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Technik

Mit Hochdruck ran an den Schmutz

von , am
14.05.2014

Vom Einsatzgebiet eines Hochdruckreinigers hängt es ab, ob der Landwirt mit einem mobilen Gerät besser bedient ist als mit einer stationären Anlage. Wir bieten Entscheidungshilfen für den Kauf eines Profi-Gerätes.

Zur Reinigung von Stallgebäuden werden relativ hohe Wassermengen benötigt. © Meier-Brakenberg
 
 
 
 
 
 
 
Bevor ein neuer Hochdruckreiniger angeschafft wird, muss klar sein, für welche Bereiche das Gerät eingesetzt werden soll - für den gesamten Betrieb oder nur für die Reinigung eines Stalles. Wenn mehrere örtlich vonein-ander getrennte Standorte mit einem Hochdruckreiniger bedient werden sollen, fällt die Entscheidung schnell auf die mit einem Fahrwerk ausgestattete mobile Variante. Da auf vielen Betrieben aber zeitgleich ein Hochdruckreiniger benötigt wird, sind oft neben mehreren mobilen Geräten auch fest installierte Anlagen vorzufinden.

Zeitintensiver Auf- und Abbau

Bei den mobilen Hochdruckreinigern handelt es sich um Geräte, bei denen das gesamte Zubehör wie 20-m-Hochdruckschlauch sowie verschiedene Lanzen und Düsen auf dem Fahrwerk installiert sind. Für den Einsatz werden lediglich eine 400 V CE-Steckdose sowie ein Wasseranschluss mit Schlauch in der Nähe des Gerätes benötigt.

Ein großer Nachteil des mobilen Gerätes offenbart sich, wenn mehrere Abteile nacheinander gereinigt werden müssen. Hier muss dann nach jeder Abteilsäuberung die gesamte Technik wie Hochdruckreiniger, Verlängerungskabel, Wasserschlauch und Hochdruckschlauch mit Lanze abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden.

Ist dann der Hochdruckschlauch nicht auf die Abteiltiefe ausgelegt, und das Gerät muss während des Reinigungsvorgangs nochmal umgestellt werden, vergeht schnell die Lust an der Arbeit. Zusätzlich besteht oft das Problem, dass nur ein Hochdruckreiniger für mehrere Ställe vorhanden ist. Das nimmt dann nochmals zusätzliche Rüstzeiten in Anspruch. Vor allem darf die Desinfektion des Hochdruckreinigers nicht vergessen werden, sonst kann es schnell zu einer Verschleppung von Krankheitserregern durch einen "Saubermacher" kommen.

Unterstellt man eine Rüstzeit von 45 Minuten pro Reinigung in einem Stall, der abteilweise gereinigt wird, fallen bei drei Reinigungen schon knapp 2,5 Stunden pro Abteil und Jahr nur für das Auf- und Abbauen der gesamten mobilen Technik an. Bei zehn Abteilen wären das 25 Stunden pro Jahr. Bei einer Vergütung von 15 €/Std. sind das pro Stall und Jahr bereits 400 € allein an Arbeitslohn. Diese Kosten dürfen nicht unterschätzt werden.

Schlagkräftige Zentralsteuerung

Aus diesem Grund bieten die Hersteller von Profigeräten vor allem für Stallanlagen stationäre Hochdruckreiniger an. Hierbei handelt es sich meistens um die gleichen Grundgeräte. Der Unterschied ist nur, dass das Grundgerät im Vorraum bzw. Technikraum untergebracht ist. Das Wasser wird dann über Hochdruckleitungen aus Edelstahl oder einen Hochdruckgewebeschlauch bis vor die einzelnen Abteile gefördert. Hier kann dann an den einzelnen Zapfstellen der Hochdruckschlauch mit der Lanze angeschlossen werden.

Preislich unterscheiden sich die Grundgeräte nur geringfügig voneinander. Die Mehrkosten sind in den schon vorhandenen Extras im Vergleich zur mobilen Variante versteckt. So ist bei den stationären Geräten eine Start-Stopp-Automatik integriert, die in mobilen Hochdruckreinigern vielfach Sonderausstattung ist. Die höheren Investitionskosten finden sich auch in den Materialkosten der Hochdruckleitung aus Edelstahl oder Hochdruckgewebeschlauch wieder. Gegen diese Mehrkosten müssen allerdings die Einsparung der langen Rüstzeiten, die nicht benötigten zusätzlich 400 V CE-Steckdosen sowie die zusätzlichen Wasseranschlüsse im Zentralgang gegen gerechnet werden.

