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Technik

Große Unterschiede bei den Details

von , am
11.12.2013

Der Kauf eines Schleppers steht an. Nach welchen Kriterien kann ich das gewünschte Fabrikat beurteilen? Wir sagen Ihnen hier, was wichtig ist.

Die Schlepper verschiedener Hersteller unterscheiden sich nicht nur in ihrem Äußeren, sondern in vielen technischen Details. © Dr. Kowalewsky
Wer hat sich nicht schon geärgert, weil er erst nach der Anschaffung seines Schleppers feststellt, dass dieser nicht in allen Punkten den Erwartungen entspricht. Zu den technischen Details, denen vor dem Kauf eines Schleppers oftmals nur geringe Bedeutung beigemessen wird, zählt z.B. der Aufstieg. Dabei muss vor bzw. nach jedem Einsatz des Schleppers der Aufstieg genutzt werden und nicht wenige Landwirte haben sich dabei schon Abschürfungen am Schienenbein zugezogen.

Gut ist ein Aufstieg, wenn die unterste Stufe nicht zu hoch angeordnet ist, wenn alle Stufen den gleichen Abstand aufweisen, wenn sowohl in der Tiefe als auch in der Breite genug Platz ist, um mit schweren Stiefeln sicher auftreten zu können und wenn durch eine gute Selbstreinigung die Gefahr des Abrutschens verringert wird. In diesem Zusammenhang kommt auch der seitlichen Abschirmung des Aufstiegs zum Rad hin Bedeutung zu. Diese Abschirmung sollte geschlossen ausgeführt sein, um ein Verschmutzen der Trittstufen möglichst gering zu halten.

Schwer zu ersteigen sind die fast senkrecht angeordneten Aufstiege, wie sie früher z.B. bei Trac-Schleppern häufiger vorkamen. Der Vorteil der breiteren Kabine wurde hier durch Nachteile im Aufstiegsbereich erkauft. Auch die Handläufe waren damals relativ klein dimensioniert, sie sollten über den gesamten Aufstiegsbereich gehen. Hat man den Aufstieg erklommen, machen zu kleine Eingangstüren zumindest bei größeren Fahrern eine Art Demutshaltung erforderlich, um in die Kabine zu gelangen. Wenn dann noch der Getriebetunnel auf dem Kabinenboden angeordnet ist und das Lenkrad sich nicht wegklappen oder zurückschieben lässt, sind einige Blessuren schon vorprogrammiert.

Hohes Niveau bei Sitzen

Schlechte Sitze auf ihren Schleppern haben bei vielen älteren Landwirten zu nachhaltigen Rückenproblemen geführt. Das ist vorbei. Nahezu jeder Schlepper kann heute mit einem luftgefederten Sitz, der auf Größe und Gewicht einstellbar ist, ausgestattet werden. Nicht so komfortabel geht es dagegen auf den Beifahrersitz zu. Umständlich zu handhabende Klappmechanismen, kleine ungepolsterte Sitzflächen, wenig Platz für die Knie, die Schultern und den Kopf sowie fehlende Kindersicherungen sind nicht nur bei Billiganbietern zu finden. Von gefederten Ausführungen mal ganz zu schweigen.

Unterschiedlich ist auch die Sitzposition bei verschiedenen Schleppern. Höher angeordnete Sitze verbessern häufig die Sicht nach vorn und hinten. Bei der besonders wichtigen Sicht nach vorn spielt aber auch die Neigung der Motorhaube eine große Rolle. Wer viel mit Frontanbaugeräten arbeitet, sollte darauf achten.

Zur Motorhaube selbst sei noch angemerkt, dass es auch hier gute und weniger gute Ausführungen gibt. Wenn die gesamte Motorhaube in einem Stück hochklappt und dann alle für Wartung, Pflege und Reparaturen wichtige Bereiche gut zugänglich sind, ist das wesentlich besser als die Abdeckung des Motors mit verschiedenen umständlich zusammen zu steckenden Blechen.

Pflege und Wartung

Besonders ärgerlich wird es, wenn für täglich durchzuführende Arbeiten, wie z.B. für die Kontrolle des Motorölstandes erst Teile der Motorhaube demontiert werden müssen. Ärgerlich auch, wenn dann der Peilstab nicht ablesbar ist. Dabei gibt es gut ablesbare Peilstäbe (z.B. mit seitlichen Auskerbungen) gefühlt schon seit einhundert Jahren.

