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Technik

Mehr Lagerraum für die Gülle nötig

von , am
10.07.2013

Verschärfte Auflagen bei der Gülleausbringung und die eingeschränkte Düngung im Herbst erfordert zusätzlichen Lagerraum für Gülle. Was müssen Sie beim Bau eines Güllebehälter beachten?

Die Behältergröße ist ergibt sich aus der erforderlichen Lagerdauer. Eine Kapazität von mindestens sechs Monaten ist nötig. © Mattfeldt
Dieser Text soll auf die wesentlichen Aspekte aufmerksam machen, die beim Bau von Güllebehältern aktuell zu beachten sind. Am Beispiel eines 1.700 m3 Güllebehälters in Ortbeton sollen die dabei entstehenden Kosten aufgezeigt werden.

Standortwahl-Baurecht

Der Bau eines Güllebehälters für eine Stallanlage bzw. von einem landwirtschaftlichen Betrieb gem. § 35 (1) 1 BauGB betriebene landwirtschaftliche privilegierte Biogasanlage, stellt i.d.R. keine besonderen Probleme der Standortfindung dar.

Folgende Sachverhalte werden im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen überprüft und als Stellungnahme dem Landkreis als Genehmigungsbehörde zur Verfügung gestellt:

Ist die dauerhafte und ordnungsgemäße Unterbringung der Wirtschaftsdünger des landwirtschaftlichen Betriebes gegeben?

Dem Bauantrag ist der Betriebserhebungsbogen der LWK Niedersachsen ausgefüllt beizulegen. Dieser sollte grundsätzlich mit dem Ringberater zusammen ausgefüllt werden, um im Vorfeld evtl. Probleme (Privilegierung, Güllenachweisfläche, Behältergröße,?) abzuklären.

Die erforderliche Behälterröße ergibt sich aus der erforderlichen Lagerdauer für die flüssigen Wirtschaftsdünger. Eine Lagerkapazität von mindestens sechs Monaten für die in der betriebseigenen Tierhaltung bzw. Biogasnutzung anfallenden Düngemengen ist laut Anhang 1 der VAwS mindestens notwendig.

In Betrieben mit engen Fruchtfolgen und keinem bzw. wenig Grünland ist eine Mindestlagerdauer von bis zu zehn bis zwölf Monaten praktisch erforderlich. Behältergrößen, die zu einer Gesamtlagerkapazität des Betriebes von über einem Jahr führen, sind kaum genehmigungsfähig. Ausnahmen gelten nur für Einleitung von Regenwasser von Silageflächen.

Bau Gärrestbehälters

Wird für eine nicht landwirtschaftliche Biogasanlage (GmbH & Co. KG) zusätzlicher Lagerraum für Gärreste benötigt, ist dieser im bauleitplanerisch festgelegten Sondergebiet zu errichten. Reicht hierfür der Platz nicht aus, ist eine zusätzliche Gebietsausweitung (F-Plan-, B-Plan-Änderung, Sondergebiet Biogasnutzung) durch die Gemeinde erforderlich. Entsprechende zusätzliche Auflagen (z.B. größere Havariefläche/Einwallung) sind als zusätzliche Folgen zu beachten.

Die zusätzliche Erstellung von Lagerbehältern auf landwirtschaftlichen Betrieben mit Zuordnung zu einer Biogasanlage ist nur unter bestimmten, engen Vorraussetzungen möglich. Soll dieser Weg eingeschlagen werden, ist es immer sinnvoll ein Bauantragsvorbereitungsgespräch mit dem Landkreis, der LWK, Planungsverfasser/Architekt und Ringleiter vorab zu führen. Die verschärften Anforderungen (Schutzanstriche, Bedachung, Betongüte, Statik, Statikabnahme,?) der Behälter für Gärreste sind zu beachten.

Berechnung Gülleanfall

Zur Berechnung des Gülle- und Jaucheanfalles kann Tabelle 1 herangezogen werden. Beim Anfall der Rindergülle wurde ein Grünlandanteil unter 65 % angenommen (Acker-Grünlandbetrieb) mit überwiegender Ganzjahresstallhaltung. Der Gülleanfall basiert auf mittlere TS-Gehalte der Gülle bzw. geringen Wasserzuläufen.

Nettobehältergröße:
Das Nettolagervolumen eines Güllebehälters ergibt sich aus dem Brutto-Rauminhalt und dem Freibord der beim Befüllen einzuhalten ist. Dieser ergibt sich aus der Baugenehmigung und beträgt i.d.R. 20 cm. Bei einem 2.000 m³ Behälter mit 4 m Bauhöhe und einer Grundfläche von 500 m2 wird somit 100 m³ Lagervolumen nicht genutzt.  

