Login
Technik

Die Maschinen optimal einstellen

von , am
24.06.2014

Immer wieder fühlen sich die Landwirte vom Beginn der Getreideernte überrascht. Während der Ernte stellt man dann fest, was man hätte besser vorbereiten müssen. Wie Sie das tun können, lesen Sie hier.

Für die Mähdrescher beginnt bald wieder die "heiße Phase", alles muss dann optimal funktionieren. © Dr. Feiffer
Mähdrescherfahrer als Erfolgsfaktor:
Der gut geschulte Fahrer entscheidet oft mehr über die Leistungskraft des Mähdreschers als die nächst größere Maschine bieten kann. Gut trainierte Fahrer bringen zwischen 15 bis 30 % Mehrleistung. Es lohnt sich in jedem Fall eine intensive Schulung vor der Ernte durchzuführen, um Grundzusammenhänge darzustellen, alte Verhaltensmuster aufzubrechen und Wissen aufzufrischen. Diese Auffrischung kann durchaus alle zwei bis drei Jahre erfolgen. Nutzen Sie die Angebote der Händler wie auch der freien Anbieter. Es bleibt immer etwas Neues hängen, was Mehrwert in der Ernte bringt.

Ernteverlauf planen:
Auf den etwaigen Ernteverlauf kann man sich vorbereiten. Zeichnen Sie Ihren Ernteverlauf auf einem Zeitstrahl auf, indem Sie den Erntebeginn jeder Frucht und die ungefähre Anzahl der Erntetage je nach Mähdrescherkapazität auftragen. So erkennen Sie Arbeitsspitzen und Gefährdungspotentiale und können Abhilfemaßnahmen planen.

Dienstleister einplanen und nicht nur als Feuerwehr nutzen:
Treffen Arbeitsspitzen mit hohen Erträgen, mit ungünstigen Witterungsverläufen, mit Lager o.a. zusammen, planen Sie rechtzeitig Nachbarschaftshilfe, Lohnunternehmer oder Maschinenringe ein. Der Dienstleister hilft ihnen in der Ernte aus der Schlechtwetterzeit herauszukommen. Damit wird er nicht nur kostenneutral, sondern bringt Gewinn.

Die Ernterallye vorbereiten:
Stillstandzeiten in der Ernte kosten richtig Geld. Als Faustzahl gilt: Jede Minute kostet bis zu 10 €. Eine rechtzeitige, vorbeugende und großzügige Instandsetzung lohnt immer. Eine verhaltene Reparatur, bei der Ersatzteile zu spät gewechselt werden, verschiebt die Kosten nicht nur in die wertvolle Erntezeit, sondern potenziert den Schaden. Oft hört man: Läuft doch noch!

Ist beispielsweise die Schlagleiste abgenutzt, läuft das Dreschwerk zwar noch eine Kampagne, aber es leistet mitunter 20 % weniger und zieht unter schwierigen Erntebedingungen nicht mehr durch. Führen Sie schon während der Ernte eine Liste, in der sie alle Auffälligkeiten und Mängel notieren. Diese Liste dient ihnen dann als Gedankenstütze für die Reparaturarbeiten zur kommenden Ernte.

Ersatzteile bevorraten:
Es lohnt sich wichtige Verschleißteile auf dem Mähdrescher mitzuführen. Dazu gehören z.B. Messerklingen, Nieten, Schrauben, Finger, Ährenheber, Häckslermesser mit passenden Schrauben. Denken sie auch daran, dass sie das Ersatzmesser im Schneidwerkswagen überprüfen und auch einmal herauszuziehen, da es nach einer gewissen Zeit durch Staub und Feuchtigkeit sehr schwergängig sein kann. So geht ihnen kostbare Erntezeit auf dem Acker nicht verloren.