Hat die Ölstandskontrolle einen zu niedrigen Füllstand ergeben, muss Öl nachgefüllt werden. Dabei ist es vorteilhaft, wenn der Ölpeilstab und die Einfüllöffnung für das Motoröl auf der gleichen Schlepperseite angeordnet sind. Das spart Rennerei. Nicht selten sind auch Einfüllöffnungen so unglücklich angeordnet, dass aus Platzgründen eine normale Kanne nicht zu Ölauffüllen genutzt werden kann. Das gilt insbesondere, wenn Frontlader angebaut sind. Schlecht zugängliche Einfüllstutzen gibt es auch für Hydraulik- und Getriebeöl.

Deutlich besser geworden sind dagegen die Dieseleinfüllstutzen. Sie sitzen in der Regel auf der linken Fahrzeugseite direkt im Aufstiegsbereich und sind vom Boden aus gut zugänglich. Auf der rechten Seite des Schleppers, mittig auf der Motorhaube oder hinter der Kabine angeordnete Einfüllstutzen findet man heute selten und es gibt immer mehr Hersteller, die ihre Schlepper sogar mit abschließbaren Tankdeckeln ausrüsten. Um auch für einen langen Arbeitstag ausreichend Diesel tanken zu können, sollte die Tankgröße in Litern mindestens dem Doppelten der kW-Leistung des Schleppers entsprechen (also bei einem 150 kW-Schlepper etwa 300 l).

Einfacher geworden ist bei vielen Schleppern die Kühlerreinigung. Durch einfaches Ausklappen sind die verschiedenen Kühlerbereiche deutlich besser zugänglich als früher. Außerdem kann durch Umkehren der Lüfterlaufrichtung eine automatisierte Reinigung erreicht werden.

Neben den Kühlern zählen auch die Luftfilter zu den regelmäßig zu reinigenden Bauteilen eines Schleppers. Wenn diese nicht vorn, sondern seitlich unter der Motorhaube angeordnet sind, geht es bei der Reinigung relativ eng zu. Es ist dann schwierig, die Klemmverschlüsse weit genug zu öffnen und man kann sich u.U. die Finger an heißen Motorteilen verbrennen oder an scharfen Kanten verletzen.

Kabinenausstattung

In der Kabine gibt es eine Vielzahl von Hebeln und Schaltern, die natürlich nicht alle im optimalen Griffbereich angeordnet werden können. Besonders die häufig zu betätigenden Bedienelemente für Getriebe, Hydraulik und Zapfwelle sollten aber gut erreichbar platziert und gut lesbar gekennzeichnet sein.

Probleme mit der Kennzeichnung gibt es bei einigen Schlepperfabrikaten nach wie vor im Hydraulikbereich. Gute Ausführungen zeichnen sich hier durch ein durchgängiges Farbkonzept von den Steckkupplungen bis zu den Bedienhebeln bzw. -tasten der verschiedenen Steuergeräte aus. Als gut hat es sich auch erwiesen, wenn die Steckkupplungen unter Druck kuppelbar sind und evtl. auftretendes Lecköl in speziellen Behältern aufgefangen wird.

Zur Bedienung der Getriebe sei angemerkt, dass hier nach Entwicklung der stufenlosen Getriebe kaum noch Wünsche offen sind. Aber nicht alle Schlepper verfügen über stufenlose Getriebe. Bei den Schleppern mit Lastschaltstufen kann man heute meist vorwählen, ob der Schaltvorgang schneller und kraftschlüssiger oder langsamer und weicher erfolgen soll. Das früher oftmals ruckartige Wechseln von einer Stufe in die andere ist damit Vergangenheit. Was im Bereich der Gangschaltung sonst noch zu kritisieren wäre, ist allenfalls die Wendeschaltung. Die ist nicht immer so angeordnet, dass sie ohne Loslassen des Lenkrades bedient werden kann. Für den Fahrer noch problematischer sind allerdings Getriebegeräusche, die insbesondere bei schneller Straßenfahrt echt nerven können.

