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Technik

Grenzsituationen sicher bewältigen

von , am
11.06.2014

Gefahren richtig einschätzen und Grenzsituationen sicher bewältigen, das war das Ziel von zwei Praxisschulungen der LAND & Forst in Zusammenarbeit mit ADAC und Agravis vorige Woche in Lüneburg.

Auch mit einem vier Tonnen schweren Mähwerk am Heck muss man sicher zum Stehen kommen. © Bergmann

Eine Wasserfontaine schießt direkt vor dem Traktor hoch, doch souverän lenkt der Fahrer um das Hindernis herum.
Ob Fahrzeugbeherrschung im Grenzbereich, plötzliches Schlingern, Ausbrechen vom Anhänger oder Ladungssicherung, die 30 Teilnehmer konnten wertvolle Erfahrungen für ihre tägliche Fahrpraxis sammeln. Schon in der Vorstellungsrunde berichteten sie von eigenen Erfahrungen mit Unfällen und brenzligen Situationen im Arbeitsalltag. Drei Traktoren von 260 bis 300 PS, mehrere Anhänger und verschiedene, teilweise auch schwere Anbaugeräte boten eine gute Trainingsgrundlage. Zudem ermöglicht modernste Technik im ADAC Fahrsicherheitszentrum Lüneburg die Simulation von unterschiedlichen Fahrsituationen und Fahrbahnbelägen.

Zunächst einmal vermittelte Jürgen Wenzel vom ADAC theoretische Grundlagen. Durch immer größere und schnellere Schlepper mit schweren Anbaugeräten würden sich kritische Situationen im Straßenverkehr häufen. Wenn eine unerfahrene Person am Lenkrad eines großen Schleppers sitze und dahinter noch einen Abschiebewagen mit 50 m3 habe, dann seien Gefahrensituationen nur schwer einzuschätzen. Da wird aus purem Fahrspaß schon mal Ernst und der Hänger schiebt locker den Trecker weg. Zudem können viele Autofahrer die Geschwindigkeiten von Landmaschinen nicht richtig einschätzen: Manche denken bei Treckern immer noch an 20 km/h statt an 60 km/h und das sei eben in jeder Beziehung ein Riesenunterschied.

Wenzel machte auch darauf aufmerksam, dass ein toller großer Spiegel den toten Winkel zwar verkleinern könnte, aber gleichzeitig auch die Sicht nach vorn behindern würde. Die Schlepper auf dem Gelände wurden betreut von Willi Denecke (Fendt) sowie Norbert Petersen, Ralf Scharf und Carsten Burmester (Agravis). Zunächst einmal machten sich alle Teilnehmer mit den Schleppern vertraut, suchten die optimale Sitzposition, stellten die Spiegel ein und drehten einige Runden, um ein Gefühl für die Großtraktoren zu bekommen.  

Dann wurden drei Runden auf einem Slalomkurs gedreht. Manche erlebten zum ersten Mal derartige Grenzsituationen bei steigender Geschwindigkeit. Das Lenkverhalten beim Fahrstreifenwechsel spielte den ganzen Tag über eine große Rolle. Geübt wurde auch das Lenken mit dem Knauf am Lenkrad. Wenzel wies eindringlich auf die durch den Knauf entstehenden Gefahren hin und appellierte immer wieder an die Teilnehmer, abrupte Lenkbewegungen zu vermeiden.
Natürlich ging es in der praktischen Unterweisung auch um das sichere An- und Abkuppeln sowie um das  Rangieren. Auch mögliche Kippgefahren wurden simuliert. Spannend wurde es für alle beim Ausweichen auf unterschiedlichen Fahrbahnbelägen. Ein Knackpunkt ist immer wieder das Bremsen: So gab es in Lüneburg zahlreiche Vollbremsungen auf trockener, nasser oder glatter Fahrbahn mit unterschiedlichen Anhängern. Der ADAC-Trainer bezifferte die Reaktionszeit auf 0,6 bis 1,7 Sekunden. Bei Tempo 60 sei ein Abstand von 18 m erforderlich. Bei Gefahrensituationen mit Schleppern
empfahl Wenzel grundsätzlich eine Vollbremsung statt riskante Ausweichmanöver. Und noch eine Aussage von ihm regte zum Nachdenken an: Bei Auffahrunfällen fahren 50 % aller Fahrer ungebremst auf das Hindernis, sind also vorher möglicherweise abgelenkt.
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