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Tierseuche

Afrikanische Schweinepest: Was Sie als Schweinehalter beachten sollten

Mastschweine schauen durchs Gatter.
Mastschweine schauen durchs Gatter. © Mühlhausen/landpixel
von , am
02.11.2017

Die Afrikanische Schweinepest ist schon bis an die deutsche Grenze herangerückt. So sorgen Sie als Schweinehalter für den Seuchenfall vor.

Schweinehalter müssen alle Maßnahmen ergreifen, damit das Schweinepestvirus nicht in ihre Ställe gelangt. Sie sollten aber gleichzeitig dafür sorgen, im Ernstfall wenigstens nicht finanziell die Leidtragenden zu sein. 

Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hätte für die Fleischexportnation Deutschland und ganz besonders für den Veredlungsstandort Niedersachsen verheerende Folgen.

Deshalb mahnt die Geschäftsführerin der Niedersächischen Tierseuchenkasse (TSK), Dr. Ursula Gerdes, auch eindringlich alle Schweinehalter, die bekannten Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten.

Afrikanische Schweinepest: Serologische Untersuchungen bei Verdacht wichtig

Die TSK  übernimmt bei Ausbruch der Tierseuche im Fall einer Tötungsanordnung

  • die Kosten für die Tötung und Beseitigung der Tiere,
  • die Reinigung und Desinfektion der Ställe und
  • im Vorfeld für serologische Untersuchungen bei Verdacht einer Infektion.

Die Veterinärin Dr. Ursula Gerdes appelliert an Schweinehalter und betreuende Tierärzte, die Untersuchungsmöglichkeit beim geringsten Verdacht zu nutzen. Da ein Ergebnis bereits nach rund sechs Stunden vorliege, könne man ggf. schnell reagieren.

Tierhalter werden im Seuchenfall nur dann vollständig entschädigt, wenn sie die Voraussetzungen hierfür erfüllen. Folgendes gehört dazu:

  • Die korrekten Tierzahlen sind zu melden.
  • Wer fällige Beiträge nicht bezahlt hat, bekommt im Ernstfall lediglich die Kosten der Tiertötung erstattet.
  • Im Betrieb müssen alle Maßnahmen zur Gewährleistung der  Biosicherheit eingehalten, wie z. B. die ordnungsgemäße Kadaverlagerung, das Vorhandensein eines Zauns um den Betrieb oder die Meldung von erhöhten Verlusten.

Wie schon für den Geflügelbereich im Zusammenhang mit der Geflügelpest, bereitet die Tierseuchenkasse nun auch im Schweinebereich ein risikoorientiertes Bewertungsschema für Leistungskürzungen vor. Dabei gilt:

  • Die Differenzierung erfolgt nach Betriebsgrößen.
  • Die Höhe der Leistungskürzungen richtet sich dabei nach dem möglichen Risiko eines Seucheneintrags durch den Verstoß.
  • Wichtig: Die Seuche muss dabei nicht erwiesenermaßen durch den Verstoß in einen Betrieb gelangt sein. Wer seine Kadaverlagerung nicht in Ordnung hat, muss im ASP-Fall mit einer Kürzung der Entschädigungszahlung rechnen. Wenn in größeren Beständen der Zugang zum Stall auch am Umkleideraum vorbei möglich ist, heißt das eine erhebliche Kürzung, gleiches gilt bei nicht ordnungsgemäßer Schadnagerbekämpfung. 

Als beruhigend bewertet die TSK-Geschäftsführerin, dass der für die Schweinehaltung vorgesehene „Topf“ gut gefüllt ist. Ein mittlerer Maul- und Klauenseuchenzug in Niedersachsen würde etwa 16Mio. Euro Kosten für die TSK bedeuten. Diese Rücklage ist im kommenden Jahr erreicht. „Wir werden die Beiträge für die Schweinehalter sogar etwas reduzieren“, so Dr. Gerdes.

Ertragsschadensversicherung abschließen

Da ein ASP-Eintrag in die Wildschweinebestände zum längerfristigen Problem werden könnte, rät sie dringend zum Abschluss einer Ertragsschadensversicherung: „ASP  kann schnell existenzbedrohend werden."

Wer als Betrieb auf die Einnahmen aus der Schweinehaltung angewiesen ist und keine Ertragsschadensversicherung hat, handele fahrlässig. Die Versicherung sollte jetzt abgeschlossen werden. Nach dem ersten Fall sei es zu spät.

Derzeit bieten vier Versicherungen eine Ertragsschadensversicherung an:

  1. die Vereinigte Tierversicherung (VTV),
  2. die Münchener & Magdeburger Agrarversicherung (MM Agrar),
  3.  die Mitversicherungsgemeinschaft Tier (MVG) und
  4. der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM).

 

Deckungsbeitragsrechnung oder pauschale Entschädigungssumme

Angeboten werden zwei Varianten der Entschädigung:

  • nach Deckungsbeitragsrechnung: Der Marktpreis und die Kosten im Schadenszeitraum werden angesetzt. Als Produktionsdaten dienen die Werte des Betriebs der letzten drei Jahre (Durchschnitt). Erhöhungen werden berücksichtigt. Schadennebenkosten, wie die fehlende Entschädigung der Mehrwertsteuer durch die TSK oder Kosten für Gülleentsorgung nach Keulung, sind mitversichert.
  • mit pauschaler Entschädigungssumme: Hier ist zu bedenken, dass der Versicherer im Seuchenfall nicht mehr als die Pauschalsumme zahlt, selbst wenn der Schaden höher ist.  

Für einen Schweinemastbestand von 1.000 Plätzen kostet eine Ertragsschadensversicherung bei einer maximalen Versicherungssumme von 180.000 Euro und einem Selbstbehalt von 9.000 Euro etwa 750 Euro Prämie pro Jahr.

Für einen Bestand von 100 Sauen mit Ferkelaufzucht werden bei maximal 100.000 Euro Entschädigung und 5.000 Euro Selbstbehalt um die 900 Euro Jahresprämie fällig.

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