Transportlogistik überdenken:
Der Getreidetransport bildet oft ein Nadelöhr, so dass die Mähdrescherkapazität nicht ausgenutzt werden kann. Abbunkern am Feldrand raubt dem Mähdrescher etwa 20 % Leistungsvermögen. Testen Sie, ob eine parallele Abfuhr möglich ist. Nutzen Sie auch die Gelegenheit in der Ernte sich eventuell einen Umladewagen vorführen zu lassen.

Abfuhrhänger vorbereiten:
Schon vor der Ernte können Sie ihre für die Abfuhr notwendigen Hänger auf Sauberkeit und Dichtigkeit prüfen - Getreidedicht ist nicht gleich Rapsdicht. Denken sie daran, dass sie Futter- und Lebensmittel transportieren. Beizabriebe, Holz, Sand und Schutt haben auf dem Hänger nichts zu suchen. Bedenken sie, ob sie nach Einsatz mit losem gebeiztem Saatgut einen zertifizierten Reinigungsbetrieb in Anspruch nehmen.

Lager vorbereiten:
Schon rechtzeitig vor der Ernte kann das Lager besenrein gemacht werden. Achten sie drauf das insbesondere größere Staubnester entfernt werden, da sich dort zum Beispiel die Kornkäfer und andere Schädlinge aufhalten. Vergessen sie dabei nicht die Roste und Schächte der Belüftung. Anschließend sollte die Spritzbehandlung gegen Vorratsschädlinge erfolgen. Prüfen sie die Wände und Dächer auf Dichtigkeit. Ebenso Türe und Tore wegen möglichem Schadnagerbefall.

Abschüttflächen bereithalten:
Wenn Wartezeiten im Lager oder beim Getreidehandel zu groß werden, verlängern sich die Rundenzeiten und die Mähdrescher bleiben stehen. Bereiten Sie vorsorglich Abschüttflächen auf dem Hof vor, um den Ernteprozess am Laufen zu halten. Regnet es in einen freiliegenden Stapel ein, ist die Oberflächenfeuchte nach dem ersten Umsetzten wieder verschwunden.

Erst Vorführen dann Kaufen:
Wenn Sie demnächst vor einem Mähdrescherwechsel stehen, planen Sie schon in diesem Jahr Vorführmaschinen ein, um sich von der Arbeitsqualität, von der Leistung, der Häckselqualität u.a. ein Bild zu machen. Lassen Sie die Maschinen auch von Ihren Fahrern testen, denn sie müssen diese später mit Motivation  fahren. Versäumen Sie nicht diese Gelegenheit und testen Sie ausgiebig, möglichst in schwer dreschbaren Kulturen (trockenen Weizen kann jede Maschine dreschen). Es handelt sich immerhin um eine Investition von 150.000 bis 500.000 € je Maschine. Bieten Sie dem Händler eine angemessene Bezahlung für eine verlängerte Vorführung. Das ist gut angelegtes Geld, um sich vor Fehlkäufen zu schützen.

Wechselfahrer erhöhen Sicherheit:
Um einen Mähdrescher z.B. an die Leistung von 30 t/h heranzuführen, muss der Fahrer bei einem 7m-Schneidwerk ständig 6 km/h fahren (bei einem Ertrag von ca. 7 t/ha). Das halten die Fahrer nicht länger als 3 bis 4 Stunden durch. Sinkt die Fahrgeschwindigkeit von 6 auf 5 km/h fehlen bereits 20 % Mähdrescherleistung. Denken Sie über Wechselfahrer nach, auch zur Pausenablösung, damit die Mähdrescher zu den Essenszeiten nicht stehen bleiben und generell, denn Fahrer können krankheitsbedingt ausfallen.

Assistenzsysteme nutzen: Zur Entlastung des Fahrers sind automatische Lenksysteme sinnvoll. Der Fahrer wird entlastet und kann seine Aufmerksamkeit dem eigentlichen Druschvorgang widmen. Eine Lenkhilfe bringt mindestens 10 % Mehrleistung (bessere Schneidwerksausnutzung und schnellere Vorfahrtgeschwindigkeit). Soll eine Maschine stark ausgelastet werden, lohnt sich die Investition auch in weitere Assistenzsysteme. Nutzen sie die vorhandenen Hilfen, wie z.B. Feuchte- oder Verlustanzeige, um den Prozess zu optimieren.

