Login
Technik

Kartoffelernte: Große Schlagkraft im Kleinformat

von , am
14.08.2013

Werner Wulbusch und Sohn Matthias bauen auf zwei Hektar Kartoffeln für den Direktverkauf an. Warum sie überzeugt sind, dass sich dafür ein eigener Vollernter rechnet, lesen Sie hier.

Die Kartoffeln werden vom Rodeschar seitlich aufgenommen. Der Schlepper kann dank seiner geringen Spurbreite auch mit breiter Bereifung neben dem Damm entlang fahren. © Bach
Im Schritttempo fährt Werner Wulbusch mit seinem Gespann aus Schlepper und Kartoffelvollernter über den Acker. Immer wieder blickt er prüfend nach hinten zu seinem Sohn Matthias, der auf der Plattform des Verlesetisches steht. Auf zwei Hektar bauen die Landwirte Kartoffeln für den Direktverkauf an.
 
Die Erntebedingungen sind gut. Nachdem es vor zwei Tagen kräftig geregnet hatte, sind die Dämme wieder abgetrocknet und der Lehmboden mit 50 bis 60 Bodenpunkten ist gut aufgeweicht, sodass die Siebfähigkeit optimal ist. Zwischen den gelben Knollen hüpfen trotzdem noch einzelne, kleine braune Kluten über das Band, die Matthias Wulbusch aussortiert. Vor einem Jahr haben sich die Nebenerwerbslandwirte aus Wellingholzhausen bei Melle einen Kartoffelvollernter des polnischen Herstellers Unia gekauft. "Auf unseren Betrieb passt die Maschine sehr gut", ist Matthias Wulbusch zufrieden.
 
Bequeme Steuerung
 
Mit einem Kraftbedarf von 35 KW kann der Vollernter problemlos von einem 50-PS-Schlepper gezogen werden. Gut sei auch, dass die Kartoffeln seitlich aufgenommen werden und man deshalb nicht durch die Reihen fahren müsse. Der relativ kleine Schlepper kann dank seiner geringen Spurbreite auch mit breiter Bereifung problemlos neben dem Damm entlang fahren. Der Antrieb des Siebbandes, des Krautbandes, des Igelbandes und des Verlesebandes erfolgt über die Zapfwelle des Schleppers. Andere Funktionen, wie zum Beispiel die Deichseleinstellung und das Aufklappen und Anheben des Bunkers werden von der Hydraulik des Schleppers übernommen. Mit Hilfe eines elektro-hydraulischen Bedienelementes, das als Zusatzausstattung angeboten wird, kann der Fahrer die Deichselverschiebung, das Anheben und Absenken des Rodeschars und das Entleeren des Bunkers steuern.
 
Wer auf die elektrohydraulische Steuerung verzichtet, muss die Einstellungen per Hebel an der Maschine vornehmen. "Wir haben uns für die elektrohydraulische Steuerung entschieden, weil das Bedienelement bequem in die Schlepperkabine platziert werden kann", begründet Werner Wulbusch seine Entscheidung.
 
Der Kartoffelvollernter läuft in diesem Jahr in seiner zweiten Kampagne. Beim Kauf der Maschine seien verschiedene Gesichtspunkte zu berücksichtigen gewesen, berichtet Matthias Wulbusch. Zunächst habe man sich grundsätzlich entschieden, eine neue Maschine zu kaufen.
 
Einfache Bedienung
 
Schließlich entschieden sich die Wulbuschs für den Kartoffelvollernter Pyra 1500, der vom polnischen Landmaschinenhersteller Unia produziert wird. Das größte polnische Landtechnikunternehmen stellt Maschinen und Geräte für Bodenbearbeitung, Säen, Grünlandpflege, Düngung, Pflanzenschutz und die Ernte von Kartoffeln und Gemüse her. Vertrieben werden die Produkte in Deutschland über ein Netz von Händlern, die in ihren jeweiligen Vertriebsgebieten exklusiv tätig sind. "Für kleinere Kartoffelanbauer ist die Maschine gut geeignet", findet Werner Wulbusch. Bis zum Beginn der Haupternte werden auf dem Betrieb Wulbusch etwa alle zwei Tage Kartoffeln gerodet. Vom Bunker können bis zu 1,5 Tonnen Kartoffeln aufgenommen werden. Ein Überladen der Kartoffeln auf einen Anhänger ist deshalb bei den frühen Rodungen nicht notwendig. Vom Bunker aus wandern die Knollen direkt in die auf dem Hof bereitstehenden Kisten. Ein Falltuch, das ebenfalls als Sonderausstattung angeboten wird, dämpft den Aufprall der Kartoffeln beim Entladen des Bunkers.
 
Bürsten statt Waschen
 
Vor dem Verkauf sortieren die Wulbuschs noch einmal Kluten, kleine, grüne und beschädigte Knollen aus. Anschließend werden die Kartoffeln mit einer Bürstenmaschine gereinigt und in Säcke abgepackt. Vom Waschen der Kartoffeln vor dem Verkauf hält Werner Wulbusch nichts, weil dadurch die Haltbarkeit der Knollen leide. "Kartoffeln lieben die Erde, deshalb sollte man ihnen auch etwas lassen", ist sein Standpunkt. Ab Hof verkauft die Familie ihre Kartoffen in 5-, 10- und 25-Kilogramm-Säcken überwiegend an langjährige Stammkunden. "Die Menschen kommen zu uns, weil sie regional einkaufen wollen und wissen möchten, woher ihre Lebensmittel stammen", weiß der Nebenerwerbslandwirt.
 
Verkauf übers ganze Jahr
 
Der gewerbliche Kartoffelanbau habe sich vor mehr als zehn Jahren eher zufällig ergeben, berichtet Werner Wulbusch. Auf einer kleinen Fläche habe die Familie schon lange Kartoffeln für den Eigenbedarf gepflanzt. "Als die Erträge in einem Jahr sehr gut waren und wir nicht alles selbst verbrauchen konnten, haben wir am Hof ein Verkaufsschild aufgestellt", erzählt der Familienvater. Von der Nachfrage waren die Wulbuschs positiv überrascht. In den folgenden Jahren wurde die Anbaufläche nach und nach ausgedehnt. In den ersten Jahren seien die Kartoffeln in der Ernte verkauft worden, später konnte die Vermarktungssaison wegen der größeren Mengen bis in die Weihnachtszeit ausgedehnt werden. Inzwischen bieten die Wulbuschs übers ganze Jahr ihre Kartoffeln an. In diesem Jahr sind es zwei Hektar, auf denen die Sorten Annabelle, Belana, Alexandra und Venezia angebaut werden.
 
Auch interessant