Eher zu den Kleinigkeiten zählen dagegen Scheibenwischer mit einem zu kleinen Wischbereich, Scheibenwaschanlagen mit nur einer Düse, die noch dazu falsch angeordnet ist, Spiegel, die sich von selbst verstellen, Blinker ohne automatische Rückstellung, Einzelradbremsen mit nicht erreichbaren Entriegelungsvorrichtungen und viel zu klein geratene Sonnenblenden. Auch kaum erreichbare Kabinenluftfilter im Dach, unzugänglich angeordnete und schlecht gekennzeichnete Sicherungskästen sowie viel zu kleine Ablagefächer sind in  Kabinen von neueren Schleppern nicht selten zu finden.

Detailunterschiede

Nicht nur in, sondern auch außerhalb der Kabine unterscheiden sich unsere Schlepper erheblich. So kann beispielsweise das Zugmaul bei einigen Fabrikaten leicht und über einen so großen Bereich verstellt werden, dass es auch bei Nutzung der Zapfwelle nicht abgebaut werden muss. Die Zapfwelle selbst lässt sich leider nicht immer von Hand drehen, was aber das Ankuppeln der Gelenkwelle deutlich erleichtern würde.

Knapp bemessene Kotflügel mögen zwar die Optik des Schleppers verbessern, praktisch sind sie aber nicht, denn sie führen zu stärkerer Verschmutzung von Anbaugeräten oder Anhängern. Durch stärkere Verschmutzung und anschließenden Rost werden auf Dauer auch Unterlenker-Stabilisatoren aus Spannketten unbrauchbar. Steck- oder noch besser Klapplösungen sind hier eindeutig zu bevorzugen. Es müssen ja nicht unbedingt die noch besseren, aber auch noch teureren, hydraulischen Stabilisatoren sein.

Wenn sie erst einmal angekuppelt sind, weisen hydraulische Oberlenker viele Vorteile auf. Das Ankuppeln selbst ist aber bei diesen bis zu 50 kg schweren Teilen eine schwere Prozedur. Durch eine Federunterstützung können hier durchaus Erleichterungen erzielt werden. Um angebaute oder angehängte Geräte steuern zu können, muss immer öfter eine Kabelverbindung zwischen Schlepper und Gerät hergestellt werden. Für die Kabeldurchführung in die Kabine gibt es unterschiedliche Lösungen. Als gut haben sich dabei klappbare Ausführungen erwiesen, da sie immer am Schlepper verbleiben und nicht verloren gehen.

Für den Anbau von Geräten sind Unterlenker gut geeignet, deren Kopplungspunkt weit nach hinten ragen. Dann ist z. B. beim Anbau eines Düngerstreuers mehr Platz zwischen Streuer und Schlepperreifen vorhanden. Wenn dieser Platz weniger als etwa 25 cm beträgt, ist es praktisch nicht mehr möglich, zwischen Schlepper und Gerät zu treten, um anzukuppeln. Je weiter hinten die Kopplungspunkte sind, desto stärker wird allerdings die Vorderachse durch schwere Anbaugeräte entlastet.

Nach vielen Beanstandungen durch die Praxis, durch die Beratung und durch die Fachpresse rüsten neuerdings die ersten Hersteller ihre Schlepper mit vernünftigen Werkzeugkästen aus. Die früher üblichen Ausführungen waren von der Größe her eher als Schminkköfferchen als zur Unterbringung von Hammer, Zange und Schraubenschlüssel geeignet. Wenn die größeren Werkzeugkoffer dann noch in der Nähe des Aufstiegs angebracht und abschließbar sind, könnte dieses leidige Thema endlich zu den Akten gelegt werden.

Zusammenfassung

Es mag zwar sein, dass die Schlepper der in Deutschland häufig verkauften Fabrikate in einigen Bereichen immer ähnlicher werden. Das gilt aber nicht für die vielen kleinen Details, die beim Schlepperkauf normalerweise nicht so sehr im Vordergrund stehen. Bei diesen Details gibt es auch heute noch Ausführungen, die in der Praxis mehr als nur ein Ärgernis darstellen. Wenn, wie beim Werkzeugkasten geschehen, immer wieder auf bessere Ausführungen hinweisen, sind hier deutliche Verbesserungen erreichbar. Das ist letztlich auch im Interesse der Hersteller.
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