Verluste gemeinsam festlegen:
Mit der Höhe der Dreschwerks- und Reinigungsverluste steuert man zugleich die Leistung des Mähdreschers. Hält man die Verluste gering, ist auch die Leistung gering. Zwischen Landwirt und Lohnunternehmer gilt: 1 % Verlust ist erlaubt. Das verschafft dem Dienstleister guten Durchsatz und dem Landwirt eine schnelle Ernte.

Das Auge auf den Verlustanblick trainieren: Schüttler-/Rotor- und Reinigungsverluste sehen im Feld meist dramatischer aus als sie tatsächlich sind. Bei 1 % Verlust liegen bei Schwadablage unter 1 m² Schwad etwa 1.000 Körner (7 m Schneidwerksbreite, 75 dt/ha Ertrag). Daran muss sich das Auge und der Blutdruck erst gewöhnen. Rechnen Sie sich aus, wie viel Körner auf der Fläche, die Sie gewohnt sind zu prüfen, liegen können bzw. nutzen Sie die Verlustprüfschale. Entscheiden Sie nicht subjektiv - dem Auge ist jedes Verlustkorn zu viel.

Verlustmessgeräte kalibrieren:
Verlustmessgeräte sind nicht aussagekräftig, wenn sie nicht kalibriert werden. Sind sie kalibriert, kann man dagegen den Mähdrescher mit hoher Leistung an der genehmigten Verlustkante entlang führen. Mit Hilfe der Verlustprüfschale bzw. mit der Prüfschalenautomatik, wobei der Fahrer die Schale per Knopfdruck automatisch ausklinken kann, geht das schnell und sicher. Das schafft Sicherheit zwischen Landwirt und Dienstleister.

Raps nicht zu früh dreschen:
Aus Angst vor Ausfallverlusten wird der Raps meist zu früh gedroschen. Auch wenn die Rapsschoten im oberen Drittel schon weiß sind, befinden sich im unteren Drittel noch grüne Schoten. Diese Gummischoten werden im Dreschwerk nicht ausgedroschen. Hohe Ausdruschverluste sind die Folge. Eine längere Standzeit ist für Raps in der Regel nicht schädlich. Ertrag und Qualität wachsen mit späterem Erntetermin zu. Jeder Züchter wird das bestätigen. Die stärker gefährdete Frucht ist heute der Weizen mit schnell sinkenden Fallzahlen. Späte bzw. intensiv geführte Rapssorten kann man nach dem frühen Weizen dreschen oder auch noch später. Schneiden Sie sich nicht Ertrag und Öl weg. Planen sie mit dem Anbau auch die bessere Erntereihenfolge.

Lager links liegen lassen:
Oft gibt es Lager in den Fahrgassen infolge der Blütenbehandlung. Lagernder Raps lässt sich gut von vorn mit dem Schneidwerk unterfahren. Liegt das Lager in die andere Richtung bereitet die verlustarme Aufnahme große Probleme. Die Fahrgasse wird in Schneidwerksbreite einfach liegen gelassen und am stehenden Bestand weitergedroschen. Auf der Rücktour nimmt man dann die Fahrgasse mit, so dass das Lager vom Schneidwerk wieder gut unterfahren werden kann.

Häckslermesser drehen und wechseln:
Die Arbeitsqualität des Häckslers ist mitentscheidend für  Ertrag und Kosten der laufenden Ernte (Kraftstoffverbauch) und der nächsten Ernte (ackerbauliche Vorteile). Je nach Abnutzungsgrad sollten die Häckslermesser gedreht bzw. gewechselt werden. Eine angebaute Heckkamera kostet nicht viel und verhilft dem Fahrer zu einem guten Strohverteilbild mit hohem Folgenutzen.