Der größte Vorteil ist der Wegfall der Rüstzeiten. Soll ein Abteil gereinigt werden, muss einfach nur das Schlauchpaket mit der passenden Lanze in das Abteil transportiert werden und die Reinigung kann beginnen. Anschließend wird das Schlauchpaket gereinigt und aufgewickelt und wieder in den Zentralgang gehängt. Vor allem, wenn mehrere Personen gleichzeitig reinigen sollen, ist die Variante eines zentralen Hochdruckreinigers unumgänglich. Hierfür bieten die Hersteller extra stationäre Mehrpumpenanlagen an. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder Person ausreichend Leistung zur Verfügung steht. Eine weitere Neuerung sind frequenzgeregelte Hochdruckreiniger, die noch mehr Flexibilität in den verschiedenen Einsatzbereichen bieten.

Hochwertiges Material garantiert Haltbarkeit

Auf dem Hochdruckreiniger-Markt findet sich eine große Auswahl an Produkten in den verschiedensten Preissegmenten. Geräte, die in den Werbeblättern der Bau- und Hobbymärkte angeboten werden, sind unschlagbar günstig. Bei diesen Hochdruckreinigern im Preissegment ab 199 € sollte jedem Landwirt aber klar sein, dass es sich dabei um Geräte handelt, die zwar ein bis zwei Jahre zur Entfernung von unansehnlichen Grünbelägen auf der privaten Terrasse geeignet sind, aber nicht für den andauernden und harten Einsatz in Ställen. Nicht ohne Grund werden für die Landwirtschaft spezielle Profi-Hochdruckreiniger von verschiedenen Firmen angeboten. Lassen Sie sich nicht von den äußerlich schön gestalteten Hobbygeräten täuschen. Wichtig ist, was unter der Abdeckhaube verbaut worden ist.

Die im Innern eines für den landwirtschaftlichen Bereich ausgelegten Hochdruckreinigers verbauten Materialien sind auf eine lange Lebensdauer ausgelegt. Das wichtigste Bauteil ist die Pumpe. Es empfehlen sich so genannte Plungerkolbenpumpen (vergleichbar mit den Kolbenpumpen), die über eine Kurbelwelle, bestückt mit Keramik- oder Bronzekolben, angetrieben werden. Die Lagerung sowie die Verbindung von Pumpe und Motor ein weiteres, entscheidendes Kriterium. Hier bieten einige Hersteller sehr gute Lösungen an.

Bei vielen Modellen sind Motor und Pumpe direkt miteinander verbunden. Eine Hohlwelle, die jeweils nur einmal im Motor sowie einmal in der Pumpe gelagert ist, verbindet beide Bauteile. Das kann zur Folge haben, dass bei einer eingelaufenen Hohlwelle das Trennen von Motor und Pumpe unmöglich ist. Dadurch ist der komplette Austausch des Gerätes vorprogrammiert.

Eine bessere Variante ist, Motor und Pumpe durch eine Kupplung mit Gummidämpfern zu verbinden. Dadurch wird sowohl die Welle im Motor als auch die Welle in der Pumpe jeweils doppelt gelagert. Durch die dazwischen geschaltete Kupplung können hier defekte Bauteile ohne größeren Aufwand einzeln getauscht werden. Außerdem dämpft die Gummikupplung Vibrationen und Schläge besser ab. Bei den verbauten Elektromotoren sollten niedrigere Motordrehzahlen von ca. 950 U/min anstatt von ca. 1450 U/min bevorzugt werden. Das erhöht die Lebensdauer des Gerätes.

Das Heißlaufen sicher verhindern

Achten Sie darüber hinaus auf den eingebauten Überhitzungsschutz im Leerlaufbetrieb. Viele Hersteller rüsten Ihre Geräte in der Grundausstattung mit der kostengünstigen Stern-Dreieck-Schaltung aus. Grundsätzlich ist das bei den mobilen Geräten ausreichend, die immer in der Nähe des Wäschers aufgebaut sind. Wird nicht mehr gereinigt, kann die Person den Hochdruckreiniger über den Schalter abschalten.

Ein Problem entsteht, wenn kein Wasser mehr gebraucht wird und der Motor sowie die Pumpe ständig weiterlaufen und überhitzen. Die meisten Hersteller verbauen zur Sicherheit eine Wasserumlauffunktion innerhalb des Gerätes. Das verhindert für eine gewisse Zeit die Überhitzung. Zusätzlich werden unter anderem Thermoventile oder auch Bypässe eingebaut, die bei einer drohenden Überhitzung öffnen und sicherstellen, dass kaltes Wasser nachläuft. Gegen Aufpreis bieten die Hersteller eine Start-Stopp-Automatik an. Bei dieser Funktion schaltet sich der Hochdruckreiniger nach einer voreingestellten Zeit selbstständig aus, wenn kein Wasser durch das Gerät fließt. Je nach Aufpreis ist eine Start-Stopp-Automatik zu empfehlen.

