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Reportage

Gülle und Getreide per Kombiliner transportieren

Kombiliner-Guelletransport-Niedersachsen
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
24.07.2018

Kombiliner statt Güllelager: Seit zwei Jahren nutzt Familie Stuntebeck in Damme (Kreis Vechta) ihren neuen Gülle-/Getreidetransporter. Wir haben sie besucht.

Philipp Stuntebeck steht mit seinem LKW-Fahrer Dirk Hellbusch auf dem Waschplatz seines Betriebes mit Schweinehaltung im niedersächsischen Damme. Die beiden besprechen die morgige Tour nach Würzburg. Stuntebeck ist Landwirt und nicht nebenbei Speditionsunternehmer.

Die Gülle aus seinem landwirtschaftlichen Betrieb lässt er seit zwei Jahren mit seinem Kombiliner nach Hamburg, Schwerin, Peine, Magdeburg transportieren – und es rechnet sich sogar nach Würzburg.

Haupterwerbszweig des Betriebes, den Philipp Stuntebeck zusammen mit seinem Vater Heinrich führt, sind die rund 550 Sauen im geschlossenen System. Hinzu kommen 2.200 Ferkelaufzuchtplätze und knapp 4.000 Mastplätze. Außerdem werden auf 80 Plätzen noch Bullen gemästet.

Zu wenig Flächen für Nährstoffverwertung

Der jährliche Gülleanfall aus der Schweinehaltung liegt bei ca. 7.500 m³. An landwirtschaftlicher Fläche werden 110 ha Ackerland und 55 ha Grünland bewirtschaftet. Diese Flächen reichten auch schon vor Inkrafttreten der neuen Düngegesetzgebung im vergangenen Jahr nicht aus, die Nährstoffe zu verwerten.

Deshalb haben sie Gülle über eine Nährstoffbörse abgegeben. Die abzugebende Menge lag bei 4.000 m³ im Jahr. Diese Menge hat sich nach Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung um 300 m³ erhöht.

Sowohl Gülle als auch Schüttware transportieren

Durch das Verbot der Herbstdüngung stand auf dem Betrieb der Bau eines neuen Güllebehälters an. Das war vor drei Jahren. „Damals war ich auf der Agritechnica in Hannover und sah dort auf dem Stand eines Fahrzeugbauers aus der Region zum ersten Mal einen Kombiliner“, erinnert Philipp Stuntebeck sich.

Hiermit kann man sowohl Gülle als auch Schüttware wie Getreide transportieren. Das System ist vom Grundsatz her simpel:

  • In einen herkömmlichen Kippauflieger wird ein Güllefass aus Edelstahl montiert.
  • Auf einer Strecke kann im Fass Gülle in die Ackerbauregionen gebracht werden, auf dem Rückweg kann Getreide auf dem Kipper mitgebracht werden.
  • Dadurch, dass es keine Leerfrachten bei den teuren LKW-Fahrten gibt, soll die Transportwürdigkeit von Gülle erhöht werden.

Als Eigenmischer Kombiliner bevorzugt

Kombiliner-Guelletransport

    Vater und Sohn Stuntebeck trafen nach der Agritechnica recht schnell die Entscheidung gegen ein neues Güllelager und für den Kauf eines Kombiliners. Mit für den Kombiliner sprach, dass Stuntebecks Eigenmischer sind. Neben dem Getreide von den eigenen Flächen kaufen sie jährlich noch etwa 3.000 t zu, um daraus das Futter für ihre Schweine zu mischen.

    Mit ihrem Kombiliner können rund 23 t Getreide transportiert werden, sprich, an 130 Tagen im Jahr ist er für den eigenen Futternachschub unterwegs. Das Güllefass auf dem Kombiliner hat ein Fassungsvermögen von 26 m³, bei abzugebenden 4.300  m³ ist der Kombiliner somit 165 Tage auf Tour. 

    Anlaufzeit war nötig

    Mittlerweile läuft der kombinierte Gülle- und Getreidetransport gut. Darüber sind die beiden Landwirte sehr froh, denn dafür brauchte es eine ziemliche Anlaufzeit. Stuntebecks haben derzeit acht feste Abnehmer, alles größere landwirtschaftliche Betriebe mit zumindest etwas Tierhaltung und mit Lagermöglichkeiten für die Gülle.

    „Das Bewusstsein für den Wert der Gülle ist dort anders ausgeprägt und diese Betriebe kennen den Umgang mit organischem Dünger und dessen positive Wirkung für den Boden“, sagt Heinrich Stuntebeck.

    Abnehmer für Gülle finden

    Sein Sohn hat sich nach dem Kauf des Kombiliners daran gemacht, Abnehmer für die Gülle zu finden. Die zuerst angedachte Idee, Biogasanlagen zu beliefern, verwarfen sie recht schnell wieder: „Da gab es nicht genug Lagerraum, die Gülle musste zu genau festgelegten Zeiten angeliefert werden etc.“, zählt Philipp Stuntebeck auf.

    So gingen sie den mühsamen Weg, landwirtschaftliche Betriebe als Aufnehmer zu finden. Kontakte von Berufskollegen, Organisationen, soziale Netzwerke und sogar das gute alte Telefonbuch wurden angezapft, um den Absatz der Gülle hinzubekommen. „Das war mühsam und es war nur der erste Schritt,“ berichtet Philipp Stuntebeck.

    Getreidelieferanten suchen

    Denn ebenso mussten Lieferanten für Getreide, das ja im Gegenzug wieder mit zurückgenommen werden sollte, zu vernünftigen Preisen gefunden werden. Dabei halfen vielfach die Abnehmer der Gülle, die vor Ort in der Regel über ein berufliches Netzwerk verfügen.

    Da nicht alles an transportiertem Getreide im eigenen Betrieb gebraucht wird, werden mit einem Teil Mischfutterhersteller im Oldenburger Münsterland beliefert. „Auch das war noch einmal eine Hürde“, so Heinrich Stuntebeck.

    Der Kombiliner hat jedoch eine GMP-Zertifizierung (=Good Manufacturing Practice), wie sie für Mischfutterhersteller obligatorisch ist, sodass etwaige hygienische Bedenken ausgeräumt werden konnten.

    Meist sei in der Branche zudem das Bewusstsein, dass man das Thema Nährstoffüberschüsse gemeinsam angehen muss, vorhanden, finden die Beiden. Allergrößtenteils, betont Stuntebeck Senior. Eine nahegelegene Genossenschaft wolle nach wie vor kein Getreide, das per Kombiliner angeliefert würde.    

    Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst-Ausgabe 30/18.

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