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Gülleverwertung

Emsland: Mit der Zentrifuge gegen den Gülleüberschuss

Guelleseparation-Emsland
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Cord Leymann, LAND & Forst
am
18.01.2018

Zuviel Gülle in viehstarken Regionen: Landwirte suchen nach Lösungen für den P- und N-Überschuss. Die RWG Emsland Süd in Lünne hat eine Idee umgesetzt.

Zuviel Phosphat und Stickstoff bereiten den Landwirten in den viehstarken Regionen viel Kopfzerbrechen. In Lünne, im südlichen Emsland, setzt die Raiffeisen-Warengenossenschaft (RWG) Emsland-Süd jetzt eine Zentrifuge ein. Für schweinehaltende Betriebe kann das eine Lösung sein.

Die aktuelle Zentrifuge mit dem dazugehörigen Aufbau  wurde von Mitarbeitern der RWG individuell aufgebaut. Sie hat mittlerweile 100.000 m³ mit einer Phosphorabscheidung von über 75 % separiert:

  • In zwei Schichten wird mit zwei Arbeitskräften gearbeitet.
  • Die Leistung liegt zwischen 25 und 35 m³ je Stunde.
  • Ein Großteil der Feststoffe wird dann kontinuierlich, bei gleichbleibender Qualität, in die Region Hannover und nach Hessen transportiert.
  • Der Feststoff wird als Futter in Biogasanlagen eingesetzt.

Erfolgreiche Separierung von Gülle

Petra Wöhle, Teamleiterin bei der RWG, erklärt die  Voraussetzungen für eine erfolgreiche Separierung. Für den Landwirt sind folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Vorgrube und Endlager müssen getrennt sein.
  • Kurze Wege oder feste Gülleleitungen sollten vorhanden sein, evtl. kann auch mit einem Feldrandcontainer gearbeitet werden.
  • Die Mindestmenge liegt zwischen 700 und 1.000 m³, ansonsten lohnt sich der Aufbau kaum.
  • Genutzt wird Mastschweinegülle (evtl. auch abgesetzte Ferkel-/Sauengülle) mit hohen TS-Gehalten (mind. 7 %), homogen.
  • Alles über 3 bis 4 % TS-Gehalten kann separiert werden, mehr jedoch nicht.
  • Die Gülle sollte nach Möglichkeit eingedickt sein.
  • Platz für Tieflader/Zentrifuge ist nötig.
  • Eine Möglichkeit zur Reinigung der Anlage muss gegeben sein.
  • Jeder Betrieb wird vorab durchgerechnet, damit die Beteiligten wissen, ob er Gülle abgeben oder separieren muss bzw. beides.
  • Unter dem Begriff „Acker24“ (www.acker24.de) wird dem Landwirt dazu auch eine Ackerschlagkartei für Nährstoffmanagement, Belegimporte und ein Partnerzugang angeboten.

Momentan ist die RWG Emsland Süd mit der Zentrifuge fast zu 100 Prozent ausgelastet, eine zweite sei aber derzeit kein Thema.

Mit Blick in die Zukunft sagt Petra Wöhle von der RWG Emsland Süd: „Wir müssen im Verbund Mest op Maat (siehe unten) unser Augenmerk nun auf den Stickstoff legen. Phosphor haben wir gut im Griff, den bekommen wir separiert. Wir versuchen es weiter und probieren, um mehr N von den Höfen zu fahren.“

  • Sie sind Lohnunternehmer und interessieren sich für die Separierung? Mehr Infos unter www. raiffeisen-emsland-sued.de

Hintergründe zum Projekt

Die RWG betreibt zusammen mit 80 Landwirten sieben Biogasanlagen. Das Unternehmen wurde vom 3N Kompetenzzentrum in Werlte vor einigen Jahren angesprochen, um an einem Biogasanlagen-Projekt teilzunehmen.

Nach erfolgreichem Abschluss und über diese Kontakte startete die RWG 2014 im Projekt „GroenGas“ mit der Separierung von Gülle.

„Uns war klar, dass in diesem Bereich etwas gemacht werden muss, und mit einer Zentrifuge bekommen wir einen Großteil des Phosphors aus der Gülle“, erklärt Bernhard Temmen von der RWG. Zumal man bereits 2008 mit einer Zentrifuge erste Erfahrungen gesammelt hatte.

Mittlerweile wurde im aktuellen Projekt „Mest op Maat“ (siehe unten) und in Zusammenarbeit mit dem Agrovermittlungsdienst (AVD) mit der Zentrifuge bereits auf über 50 Betrieben separiert.

Der AVD wurde vom emsländischen Landvolk und vom Maschinenring Holthausen gegründet. Er ist ein berufsständiges, landwirtschaftliches Serviceunternehmen und arbeitet als Vermittler und Verteiler von organischen Nährstoffträgern im Raum Emsland und der Grafschaft Bentheim.

Das Projekt „Mest op Maat - Dünger nach Maß“

Das Projekt arbeitet entlang der gesamten Wertschöpfungskette

  • von der Rohgülle,
  • über die direkte Nutzung als Dünger oder Energiesubstrat,
  • bis hin zu deren Aufbereitung zu Düngemitteln und Input-Substraten für Biogasanlagen in den viehveredlungsstarken Regionen in Deutschland und den Niederlanden.

Als Projektpartner arbeiten die beiden Landwirtschaftskammern in Niedersachsen und NRW, die Fachhochschule Münster, das 3N-Kompetenzzentrum in Werlte, die RWG Emsland-Süd, einige Lohnunternehmer und Maschinenhersteller, zusammen.

Interessierte erhalten mehr Informationen unter www.mestopmaat.eu

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