mitarbeiter
Maschinen: vier Schlepper, Mähdrescher, Bodenbearbeitungs- und Pflanzenschutzgeräte, Rübenroder, intensive Beregnung
Meyer:
Ackerbau und Pferdezucht
eine 800 kWel NawaRo-Biogasanlage, eine 500 kWel Coferment-Biogasanlage mit Lebensmittelnebenprodukten
 
Auch interessant