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Technik

Gärreste und Mist hoffähig machen

von , am
19.03.2014

Ein junger Landwirtschaftsmeister und Lohnunternehmer hat es sich im Landkreis Hildesheim zum Ziel gesetzt, Hühnermist und Gärreste hoffähig zu machen. Hier mehr zu seinem Konzept.

Der gelernte Landwirt Heinrich Aue beschäftigt 15 fest angestellte Mitarbeiter sowie Aushilfskräfte. © Hollweg
Den 21. November 2013 wird Heinrich Aue sein Leben lang nicht vergessen. An diesem trüben Herbsttag wurde der 27-jährige Junglandwirt und Lohnunternehmer aus Harsum (Landkreis Hildesheim) in der Oldenburger Weser-Ems-Halle zum "Jungunternehmer 2013" gekürt. Vergeben wurde der Preis von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und überreicht vom niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

In der Laudatio hieß es: "Als Aue vor der Frage stand, den elterlichen Betrieb in klassischer Form weiterzuentwickeln oder neue Wege zu gehen, wählte er die zweite Variante. Er entschied sich, an diesem traditionell vieharmen Ackerbaustandort den Einsatz von organischen Düngemitteln voranzutreiben. Mit selbst angelegten Versuchen auf den eigenen Flächen demonstrierte er die positiven Effekte der organischen Düngung."

Steigende Nachfrage

Mit Erfolg: Die Nachfrage nach den organischen Wirtschaftsdüngern, die Aue überwiegend aus den Veredelungsregionen im Nordwesten bezieht, nahm kontinuierlich zu. Um diese Nachfrage bedienen zu können, baute er parallel zum landwirtschaftlichen Betrieb ein Lohnunternehmen mit eigenem Fuhrpark auf, das sich auf die Beschaffung, den Transport und die Aufbringung des organischen Düngers spezialisierte.

Insgesamt liefert Heinrich Aue also ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die Verteilung von Wirtschaftsdüngern innerhalb Niedersachsens intensiviert werden kann." Damit wird auch von fachlicher Seite attestiert, dass es dem Jungunternehmer gelungen ist, in einer Ackerbauregion, wo große Viehställe, aber auch Biogasanlagen eher selten zu finden sind, organische Dünger hoffähig zu machen.  Der Beginn dieser Erfolgsgeschichte liegt jetzt fünf Jahre zurück und wird eindrucksvoll von der ausgebrachten Menge an Geflügelmist und Gärsubstraten dokumentiert: Was 2008 mit 7.000 Tonnen (t) Geflügelmist begann, addierte sich im letzten Jahr auf 38.000 t feste und 130.000 Kubikmetern (m³) flüssige organische Dünger.

Parallel dazu wuchsen sowohl Mitarbeiterzahl als auch Maschinenpark. Heute beschäftigt Aue 15 Mitarbeiter plus Aushilfen und der Maschinenpark reicht vom 600-PS-Selbstfahrer über einen hochmodernen 30-m³-Miststreuer mit der Möglichkeit teilflächenspezifischer Ausbringung bis hin zum Radlader und zur Hochleistungsgüllepumpe.

Überzeugungsarbeit

Den Erfolg bei den Landwirten in der Hildesheimer Börde, aber auch darüber hinaus hat sich Aue hart erarbeitet. Nicht nur Zuverlässigkeit und faire Preise (je nach Düngerart, -menge und Jahreszeit 25 bis 35 € netto je Tonne frei Wurzel inklusive Ausbringung und Diesel) gaben den Ausschlag. Vor allem ist es ihm gelungen, die Ackerbauern von den handfesten Vorteilen organischer Düngemittel zu überzeugen. Um dafür "belastbares Material" zu bekommen, hat er eigene Getreideversuche angelegt.

