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Technik

Was wollen wir damit erreichen?

von , am
31.07.2013

Die Bodenbearbeitung und Aussaat sollen Jahr für Jahr schlagkräftig und effizient von statten gehen. Aber wie viel Bodenbearbeitung muss und wie viel Bodenbearbeitung darf sein?

Angebaute Packer sind leichtzügig und werden beim Transport über dem Pflug eingeklappt. © Drücker
Kurz gesagt: Durch die Bodenbearbeitung wollen wir den Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen ermöglichen und die Ertragsfähigkeit der Böden langfristig erhalten. Zu den allgemeinen, klassischen Zielen gehören die Beseitigung von schädlichen Verdichtungen, die Beikraut- und Schädlingsreduktion, die Einarbeitung von Stroh- und Ernteresten und die Schaffung eines günstigen Wasser- Wärme- und Lufthaushaltes für die Keimung und die Entwicklung der Folgefrucht.
 
Dabei stellen die Kulturpflanzen durchaus unterschiedliche Anforderungen an das optimale Saatbett und damit auch die optimale Bodenbearbeitung. Raps und Rüben stellen im Allgemeinen höhere Anforderungen an die Einarbeitung von Ernteresten und eine gute sowie gleichmäßige Lockerung ohne Verdichtungshorizonte als Roggen, Weizen und Mais. Mit Raps als Vorfrucht kann durch die tiefreichende Pfahlwurzel dann auch bei der Lockerung zu Getreide ein tiefer Bearbeitungsgang überdacht werden.
 
Je nach den örtlichen Bodenbedingungen und den klimatischen, insbesondere Niederschläge, Verhältnissen, können aber auch andere Ziele im Vordergrund stehen wie z.B. die Konservierung von Bodenwasser in niederschlagsarmen Regionen oder der Schutz des Bodens vor Erosion. Wenn regelmäßig wieder kehrende, ausgeprägte Trockenheiten das Ertragspotenzial begrenzen, also Bodenwasser der limitierende Faktor ist, muss das Hauptaugenmerk auf einen reduzierten Bodeneingriff und das Belassen einer Mulchschicht als Verdunstungsbarriere gerichtet werden. Ähnliches gilt für erosionsgefährdete Standorte wie Hanglagen und feinsandige Böden.
 
Wer nach Starkwind- und Regenereignissen schon mal den Verlust, bzw. die Verlagerung von Boden, Saatgut und gegebenenfalls Pflanzenschutzmittel von den Flächen erlebt hat, stellt andere Anforderungen an die Bodenbearbeitung als ein Landwirt, der wie unlängst in Thüringen geschehen, bis zu 90 % Ertragsverlust einzelner Flächen durch Mäusefraß hinnehmen musste.
 
Welche Technik ?
 
Neben diesen eher pflanzenbaulich bzw. nach bodenschützenden Aspekten ausgerichteten Zielen, spielen auch betriebsindividuelle Begebenheiten eine Rolle. Welche Bodenbearbeitungs- und Schleppertechnik ist bereits vorhanden? Wie groß sind die Flächenausstattung und gegebenenfalls die durchschnittliche Schlaggröße? Wie sieht es aus mit den verfügbaren Arbeitskräften nach der Ernte?
 
Die geschilderten unterschiedlichen Zielformulierungen bedürfen entsprechend unterschiedlicher Verfahren der Bodenbearbeitung und Aussaat. Die Beseitigung von Ernteresten, Beikräutern und Schädlingen erfolgt nach wie vor am effektivsten mit einem intensiven, wendenden Eingriff, also mit dem Pflug. Er vergräbt Stroh als Nährmedium für viele pilzliche Schaderreger, zerstört Mäusenester und Schneckenpopulationen und beseitigt Ungräser und deren Samen.
 
Unter phytosanitären Gesichtspunkten, insbesondere im Hinblick auf vermehrte Resistenzbildungen einiger Ungräser gegenüber Herbiziden, ist dem Pflug dann der Vorzug zu geben. Ein durch den Pflug stark überlockerte Boden erfordert jedoch zwingend eine Rückverfestigung, die mittels angehängter Krumenpacker oder am Pflug fest montierter Packer erfolgen kann.
 