Entwurfsverfasser/Eingrünungsplan:
Für den Bauantrag sollte ein erfahrener Entwurfsverfasser/Architekt ausgewählt werden. Bei monolithischer Bauweise bzw. Betonfertigteilen kommen i.d.R. Typenstatiken zum Einsatz, trotzdem muss ein Planverfasser die Bauantragsunterlagen einreichen.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Kompensation des Eingriffes in Natur und Landschaft (Eingrünungsplan). Erfolgt der Ausgleich bzw. Teilausgleich für den Güllebehälter nicht auf dem gleichen Flurstück, so ist eine entsprechende Baulastenerklärung im Baulastenverzeichnis (z.B. im Landkreis Stade) gebührenpflichtig einzutragen. Die Eintragung regelt den Ort und die Größe der Eingrünung, die Art der Anpflanzung, Höhe des Wildschutzzaunes und den spätesten Termin für die Pflanzung.

Baugrunderkundungen:
Ob der Baugrund für den Bau eines Lagerbehälters geeignet ist, muss durch ein entsprechendes Baugrundgutachten grundsätzlich vorher ermittelt werden und dem Behälterbauer zur Verfügung gestellt werden. Durch i.d.R. zwei Erdbohrungen (8 m Tiefe) im Behälterfeld wird ein Schichtenverzeichnis angelegt. Hieraus ergeben sich die Angaben zum Grundwasserstand und der mittleren Sohlspannung. Schwierige Standorte (Ton, halbfester Lehm) müssen dann mit einer verstärkten Bodenplatte (Bewehrung) mit Sauberkeitsschicht aus Magerbeton (5 cm) gebaut werden.

Die Einbindetiefe des Behälters ins Erdreich wird ebenfalls durch das Baugrundgutachten bzw. durch entsprechende Angaben aus der Typenstatik festgelegt. Bodenplatten können bei Stau- bzw. Grundwasserdruck brechen bzw. aufschwimmen und zum Totalschaden führen.

Anforderungen Leckerkennung: Der Bau eines Güllebehälters innerhalb von Wasserschutzgebieten ist grundsätzlich mit Leckerkennungsmaßnahme, bestehend aus Dichtfolie und Leckerkennungsdrän mit Kontrollschächten, zu bauen.

Außerhalb von Wasserschutzgebieten reicht i.d.R. ein Leckerkennungsdrän DN 100 (direkt im Anschluss an die Sohle) mit einem Gefälle von ca. 2 % im Kiesbett verlegt mit zwei Kontrollschächten (DN 250). Als Dränleitung sind Kunststoffteilsickerrohre zu verwenden, die in der unteren Hälfte geschlossen sind.

Zukünftig ist mit einer weiteren Verschärfung für JGS-Anlagen zu rechnen. Die Anforderungen im WSG-Gebieten stellen dann wohl den allg. Standard dar.
Eine Dichtheitsprüfung mit Wasserbefüllung sollte auch ohne behördlicher Auflage durchgeführt werden, erst danach kann der Behälter hinterfüllt werden.

Entnahme- und Abfüllfläche: Die Größe der Verlade- und Abfüllfläche (3 % Gefälle) sollte mind. 4 m x 6 m betragen und ist mit wasserundurchlässigem Beton herzustellen. Die Aufkantung zur Behälterwand beträgt 20 cm. Die befahrbare Fläche ist den Belastungen großer Transportfässer mit LKW-Bereifung anzupassen und entsprechend zu bewehren. Eine Frostschürze (80 cm) als Fundamentschutz ist zum Schutz der Befüll- und Entnahmefläche wichtig. Der Auffangsumpf ist wasserudurchlässig zu bauen.

Schutzanstrich der Behälterinnenwand/Unterhaltung: Beim Bau von monolitischen Güllebehältern aus Ortbeton ist ein Schutzanstrich der Behälterinnenwand zu empfehlen. Nur so können sicher Betonabplatzungen bei Frost im Bereich der Schwimmdecke vermieden werden. Empfohlen wird, dass die frostgefährdeten Wandbereiche von Anfang an ?imprägniert? werden, was etwa alle fünf Jahre zu wiederholen ist.

Rohrleitungen zur Befüllung und Entnahme über Behälterwand: Grundsätzlich sollte die Entnahmerohrleitung auch als Befüllungsrohrleitung mit zusätzlichem Entlüftungsschieber (160er Schieber) installiert werden. Die Rohrleitungen und die Drei-Wege-Befüll- und Entnahmestation ist zukunftgerecht mit Rohrdurchmesser 200 mm zu erstellen. Der 200er Schlauch sollte mit Schieberollen und Haltevorrichtung versehen werden, um das Ankupplung zu erleichtern. Soll mit 150er Schlauch entnommen werden, so kann ein Reduzierstück (M 216 mm auf V-Teil 159 mm) den Entnahmestutzen verjüngen.