"Dabei handelt es sich nicht um Exaktversuche mit mehreren Wiederholungen über viele Jahre", gibt Aue zu. Doch von der Aussagekraft seiner praxisnahen Versuche über zwei Jahre (2009 und 2010) auf betriebseigenen und betriebsfremden Flächen ist er überzeugt. Dazu suchte er "große homogene Schläge" aus, die zur Hälfte organisch, zur anderen Hälfte mineralisch gedüngt wurden.

Die Erträge ermittelte Aue mit Hilfe eines Mähdreschers, der mit elektronischer Ertragserfassung ausgerüstet war, und durch Wiegen des Korns. Die Ergebnisse bezeichnet Aue als "eindeutig", und sie überzeugen immer mehr Landwirte in seiner Umgebung.
Den Kostenvorteil beziffert der 27-jährige Landwirtschaftsmeister mit 40 bis 50 %, also rund 60 € je Hektar. "Diesen Aspekt haben die Landwirte sofort verstanden", sagt Aue. Ebenso wichtig sei der Mehrertrag, den Aue in seinen Versuchen ermittelt hat. Der beträgt nach seinen Berechnungen "auf leichten Böden mit nur 60 Bodenpunkten" rund 10 %, auf den ganz schweren Böden etwa 5 %. "Bei einem Ertragsniveau von 10 t je Hektar sind das 5 dt oder etwa 100 € je Hektar", rechnet Aue vor. In der Summe von eingesparten Düngerkosten und Mehrertrag ermittelte er im Jahr 2009 eine Differenz von 160 € je Hektar zwischen organischer und mineralischer Düngung.

Die Ergebnisse wurden im Folgejahr 2010 bestätigt. Damals, als der Sommer phasenweise sehr trocken war, wurde noch ein weiterer positiver Effekt der organischen Düngung deutlich: "Die Fallzahlen waren stabiler und die Rohprotein-Gehalte leicht höher als auf der Vergleichsfläche mit mineralischer Düngung", resümiert Aue. Seine Erklärung: Die mit Geflügelmist ausgebrachte organische Masse fördert den Humushaushalt des Bodens, was dessen Wasserhaltevermögen verbessert. Und davon profitiert nicht nur Getreide.
 
Mittlerweile hat Aue die Zuckerrüben in seine Betrachtung mit einbezogen. Auch sie reagieren positiv auf organische Dünger, wenn Geflügelmist oder Gärreste  im Herbst vor der oder zur Zwischenfrucht ausgebracht werden. "Während bei längerer Trockenheit die Rübenblätter auf mineralisch gedüngten Flächen bereits schlaff herab hängen, standen die Pflanzen auf den organisch gedüngten Parzellen noch stramm da", schildert Aue seine Erfahrung und ergänzt: "Die Pflanzen können dann noch assimilieren, also Zucker bilden."
Um diese pflanzenbaulichen Zusammenhänge und seine Erkenntnisse aktuellen und potenziellen Kunden nahezubringen, veranstaltet Aue immer wieder Informationsveranstaltungen, in denen er für die Vorteile der organischen Düngung wirbt. Seine Argumente kommen an - und das nicht nur bei Ackerbauern.

Die Landwirtschaftskammer ist bei der Auszeichnung Heinrich Aues zum Jungunternehmer 2013 darauf lobend eingegangen. In der Begründung hieß es auch: "Herr Aue hat es nicht nur geschafft, Berufskollegen für die Anwendungen alternativer Dünger zu begeistern. Auch die Vorbehalte bei der Gemeinde- und Landkreisverwaltung konnte er ausräumen." Insgesamt also eine erfolgreiche Überzeugungsarbeit, die auf Erfahrung basiert und der gesamten Landwirtschaft zugute kommt.

Fazit

Gärreste und Hühnermist können in Ackerbaubetrieben sinnvoll verwertet werden.
Ihr Einsatz setzt eine gut funktionierende Logistik und einige Überzeugungsarbeit voraus.
Lohnunternehmer Aue hat ein Vertriebskonzept entwickelt, welches von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ausgezeichnet wurde.
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