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Technik

Den Erntestart nicht verpatzen

von , am
26.06.2013

Immer wieder fühlen sich die Landwirte vom Beginn der Getreideernte überrascht. Lesen Sie hier, wie Sie sich beim nächsten Mal besser und vor allen Dingen rechzeitig vorbereiten können.

Erst wenn Raps richtig ausreifen kann, erzielt man Höchsterträge bei Korn und Öl. © Feiffer
Hier einige Punkte, die es zu bedenken gilt:

Mähdrescherfahrer als Erfolgsfaktor: Der gut geschulte Fahrer entscheidet oft mehr über die Leistungskraft des Mähdreschers als die nächst größere Maschine bieten kann. Gut trainierte Fahrer bringen zwischen 15 bis 30 % Mehrleistung. Es lohnt sich in jedem Fall eine intensive Schulung vor der Ernte durchzuführen, um Grundzusammenhänge darzustellen, alte Verhaltensmuster aufzubrechen und Wissen aufzufrischen. Nutzen Sie die Angebote der Händler wie auch der freien Anbieter. Es bleibt immer etwas Neues hängen, was Mehrwert in der Ernte bringt.

Ernteverlauf planen: Auf den etwaigen Ernteverlauf kann man sich vorbereiten. Zeichnen Sie Ihren Ernteverlauf auf einem Zeitstrahl auf, indem Sie den Erntebeginn jeder Frucht und die ungefähre Anzahl der Erntetage, je nach Mähdrescherkapazität, auftragen. So erkennen Sie Arbeitsspitzen und Gefährdungspotentiale und können Abhilfemaßnahmen planen.

Dienstleister einplanen und nicht nur als Feuerwehr nutzen: Treffen Arbeitsspitzen mit hohen Erträgen, mit ungünstigen Witterungsverläufen, mit Lager o. a. zusammen, planen Sie rechtzeitig Nachbarschaftshilfe, Lohnunternehmer oder Maschinenringe ein. Der Dienstleister hebt die Ernte aus der Schlechtwetterzeit heraus und wird damit nicht nur kostenneutral, sondern bringt Gewinn.

Die Ernterallye vorbereiten: Stillstandszeiten in der Ernte kosten richtig Geld. Als Faustzahl gilt: Jede Minute kostet 5 €. Eine rechtzeitige, vorbeugende und großzügige Instandsetzung lohnt immer. Eine verhaltene Reparatur, bei der Ersatzteile zu spät gewechselt werden, verschiebt die Kosten nicht nur in die wertvolle Erntezeit, sondern potenziert den Schaden. Oft hört man: Läuft doch noch. Aber: Leisten muss es.
Transportlogistik überdenken: Der Getreidetransport bildet oft ein Nadelöhr, so dass die Mähdrescherkapazität nicht ausgenutzt werden kann. Abbunkern am Feldrand raubt dem Mähdrescher mindestens 20 % Leistungsvermögen. Testen Sie, ob eine parallele Abfuhr möglich ist. Nutzen Sie auch die Gelegenheit in der Ernte sich eventuell einen Umladewagen vorführen zu lassen.

Wechselfahrer erhöhen Sicherheit: Um einen Mähdrescher z. B. an die Leistung von 30 t/h heranzuführen, muss der Fahrer bei einem 7 m-Schneidwerk ständig 6 km/h fahren (bei einem Ertrag von ca. 7 t/ha). Das halten die Fahrer nicht länger als drei bis vier Stunden durch. Sinkt die Fahrgeschwindigkeit von 6 auf 5 km/h fehlen bereits 20 % Mähdrescherleistung. Denken Sie über Wechselfahrer nach, auch zur Pausenablösung, damit die Mähdrescher zu den Essenszeiten nicht stehen bleiben.

Verluste gemeinsam festlegen: Mit der Höhe der Dreschwerks- und Reinigungsverluste steuert man zugleich die Leistung des Mähdreschers. Hält man die Verluste gering, ist auch die Leistung gering. Zwischen Landwirt und Lohnunternehmer gilt: 1 % Verlust ist erlaubt. Das verschafft dem Dienstleister guten Durchsatz und dem Landwirt eine schnelle Ernte.
Das Auge auf den Verlustanblick trainieren: Schüttler-/Rotor- und Reinigungsverluste sehen im Feld meist dramatischer aus als sie tatsächlich sind. Bei 1 % Verlust liegen bei Schwadablage unter 1 m² Schwad etwa 1.000 Körner (7 m Schneidwerksbreite, 75 dt/ha Ertrag). Daran muss sich das Auge und der Blutdruck erst gewöhnen. Rechnen Sie sich aus, wie viel Körner auf der Fläche, die sie gewohnt sind zu prüfen, liegen können bzw. nutzen Sie die Verlustprüfschale. Entscheiden Sie nicht subjektiv - dem Auge ist jedes Verlustkorn zu viel.

