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Infektionskrankheit

Afrikanische Schweinepest: Niedersachsen rechnet mit Ausbruch

Wildschwein im Wald
Symbolbild © ah/pixabay
von am
11.01.2018

Agrarministerin Otte-Kinast rechnet mit einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen. 3,5 Mio. Euro gibt es jetzt für Präventionsmaßnahmen.

In Polen und Tschechien verenden weiter Wildschweine an der Afrikanischen Schweinepest und Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) rechnet deshalb jederzeit mit einem Ausbruch der Seuche im Land. "Wir wissen nicht wann und wir wissen nicht wo, aber dass sie kommt, davon gehen wir ernsthaft aus."

Nun sollen 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden, um eine mögliche Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Eine entsprechende Summe habe sie im Nachtragshaushalt beantragt. Das Geld solle in erster Linie für die Verringerung der Wildschweinbestände durch intensivere Bejagung verwendet werden.

In Niedersachsen ist die Sorge besonders groß, weil in den Agrarbetrieben des Landes rund acht Millionen Schweine gehalten werden. Bei einem Ausbruch der Seuche bei Wildschweinen und einem Überspringen auf Hausschweine droht laut Agrarministerin Otte-Kinast "ein Schaden in Milliardenhöhe".

Um die Wildschweine als Überträger der Seuche in ihrem Bestand zu reduzieren, will das Agrarministerium folgendermaßen vorgehen:

  • Jäger, die über ihr bisheriges Kontingent zusätzliches Schwarzwild schießen, erhalten 50 Euro Aufwandsentschädigung pro Tier. Dafür wird zunächst die bisherige Zahl der erlegten Wildschweine genau ermittelt.
  • Für den Einsatz von Hunden bei Drückjagden soll es 25 Euro pro Hund Zuschuss geben.
  • Außerdem plant das Land, für vier Jahre einen Berufsjäger einzustellen. Er soll Jägern bei Informationsveranstaltungen beibringen, wie Wildschweine in Fallen gefangen werden können.

Darüber hinaus sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Um auf einen Ausbruch der Krankheit besser vorbereitet zu sein, will das Land fünf Container anschaffen. Damit können verendete Wildschweine so entsorgt werden, dass keine Körperflüssigkeiten austreten.
  • Fünf Bergeteams werden dazu ausgerüstet.

Bereits auf Anweisung des früheren Agrarministers Christian Meyer (Grüne) hatten Mitarbeiter der Landes an einer Übung zum Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest teilgenommen.

Wichtige Fakten zur Afrikanischen Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Infektionskrankheit, die

  • bei Wild- und Hausschweinen meist innerhalb weniger Tage tödlich endet.
  • Sie breitet sich über Wildschweine aus, über verseuchte Speisereste, Viehtransporter und Stallkleidung.
  • In den vergangenen Wochen traten vermehrt Fälle in Osteuropa auf. In Polen gab es zwischen Ende November und Anfang Januar nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) 279 neue Fälle bei Wildschweinen.
  • Bislang gibt es keine wirksamen Medikamente.
  • Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht.

Die A2 verbindet Osteuropa und damit die Seuchengebieten mit Niedersachsen. Touristen und Lastwagen-Fahrer könnten das hochansteckende Virus in Lebensmitteln mitbringen. Sorglos weggeworfene Essensreste an Rastplätzen sind willkommenes Futter für Wildschweine.

Demnächst startet die Spargelsaison, zu der vermehrt Arbeiter aus östlichen Ländern anreisen. Auch diese müssten umfassend über das Risiko aufgeklärt werden.

Auch Niedersachsens FDP mit Maßnahmenpaket

Die FDP-Fraktion hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen und deren Folgen vorgelegt. Gefordert wird unter anderem

  • eine vorübergehende ganzjährige Jagdzeit für Schwarzwild mit Ausnahme geschützter Muttertiere.

FDP-Chef Grupe kritisierte, dass die Landesregierung immer noch jegliche umfassende Strategie gegen die Afrikanische Schweinepest vermissen lasse. Dabei gebe es zahlreiche Maßnahmen, die unbedingt ergriffen werden müssten, um eine Verbreitung zu verhindern und die Jäger bei der Bestandsreduzierung von Wildschweinen zu unterstützen. Als Beispiele nannte er:

  • den Einsatz von Nachtzielgeräten und Wärmebildkameras,
  • kostenfreie Sammelbehälter zur Entsorgung von Resten geschossener Wildtiere.
Mit Material von dpa, FDP Fraktion
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