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Wirtschaft

Wolfenbüttel: Agco übernimmt Lelys Rundballenpressen-Werk

Fendt-Lely-Wolfenbuettel-Niedersachsen-Rundballenpresse
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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
04.10.2017

Landtechnik wird in Wolfenbüttel bei Braunschweig schon seit 1899 produziert. Jetzt hat Agco das Lely-Werk zur Herstellung von Rundballenpressen übernommen.

Bereits seit 1899 wird in Wolfenbüttel bei Braunschweig Landtechnik produziert. Seitdem die Gründerfamilie Welger das Werk im Jahr 1994 verkaufte, erlebte die Belegschaft immer wieder unruhige Phasen und Wechsel in den Gesellschafterstrukturen.

Dem außerordentlich guten Ruf ihrer Ballenpressen konnten die Turbulenzen jedoch nichts anhaben.Am Freitag voriger Woche stellten sich nun wieder neue Eigentümer vor. Noch vor der Agritechnica soll die Übernahme der beiden Lely-Standorte in Waldstetten nahe Stuttgart (Ladewagen, früher Mengele) und Wolfenbüttel formell abgeschlossen sein.

Futtererntetechnik ergänzt Programm von Fendt und Massey Ferguson

„Diese Futtererntetechnik zählt zu den führenden Produkten in Europa und ergänzt hervorragend das Vollsortimenter-Programm unserer Marken Fendt und Masseys Ferguson. Deshalb freuen wir uns, die neuen Mitarbeiter bei Agco begrüßen zu können“, sagte Vizepräsident Marc Matthäus, der für die weltweite Futtererntetechnik des Konzerns zuständig ist.

Fendt-Geschäftsführer Peter-Josef Paffen lobte die hohe Qualität der in Wolfenbüttel gefertigten Rundballenpressen: „Mit der Übernahme müssen wir nicht den mühevollen Weg gehen, in einem sehr professionellen Markt Eigenes zu entwickeln und zu erklären.“

Landtechnik als Passion

Bedenken, die Übernahme könnte den Standort gefährden, zerstreute Paffen. Landtechnik sei kein Job, sondern eine Passion – und die sei in Wolfenbüttel außerordentlich ausgeprägt. „Von jetzt an findet ein erstklassiges Produkt ein erstklassiges Vertriebsnetzwerk“, sagte er und wies auf das weltweite Händlernetz des Agco-Konzerns hin.en.

Agco will Fertigung mittelfristig verdoppeln

Eine Verdoppelung der Fertigung hält das Agco-Management mittelfristig für möglich. „Mittelfristig – das sind höchstens fünf Jahre“, präzisierte der Fendt-Chef.Im laufenden Jahr ist die Produktion von 1.950 Einheiten geplant, darunter sind 1.700 Rundballenpressen. Außerdem werden Wickler und Kleinballenpressen gefertigt.

Nächstes Jahr soll die Produktion zunächst auf 1.900 Rundballenpressen steigen, berichtete Oliver Nitzsche, der das Werk seit Oktober 2016 leitet.

Rundballenpressen unter Fendt und Massey Ferguson vermarktet

Die knallroten Pressen wird es weiterhin geben. „Wir wollen keinen einzigen Lely-Kunden verlieren“, begründet Paffen die Entscheidung. Außerdem werden die Rundballenpressen unter den Marken Fendt und Massey Ferguson vermarktet – bis auf die Farbe baugleich. Der Unterschied liege im Händlernetz, sagte Paffen.

Über den Investitionsbedarf am Standort Wolfenbüttel machte das künftige Management noch keine Angaben. Ekkehart Gläser, der bei Fendt für die Produktionsorganisation zuständig ist, lobte den Ideenreichtum, mit dem die Mitarbeiter in der Vergangenheit eigene Verbesserungsvorschläge eingebracht haben.

Große Chancen für neuen Agco-Standort

Er ließ aber erkennen, dass die Fertigung insgesamt an die hohen Konzernstandards angepasst werden muss: „Fertigungsprozesse waren nicht die Stärke Lelys.“

Alle derzeit 230 Beschäftigten werden übernommen, eine dauerhafte Arbeitsplatzgarantie gibt es indes nicht, machte Paffen klar. Angesichts der nun gemeinsamen Stärken in der Vermarktung gebe es aber eine große Chance für den neuen Agco-Standort Wolfenbüttel, die Zukunft zu gewinnen.

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