Verlustmessgeräte kalibrieren: Verlustmessgeräte sind Schall und Rauch, wenn sie nicht kalibriert werden. Sind sie kalibriert kann man dagegen den Mähdrescher mit hoher Leistung an der genehmigten Verlustkante entlang führen. Mit Hilfe der Verlustprüfschale bzw. mit der Prüfschalenautomatik, wobei der Fahrer die Schale per Knopfdruck automatisch ausklinken kann, geht das schnell und sicher. Das schafft Sicherheit zwischen Landwirt und Dienstleister.

Raps nicht zu früh dreschen: Aus Angst vor Ausfallverlusten wird der Raps meist zu früh gedroschen. Auch wenn die Rapsschoten im oberen Drittel schon weiß sind, befinden sich im unteren Drittel noch grüne Schoten. Diese Gummischoten werden im Dreschwerk nicht ausgedroschen. Hohe Ausdruschverluste sind die Folge. Eine längere Standzeit ist für Raps in der Regel nicht schädlich. Ertrag und Qualität wächst mit späterem Erntetermin zu. Jeder Züchter wird das bestätigen. Die stärker gefährdete Frucht ist heute der Weizen mit schnell sinkenden Fallzahlen. Späte bzw. intensiv geführte Rapssorten kann man nach dem frühen Weizen dreschen oder auch noch später. Schneiden Sie sich nicht Ertrag und Öl weg. Planen Sie mit dem Anbau auch die bessere Erntereihenfolge.
Trocknung auf dem Halm: Als Notmaßnahme bei Zwiewuchs, Unkrautdurchwuchs, Lager u. a. kann die Vorerntesikkation mit Roundup dienen. Das erleichtert und beschleunigt den Mähdrusch.

Häckslermesser drehen und wechseln: Die Arbeitsqualität des Häckslers ist mitentscheidend für Ertrag und Kosten der nächsten Ernte. Je nach Abnutzungsgrad sollten die Häckslermesser gedreht bzw. gewechselt werden. Eine angebaute Heckkamera kostet nicht viel und verhilft dem Fahrer zu einem guten Strohverteilbild mit hohem Folgenutzen.
Bruchkorn im Visier: Achten Sie verstärkt auf Bruchkorn im Bunker. Der Schaden ist immer doppelt so hoch, weil im selben Verhältnis zum Bruchkorn auch Kleinkornanteile den Mähdrescher über die Reinigung verlassen. Hier entstehen große "ungesehene" Verluste.

Bordbuch nicht vergessen: Führen Sie ein Bordbuch ein, wo der Fahrer interessierende Daten eingetragen kann. Diese dienen zur Auswertung, wie Kraftstoffverbrauch, Reparaturen, Leistungen je Tag und Stunde usw. und sind Ausgangspunkt für zukünftige, organisatorische Veränderungen. Nichts ist so schnell vergessen wie die Ernte.
Feuchtemessgeräte kalibrieren: Vergleichen Sie vor der Ernte Ihr Feuchtemessgerät mit dem des Landhandels. 1 % zu hohe Feuchte kostet etwa 5 €/t oder 40 €/ha. Da lohnt sich die Fahrt zum Landhandel. Auch das Feuchtemessgerät im Mähdrescher ist mit dem kalibrierten Gerät aus dem Handkoffer zu vergleichen. Vorsicht ist beim Raps geboten. 2 bis 3 % Unterschiede sind hier durchaus drin.

Dokus vorbereiten: Wiegen die Abfahrer an der Hofstelle selbst, bereiten Sie Handzettel vor, in dem in vorgefertigten Spalten Gewicht und Zeit eingetragen werden. So hat man nicht ein heilloses Durcheinander auf abgerissenen und bekritzelten Zetteln.
Brandvorsorge: Bedenken Sie was im Falle eines Brandherdes im Mähdrescher passieren soll. Ist wenigstens ein Feuerlöscher an Bord?
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