Letztere verbleiben im Gegensatz zu Krumenpackern auch beim Transport am Pflug, wodurch das Umsetzen bei vielen kleinen Schlägen deutlich erleichtert wird. Die am Pflugrahmen montierten Packer sind leichtzügig und holen sich den Druck durch den Unterzug des Pfluges. Sie sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, können jedoch mit der Rückverdichtungsleistung schwerer Krumenpacker nicht ganz mithalten. Auch beim Drillen kann der Boden mittels Frontpacker verdichtet werden. Dann entfällt ebenfalls ein umständliches Umsetzen und der Packer im Frontanbau stellt ein gutes Gegengewicht zur schweren Drillmaschine dar.
 
In erster Linie aufgrund des hohen Arbeitszeit- und Kraftstoffbedarfs für die wendende Bodenbearbeitung haben viele große Ackerbaubetriebe mittlerweile auf pfluglose Bodenbearbeitungsverfahren umgestellt. Der Markt bietet eine Vielzahl an leistungsfähigen und komplexen Geräten für verschiedene Einsatzbedingungen an.
 
Hydraulisch während der Fahrt verstellbare Arbeitstiefen, eine Kombination verschiedener Geräteeinheiten wie Scheibeneggen, Sterntiller, mehrreihige Grubberzinkenfelder mit verschiedenen schnellwechselbaren Scharvarianten, effektive nachlaufende Packerwalzen verschiedener Bauarten und Nachstriegel ermöglichen einen universellen Einsatz von der flachen bis zur krumentiefen Bodenbearbeitung mit einer guten Einebnung, Einarbeitung von Ernteresten und Rückverfestigung. Um mit diesen Geräten bei 6 m Arbeitsbreite Leistungen von ca. 10 bis 12 ha/h erzielen zu können, sind leistungsfähige Schlepper ab ca. 250 PS nötig. Die erforderliche Investitionssumme liegt, je nach Modell und Ausstattung, über 50.000 €.
 
Für eine ausschließliche Stoppelbearbeitung haben sich in letzter Zeit Kurz- oder Kompaktscheibeneggen bewährt. Diese sind mit unterschiedlich angeordneten und ausgeführten Scheibeneinheiten und mit weiteren Arbeitsgeräten wie nachlaufenden Walzen zur Rückverfestigung oder Striegel erhältlich.
 
Ihr Aufgabengebiet ist in erster Linie das Durchmischen und oberflächennahe intensive Einarbeiten der Stoppel und Erntereste. Das begünstigt die Strohverrottung und das Auflaufen von Unkräutern und Ausfallgetreide. Durch die kompakte Bauart sind Kurzscheibeneggen leichtzügig und erreichen bei Geschwindigkeiten von über 15 km/h und hohen Arbeitsbreiten extreme Flächenleistungen.
 
Für die kombinierte Aussaat von Feinsämereien wie Grassamen oder Zwischenfrüchten bieten viele Hersteller zusätzliche Säeinheiten an, die auf den Kurzscheibeneggen montiert, mit mechanischen oder elektrisch angetriebenen, pneumatischen Dosiersystemen ausgestattet sind. Bei den meisten Sägeräten wird das Saatgut im Bereich der hinteren Walze verstreut oder mit Zuleitungen und Prallblechen bodennah ausgebracht.
 
Unter Umständen, z.B. nach feuchten Erntebedingungen, kann es auch erforderlich werden vorhandene Bodenschadverdichtungen oder Fahrspuren auf dem Acker mit einem separaten Arbeitsgang zu beseitigen. Hierfür kommen Lockerungsgeräte unterschiedlicher Ausführungen mit einem oder mehreren starren oder mit angetrieben Lockerungswerkzeugen in Betracht.
 
Der Parapflug lockert unterhalb des Pflughorizontes bis zu einer Tiefe von etwa 50 cm, er hebt den Boden und verlagert ihn dabei auch etwas zur Seite. Er stellt damit ein Mittelding zwischen Pflug und Tiefenlockerer dar und zeichnet sich durch eine gute Lockerungswirkung bei einem relativ geringen Zugkraftbedarf aus. Bei den konventionellen Tiefenlockerern mit Schwert und Schar wird der Boden in einer Tiefe von bis zu 80 cm aufgebrochen und angehoben.
 