Die Wasserleistung sorgt für Sauberkeit

Bei der Frage nach der Wasserleistung scheiden sich die Geister. Viele meinen, nur der Druck, der durch den Hochdruckreiniger erzeugt wird, ist entscheidend. Ein Druck von ca. 200 bar müsste auf jeden Fall erzeugt werden, damit ein zufriedenstellendes Reinigungsergebnis erzielt wird. Diese Aussage ist so nicht richtig, denn die optimale Reinigungs- bzw. Aufprallkraft wird von der Wasserleistung, dem Druck sowie dem Spritzwinkel bestimmt. Vor allem bei der Stallreinigung ist nicht der Druck, sondern die Wasserleistung des Hochdruckreinigers der entscheidende Faktor.

In der Praxis haben sich, je nach Einsatzgebiet, verschiedene Wasserleistungen etabliert. Für die Maschinenwäsche oder die Reinigung des Abferkelbereichs werden Wasserleistungen von 20 bis 25 Liter pro Minute bevorzugt. Hochgerechnet prallen dann ca. 1.500 Liter Wasser in der Stunde auf die zu reinigende Fläche. Für die Ferkelaufzucht sowie Mastschweine- oder Mastgeflügelhaltung werden aufgrund der höheren Schwemmleistung gerne Hochdruckreiniger mit Durchflussraten von 1.500 bis 2.500 Liter Wasser pro Stunde eingesetzt. Das sind Mengen von zum Teil über 40 Litern pro Minute. Bei diesen Wasserleistungen arbeiten die Profigeräte mit einem Druck von "nur" 120 bis 150 bar.

Mit der richtigen Lanze kein Muskelkater

Bei Wasserleistungen von 40 bis 50 l/min. und ca. 150 bar Druck in Verbindung mit den heute standardmäßig eingesetzten Flachstrahldüsen mit einem Abstrahlwinkel von ca. 25° entstehen enorme Gegendrücke, die sich in den Armen sowie im Schulterbereich des Bedieners bemerkbar machen.

Auszubildende und Frauen reinigen aus diesem Grunde vorzugsweise mit geringeren Wasserleistungen bzw. Drücken. Hierfür bieten die Hersteller die so genannten Doppellanzen an. Je nach Ausführung kann am Griff der Lanze der Druck variabel eingestellt werden. Wichtig ist, dass nur der Druck reduziert wird. Bei einigen Modellen wird nämlich auch der Wasserdurchfluss verringert, wodurch der gewünschte Spüleffekt verschwindet, der für die Maschinenwäsche oder das Abspülen von Decken und Trögen im Stall benötigt wird.

Die in der Vergangenheit von vielen Landwirten favorisierten Dreckfräsen wurden von den heutigen Flachstrahldüsen abgelöst. Durch die großen Wasserleistungen können auch mit den Flach- und Punktstrahllanzen hartnäckige Verschmutzungen ohne große Probleme beseitigt werden. Sollten trotzdem Dreckfräsen eingesetzt werden, ist zu beachten, dass durch die Rotation der Düse der Wasserstrahl viel aggressiver auf die zu reinigende Oberfläche trifft. Dadurch können Stalldecken oder auch Betonböden angegriffen werden. Diese Aggressivität lässt sich auch abgeblätterter Farbe oder den nach der Reinigung fehlenden Aufklebern an Maschinen erkennen.

Es empfiehlt sich, Ställe und Maschinen vor der eigentlichen Reinigung einzuweichen und anschießend mit einer leistungsstarken Flachstrahldüse abzuspülen. Als Grundsatz gilt, die Einweichanlage lieber abends früher anstellen und morgens später mit der Reinigung beginnen. Vor allem Schweineställe sollten so lange eingeweicht werden, dass die Verschmutzungen ohne großen Aufwand wegzuspülen sind.

Die Ausstattung bestimmt den Preis

Die für die Landwirtschaft entwickelten Profi-Hochdruckreiniger haben ihren Preis. Durch die gute Verarbeitung der hochwertigen Materialien, die Langlebigkeit der Motoren und Pumpen und die gut ausgestatteten Grundgeräte sind, je nach Pumpenleistungen, 1.200 € bis 3.500 € einzuplanen. Bei Mehrpumpen- oder frequenzgeregelten Hochdruckreinigern können auch schnell 5.000 € bis 8.000 € Investitionskosten anfallen.

In der Grundausstattung sind ja nach Hersteller 10 bis 20 m Hochdruckschlauch, verschiedene Lanzen bzw. Düsentypen mit Schnellwechselsystem sowie der Wasserfilter für grobe Wasserverschmutzungen und der einfache Ein-/Ausschalter enthalten. Schlauchtrommeln für längere Schläuche, andere Düsen- bzw. Lanzentypen
(z. B. zum Reinigen von Futterautomaten) oder eine Start-Stopp-Abschaltautomatik sind oftmals Sonderausstattungen und nur gegen Aufpreis erhältlich.

Unser Tipp: Bevor ein neuer Hochdruckreiniger angeschafft wird, sollten Sie beim Hersteller oder beim Vertriebspartner unbedingt nachfragen, ob Sie das gewünschte Gerät zuerst auf dem eigenen Betrieb testen können.
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