Tauchmotor-Rührwerk

Homogene Gülle ist Voraussetzung für exakte Gülleverteilung und optimale Düngewirkung. Die Frage, ob ein eigenes Behälterrührwerk notwendig ist, muss betriebsindividuell entschieden werden. Wird z.B. der Güllebehälter für Rindergülle als reines Winterlager genutzt und im Frühjahr zur Maisbestellung innerhalb von zwei bis drei Tagen entleert, so kann kostengünstig mit einem externen Rührwerk vom Lohnunternehmer homogenisiert werden. Einmal aufgerührte Rindergülle bleibt bis zu drei Tage homogen. Etwas anders muss die Situation beurteilt werden, wenn der Güllebehälter durch permanentes Umpumpen aus den Rinderställen befüllt wird und sechs Mal im Jahr zu den einzelnen Grünlandschnitten bzw. zur Maisbestellung regelmäßig entnommen wird. In diesem Fall lohnt sich die Anschaffung eigener Rührtechnik.

Bei Schweinegülle jeglicher Art und Gärresten ist die Notwendigkeit (Sinkschichten) in eigene Rührtechnik zu investieren immer gegeben.
Durch das strömungsgünstige Design und Verwendung von Planetengetrieben sind die heutigen modernen Rührwerke sehr energieeffizient. Bei einem Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde kostet der Betrieb eines 15 kW Mixers 3 ? je Stunde. Die Stromversorgung der Rührwerke mittels Erdkabel sollte rechtzeitig mit Rührwerkehersteller und Elektrikerfachfirma des landw. Betriebes abgestimmt werden.

Die erforderliche Motorleistung der Tauchmotorrührwerke richtet sich nach dem Durchmesser des Behälters und nach der Konsistenz (TS-Gehalt) des zu durchmischenden Mediums (Tab. 2).

Behälterabdeckung

Zurzeit wird eine generelle Behälterabdeckung noch nicht gefordert. Bei Neubauten sollten aber die Vorraussetzungen für eine spätere Planenabdeckung schon vorbereitet werden. Diese Vorbereitungen umfassen z.B.:

Stahlbetonsockel auf der Bodenplatte 0,50 m hoch, ca. 3 m Durchmesser
Mehraufwendungen Stahlbewehrung in der oberen Wandkrone
Schutzanstrich der Behälterwand
Betongüte

Behälterhöhe: Übliche Behälterhöhen sind 4 bis 6 m. Höhere Behälter (ab 4 m) mit geringerer Grundfläche sind grundsätzlich etwas günstiger in den Baukosten. Ab 4 m Bauhöhe entstehen aufgrund der Ansaughöhe bei der Entnahme mit dem Güllefass enorme Ansaugprobleme. Zähflüssige Güllen (Rindergülle/Gärrest) lassen sich mit einem Vakuumfass nur bis ca. 4 m ansaugen. Die über Lohnunternehmer verwendeten Pumptankfässer mit Ansaugbeschleuniger am Saugrüssel können bis 5 m ansaugen, allerdings muss dann der Behälter ca. 1,50 m ins Erdreich eingebaut werden, um über die Behälterwand reichen zu können. Soll so entnommen werden, ist auf eine entsprechende befestigte Zu- und Anfahrt zu achten.

Bauweise Behälter: In den vergangenen 30 Jahren haben sich in der Landwirtschaft Güllebehälter aus Stahlbeton durchgesetzt. Es ist zu unterscheiden zwischen Behältern aus Ortbeton und Stahlbetonfertigteilen. Aktuell sind Ortbetonbehälter günstiger als Behälter mit Betonfertigteilen. Qualitative Unterschiede zwischen beiden Herstellungsformen sind in der Praxis nicht bekannt. Behälter aus Edelstahl waren bisher immer zu teuer. Frühestens sechs Wochen nach Fertigstellung eines Ortbetonbehälters darf dieser befüllt werden.

Angebotseinholung/GU-Vergabe: Grundsätzlich sollten mehrere Angebote eingeholt und mit Architekt und Ringleiter verglichen werden. Behälterbauten mit sensiblen Schnittstellen wie Leckerkennungsfolie, Behälterabdeckung und Rührwerk unterhalb des Planendaches sollten grundsätzlich an einen Generalunternehmer (GU) ausgeschrieben und vergeben werden. Nur so lassen sich Komplikationen und gegenseitige Schuldzuweisungen in der Bauphase vermeiden.

AFP-Förderung 2013

Mit dem AFP-Förderprogramm 2013 und evtl. 2014 kann der Bau von zusätzlichem Lagerraum gefördert werden können. Eine wesentliche Voraussetzung ist das Vorliegen einer gültigen Baugenehmigung. Für die Genehmigungsphase sollte eine Zeitdauer zwischen fünf bis acht Monate eingeplant werden. Genaue Informationen zum AFP-Antragverfahren erteilen die LWK-Niedersachsen sowie die Siedlungsgesellschaften (z.B. NLG, Norddeutsche Bauernsiedlung,?). Wichtig ist auch hier eine rechtzeitige Kontaktaufnahme.
 
Nachfolgend finden Sie die Tabellen zum Herunterladen:
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