Passende Aussaattechnik
 
Die Aussaattechnik muss an das jeweilige Bodenbearbeitungsverfahren angepasst werden. Nach dem Pflügen werden meistens Drillkombinationen mit vorgeschalteten Kreisel-eggen und, je nach örtlichen Bodenbedingungen, unterschiedlichen Packerwalzen eingesetzt. Auf leichteren Standorten mit gut zerfallenden Böden kann auf die krümelnden und planierenden Arbeitseffekte der aktiven Saatbettbereitung verzichtet werden.
 
Für die Aussaat nach dem Pflug oder mit wenig Stroh im Oberboden, haben sich Schleppschare sehr gut bewährt. Verschlusskappen verhindern beim Rückwärtsfahren oder Absetzen Verstopfungen. Schnellwechselbare Scharspitzen aus widerstandsfähigen Materialien, sind vor allem auf verschleißreichen, aggressiven Böden anzuraten. Eine nachfolgende Striegeleinheit soll einebnen und die Saatrillen mit lockerem Boden bedecken. Durch eine Verstellung des Winkels zur Bodenoberfläche und des Striegeldruckes lässt sich die Arbeitsintensität den Bodenbedingungen anpassen. Integrierte Sicherungen verhindern Bruch beim Zurückrollen und können sich, ja nach Versiertheit des Fahrers, mehr oder weniger schnell bezahlt machen.
 
In pfluglosen Verfahren müssen besondere Anforderungen an die Aussaattechnik gestellt werden. Hier haben wir nicht den sogenannten "reinen Tisch", sondern Stroh und Erntereste auf der Bodenoberfläche, die eine gleichmäßige, akkurate Saatgutablage beeinträchtigen können. Säkombinationen sind hier häufig nur mit passiven Bodenbearbeitungswerkzeugen ausgerüstet, was die Schlagkraft erhöht.
 
Säaggregate müssen technisch so ausgeführt sein, dass Ernterückstände zerschnitten, bzw. die Säschlitze verstopfungsfrei geräumt werden können. Einfach- oder Doppelscheibensäschare, Zinkenschare oder Meißelscharen kommen diesen Anforderungen nach. Um die Ablagetiefe auch unter schwierigen Bedingungen exakt einhalten zu können, sollten die Schare mit einem hohen Druck belastet werden können. Weitere Werkzeugelemente wie Hohlscheiben, Striegel sowie Andruckrollen oder Packerwalzen übernehmen Aufgaben wie das Verschließen und Rückverdichten der Saatreihen. Als Universaldrillmaschinen können die Geräte in der Mulchsaat wie auch nach dem Pflug eingesetzt werden.
 
Bei der Direktsaat erfolgt die Aussaat direkt in die Stoppel, ohne eine vorherige Bodenbearbeitung. Es gilt hier in erster Linie durch eine minimale Bodenbewegung einen optimalen Bodenschutz und eine hohe Wasserkonservierung zu realisieren. Spezielle Drilltechniken für diesen Zweck sind häufig nur als reine Zinkensämaschinen mit Meißelscharen ausgeführt. Wenngleich sich bei hohen Arbeitsbreiten eine hohe Schlagkraft bei vergleichsweise geringem Kraftstoffverbrauch umsetzen lässt, hat sich die Direktsaat in Deutschland bisher noch nicht durchgesetzt.
 
Fazit
 
Die Hersteller stellen eine große Auswahl an ausgereiften Geräten für die unterschiedlichsten Anforderungen zur Verfügung.Neben den bekannten anzustrebenden Zielen wie die Schaffung guter Wuchsbedingungen für die Saat und dem mechanischen Pflanzenschutz, sind auch Aspekte des nachhaltigen Bodenschutzes von Bedeutung.
Auch betriebliche Begebenheiten wie freie Arbeitszeitkapazitäten, Umfang/Qualität der Flächenausstattung, vorhandene Techniken und auch die persönlichen Neigungen und Engagement der Betriebsleiter sollten bei der Auswahl des richtigen Verfahrens berücksichtigt werden. 
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