Bruchkorn im Visier:
Achten Sie verstärkt auf Bruchkorn im Bunker. Der Schaden ist immer doppelt so hoch, weil im selben Verhältnis zum Bruchkorn auch Kleinkornanteile den Mähdrescher über die Reinigung verlassen. Hier entstehen große "ungesehene" Verluste.

Bordbuch nicht vergessen:
Führen Sie ein Bordbuch ein, wo der Fahrer interessierende Daten eintragen kann. Diese dienen zur Auswertung, wie Kraftstoffverbrauch, Reparaturen, Leistungen je Tag und Stunde usw. und sind Ausgangspunkt für zukünftige, organisatorische Veränderungen. Nichts ist so schnell vergessen wie die Ernte.

Betriebsfunk:
Die reibungslose Kommunikation ist ein großer Zeitfaktor. Beim eigenen Betriebsfunk kann jeder mithören was gerade läuft. Mähdrescher- und Umladewagenfahrer können die Abfahrer genau an die richtige Stelle dirigieren, wo sie als nächstes gebraucht werden. Auch der Lagerist weiß, welche Ware mit welcher Feuchte an welche Stelle kommt.

Feuchtemessgeräte kalibrieren:
Vergleichen Sie vor der Ernte Ihr Feuchtemessgerät mit dem des Landhandels. 1 % zu hohe Feuchte kostet mindestens 5 €/t. Da lohnt sich die Fahrt zum Landhandel. Auch das Feuchtemessgerät im Mähdrescher ist mit dem kalibrierten Gerät aus dem Handkoffer zu vergleichen. Vorsicht ist beim Raps geboten. 2 bis 3 % Unterschiede zwischen den Geräten sind hier durchaus drin.

Dokus vorbereiten:
Wiegen die Abfahrer an der Hofstelle selbst, bereiten Sie Handzettel vor, wo in vorgefertigten Spalten Gewicht, Frucht und Zeit eingetragen werden. So hat man nicht ein heilloses Durcheinander auf abgerissenen und bekritzelten Zetteln. Zur eigenen Sicherheit des Landwirtes sollten entsprechende Transportdokumente vorbereitet werden.

Brandvorsorge:
Bedenken Sie was im Falle eines Brandherdes im Mähdrescher passieren soll. Rüsten Sie alle an der Ernte beteiligten Fahrzeuge mit Feuerlöschern aus. Führen Sie am Mähdrescher zwei Feuerlöscher mit. Eine Vorsorgeinvestition mit hohem Nutzeffekt.

Keine Extraspuren:
Abfuhrfahrzeuge sollten weitestgehend die Fahrgassen zum Transport nutzen und nur zum parallelen Abtanken neben dem Mähdrescher fahren. Der Abfahrer steht in der Fahrgasse des Vorgewendes und nicht am Feldrand. Das senkt den Bodendruck auf der bisher unbefahrenen Fläche. Klären Sie im Vorfeld mit der Mannschaft das bodenschonende Befahren.

Nach der Ernte:
Direkt nach der Ernte sollte der Mähdrescher gereinigt werden, um Aufkeimen von Ernteresten zu verhindern, die wiederum Anziehungspunkt für Schadnager sind. Bei dieser Gelegenheit kann der Fahrer auch Schadstellen erkennen, die bisher unter Staub und Dreck verborgen waren. Die in der Ernte geführte Reparaturmängelliste wird gemeinsam zwischen Mähdrescherfahrer und Reparaturwerkstatt am Mähdrescher besprochen. Danach sollte ein Reparaturplan mit Kostenvoranschlag erstellt werden. Nutzen Sie die Herbst-/ Winterzeit zur Durchsicht und Reparatur zum beiderseitigen Vorteil von Händler und Landwirt.
Auch interessant