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Rettungsaktion

Gemeinsam noch mehr Kitze retten

Rehkitz im Gras
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
19.10.2018

Rehkitze in der Mähsaison per Drohne zu retten: Darauf sind Carsten Kemna aus Melle und Sven Pots aus Bissendorf spezialisiert. Sie suchen Mitstreiter.

Herbstzeit, die Mähsaison auf den Grünland-Flächen ist vorbei. Die wenigsten denken jetzt an Rehkitze. Doch Carsten Kemna, Landwirtssohn und Reha-Techniker aus Melle, und Sven Pots, Maschinenbauingenieur aus Bissendorf in Niedersachsen, tun das. Die beiden Männer sind seit 2017 ehrenamtliche Kitzretter im Osnabrücker Land und haben damit schon eine Menge öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt.

Jetzt in der beginnenden Wintersaison möchten sie die Zeit dazu nutzen, um weitere Kitzretter zu werben und so ein Netzwerk an Wildtierrettern aufzubauen. Kemna: "Jäger und Landwirte halten im Winter oft ihre Versammlungen ab und das ist eine gute Gelegenheit, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen".

Drohnen: Bezahlbare Technik

Denn Kemna und Pots haben mit der Drohne eine Technik im Einsatz, die ihrer Meinung nach auch von vielen anderen Personen zur Rettung von Wildtieren vor dem sicheren Mähtod eingesetzt werden kann. "Bezahlbar ist die Technik allemal", so Kemna.

Im einschlägigen Fachhandel sind Drohnen, ausgerüstet mit einfacher Wärmebildkamera, schon für um die 3.000 Euro erhältlich. "Wir brauchen auch keine hochempfindliche Wärmebildkamera, um ein Kitz im Gras aufzuspüren", ergänzt Pots.

Mähflächen früh morgens abfliegen

Wichtig ist, dass die Mähflächen am Tag der Mahd sehr früh morgens, wenn die Umgebungstemperatur noch niedrig ist, mit der Drohne abgeflogen werden. Dann nämlich kann die Wärmestrahlung der Kitze, deren Körpertemperatur etwa 25 °C beträgt, deutlich von der Kamera wahrgenommen werden. "Wir müssen um 4 Uhr morgens los", erzählt Kemna, und lacht: "Wenn wir nur ein Kitz retten, ist die Anstrengung vergessen".

Helfer über Funk zum Rehkitz dirigieren

Während einer der ehrenamtlichen Kitzretter den Hexacopter in 15 Metern Höhe Bahn für Bahn über die Fläche steuert, trägt der andere eine FPV-Brille (First-Person-View). In dieser Brille kann er genau wie der "Pilot" auf seinem zweigeteilten Display sowohl das Wärmebild als auch daneben das Videobild der Kamera verfolgen. Wärme abstrahlende Körper erscheinen als rötliche Flecken im Gras.

Vier Augen sehen besser als zwei. "Helfer können über Funk bis zu der Stelle dirigiert werden, wo das Kitz liegt", so Kemna. Denn man sieht die kleinen Rehe im hohen Mähgras oder Grünroggen sehr schlecht, selbst, wenn man direkt daneben steht.

Rehkitz gerettet: Landwirt überglücklich

Mit Handschuhen und/oder im Grasbüschel eingepackt werden die Kitze an den Rand gesetzt, wo die Ricke ihren Nachwuchs finden wird. So konnten Kemna und Pots 2017 schon 18 und dieses Jahr 39 Kitze vor den tödlichen Mähwerken retten. Dabei haben sie erfahren: "Selbst gestandene Landwirte reagieren überglücklich, wenn sie auch nur ein Kitz retten konnten". Das motiviert.

Mehr Landwirte für der Kitzrettung

Die überzeugende Arbeit der beiden Kitzretter hat gleich im ersten Jahr zu einer so großen Nachfrage geführt, dass für Kemna und Pots feststeht: "Wir brauchen Unterstützung". Denn neben ihren Berufen können sie die vielen Flächen im Frühjahr nicht alleine absuchen. Ihnen ist wichtig, dass sich immer mehr Landwirte die Kitzrettung auf die eigenen Fahnen schreiben. Die "fliegende Kamera" macht es möglich. Dabei stellt der Umgang mit der Drohnentechnik keine allzu große Hürde mehr dar.

Außerdem sind die beiden bereit, ihr Wissen weiterzugeben. Auf ihrer Homepage gibt es zahlreiche Hinweise. Die Drohnen mit Wärmebildkamera lassen sich auch anders einsetzen, zum Beispiel zum Aufspüren von Schwarzwild.  

Rehkitze retten: Landwirte zeigen wie es geht

Rehkitz im Gras
Vogelscheuche und Rehkitzretter
Rehkitzretter und Kitz
Reh im Gras
Jäger bei der Mahd
Pöttinger Wiltierretter
Kitz Wildtier
Wiltierretter vor Traktor
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