Login
Technik

Warten auf den nächsten Einsatz

von , am
29.01.2014

Winterdienst ist in der Regel Sache des Straßenunterhaltspflichtigen. Doch nicht immer sind es im ländlichen Raum die Fahrzeuge und Mitarbeiter der Gemeinden, die Straßen von Schnee und Eis befreien.

Bei großem Arbeitsanfall beim Schneeräumen wird ergänzend zum Fendt auch der MB Trac 1000 eingesetzt. © Mühlhausen/landpixel
Der Staufenberger Gemeindeservice (SGS), in der Gemeinde Staufenberg (LK Göttingen), im südlichsten Zipfel Niedersachsens, bedient sich neben seinem eigenen Personal und Fahrzeugen auch der Hilfe mehrerer Landwirte. Dabei ist auch Dietmar Koch, der in den Wochen von November bis März manch unruhige Nacht verbringt: "Das Telefon kann jederzeit klingeln", sagt der 58-jährige Landwirt aus dem Landwehrhagen. Dann ist die SGS am anderen Ende der Leitung und gibt durch, welche Straßen geräumt oder gestreut werden müssen. Oft geht es gegen vier Uhr morgens los, manchmal auch schon gegen zwei Uhr: "Man muss gut aufstehen können für diesen Job", sagt Koch.

Wetter immer im Blick

In der Regel weiß er, wann die Gemeinde anruft. "Wenn das Wetter danach ist und es nach Einsatz aussieht, kann ich nicht besonders ruhig schlafen. Dann schaue ich Mitternacht schon mal vor die Tür und erwarte dann im Halbschlaf den Anruf der Gemeinde." In den Tagen des Winterdienstes bemüht er sich, am Abend zuvor früh zu Bett zu gehen, um fit zu sein in den frühen Morgenstunden.

Unterstützung bekommt er bei seiner Arbeit auch von Sohn Steffen, der gelernter Baumaschinenschlosser ist und bei Bedarf einen zweiten Traktor steuert oder seinen Vater ablöst. Die Gemeinde hat dabei ihr Gebiet in drei Zonen geteilt, die sich nach Gefährdungspotenzial unterscheiden. So fallen etwa in Zone 1 die Steilstrecken, die Busstrecken sowie Straßenabschnitte vor Altenheimen.

Koch ist dabei mit seinem Fendt 310 Vario und dem drei Meter breitem Schiebeschild von Schmidt sowie einem Salzstreuer von Gmeiner für die Dörfer Landwehrhagen und Spiekershausen zuständig. Zusätzlich schließen Firmen aus den Orten Verträge mit der SGS ab, die wiederum Landwirt Koch als Subunternehmer einsetzt.

Winterdienst durch Landwirte - das hat für beide Seiten Vorteile. Die Gemeinde muss weniger eigenes Personal und Fahrzeuge vorhalten und kann durch den Einsatz mehrerer Landwirte an mehreren Orten gleichzeitig und schnell vor Ort sein. Und Landwirte ohne Viehhaltung, wie Dietmar Koch, haben in den arbeitsärmeren Wintermonaten eine bessere Maschinenauslastung sowie ein zusätzliches Einkommen.

Während Koch den Schlepper und seine Stunden einsetzt, stellt die Gemeinde das Schneeräumschild und den Streuer zur Verfügung. Auch das Salz stellt die Gemeinde in einem 50 Tonnen fassenden Lager bereit, sodass Koch lediglich nach Anweisung der SGS die Straßen räumen und streuen muss. Berufskollegen von ihm arbeiten ähnlich. In einigen Ortsteilen sowie auf schmalen Bürgersteigen fährt die SGS mit eigenen Fahrzeugen raus.
Das Salz wird erst unmittelbar vor dem Einsatz auf dem Bauhof per Radlader eingefüllt - es würde bei zu langer Verweildauer im Streugerät hart und somit nicht streufähig werden. Durch den Einsatz des Traktors - bei Bedarf auch mit Schneeketten - sind dem Einsatz kaum Grenzen gesetzt: "Damit komme ich überall hin", sagt Koch Probleme gebe es manchmal lediglich bei schmalen Straßen, die durch am Straßenrand parkende Autos für das breite Gefährt unpassierbar werden.

Lieber regelmäßiger

In dieser Saison ist alles etwas anders. So ein Wetter hat Koch noch nicht erlebt - er wartet auf Schnee und Frost. An nur sechs Tagen Ende November und Anfang Dezember sei er bislang erst ausgerückt - ein Negativrekord, seit Koch vor fünf Jahren in das Geschäft eingestiegen ist. 2010 hingegen, erinnert er sich, sei er am 1. Dezember das erste Mal rausgefahren, war das gesamte Weihnachtsfest mit Räumen und Streuen beschäftigt, hatte am 28. Dezember schon 190 Stunden abgeleistet - und erst am 29. März 2011 das letzte Mal dieser Saison gestreut.

Viel besser, so der technikbegeisterte Landwirt, seien regelmäßige Einsätze in den Wintermonaten. Schließlich muss er sich vom 15. November bis 15. März für seinen Auftraggeber dauernd bereithalten. Für diese Bereitschaft gibt es eine geringe Aufwandsentschädigung, die geleistete Arbeit wird auf Stundenbasis abgerechnet.
Auch außerhalb des Winterdienstes bietet Dietmar Koch Lohndienstleistungen an. So verkauft er Brennholz und Heu, presst Rundballen, hackt Ast- und Strauchmaterial im Lohn, gemeinsam mit drei weiteren Kollegen bringt er den Klärschlamm der Gemeinde auf den Feldern aus. Seinen Mähdrescher lastet er durch Lohndrusch zusätzlich aus. Sein neustes Geschäftsfeld ist das Pressen von Strohpellets.
Auch interessant