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Geflügel

"In Alarmbereitschaft, aber gelassen"

von , am
24.04.2013

Vergangene Woche hat sich der Verdacht auf die niedrig pathogene Form der Vogelgrippe (Typ H7N7) bei zwei Putenmastbetrieben im nördlichen Landkreis Osnabrück bestätigt. Wie weiter verfahren wird, lesen Sie hier.

Alle Geflügelhalter sind aufgerufen, sehr wachsam zu sein und strikt auf das Einhalten der Biosicherheitsmaßnahmen zu achten. © nord-west-media

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, LAVES, in Oldenburg und das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems hatten die positiven Untersuchungsergebnisse aus den zwei Verdachtsbetrieben übermittelt. Daraufhin war vom Landkreis Osnabrück die Tötungsanordnung ausgesprochen worden. Betroffen waren knapp 27.000 Puten, die inzwischen tierschutzgerecht getötet wurden. Gefahr für Menschen besteht bei dieser milden Form der Vogelgrippe nicht.

Die zwei Bestände wurden von der Gesellschaft für Seuchenvorsorge, GESEVO, gekeult. Hierbei wurde mit Kohlendioxid gearbeitet, das in die abgedichteten Ställe geleitet wird. Die GESEVO wurde 2008 gegründet, um in einem Seuchenfall schnell und tierschutzgerecht die Räumung von Nutzgeflügelbeständen zu organisieren. Gesellschafter sind die Kreislandvolkverbände Cloppenburg, Oldenburg, Vechta und Osnabrück, der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW), der Landvolkverband Niedersachsen und die ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter.

Inzwischen wurde der Zuständigkeitsbereich der GESEVO auch auf Schweinebestände ausgedehnt, räumlich ist sie für Niedersachsen mit Ausnahme der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim sowie Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich. Finanziert wird sie durch Mittel der Tierseuchenkassen der beiden Länder, von Gebietskörperschaften und Wirtschaftsbeteiligten.

Stallkategorisierung bewährte sich

Laut Aussage von Dr. Klaus-Peter Behr, einem der GESEVO-Geschäftsführer, hat sich bei den aktuellen beiden Fällen die Stallkategorisierung bewährt, die die GESEVO in den vergangenen Jahren für jeden Betrieb in ihrer Zuständigkeit durchgeführt hat: "Das war sehr hilfreich, die Einsätze konnten einfacher geplant werden", sagte Dr. Behr.

Für die Stallkategorisierung wurden die Navigationsdaten jedes Stalles ebenso erfasst wie seine Infrastruktur (Zufahrts- und Wendemöglichkeiten für LKW), seine Größe, Gefälle und Dichtigkeit sowie seine Zugänge (Anzahl, Anordnung und Größe von Türen und Toren), um im Seuchenfall schnell reagieren zu können.

Eingerichtet wurde um die beiden aktuell betroffenen Ställe im nördlichen Landkreis Osnabrück ein Sperrbezirk von 1 km, in diesem Sperrgebiet befinden sich lediglich drei Kleinstgeflügelhaltungen. Geflügel darf aus dem Sperrbezirk vorerst nicht verbracht werden. Gibt es 21 Tage nach Reinigung und Desinfektion der Betriebe keinen neuen Fall, können diese Maßnahmen wieder aufgehoben werden.

Nach Information des Landkreises Osnabrück gab es bis Redaktionsschluss keine positiven Befunde aus beprobten Kontaktbetrieben im Kreisgebiet. Der Landkreis Cloppenburg grenzt nördlich an den Landkreis Osnabrück, hier werden derzeit auf über 3 Mio. Plätzen Puten gemästet. Würde das Virus sich hier ausbreiten, könnte das verheerende Folgen haben. Laut Dr. Hermann Seelhorst, dem stellvertretenden Leiter des Veterinäramtes Cloppenburg, ist man dort zwar in Alarmbereitschaft, aber gelassen: „Wir haben von den Osnabrücker Kollegen sehr zügig die Kontaktbetriebe benannt bekommen, die ersten Proben sind schon vergangene Woche zum LAVES gegangen: "Bislang gab es bei uns keine positiven Befunde", so Dr. Seelhorst.

Auch wenn das jetzt aufgetretene Virus nur niedrig pathogen ist, müssten infizierte Bestände gekeult werden: "Es besteht ja beim niedrig pathogenen Geflügelpest-Erreger die Gefahr, dass er zu einem hoch pathogenen Virus mutiert", erläutert Dr. Seelhorst.

Regelmäßiges Monitoring in Deutschland

In Deutschland werden regelmäßig Monitoring-Untersuchungen in Geflügelbeständen und bei Wildvögeln durchgeführt. Diese haben in Niedersachsen bisher keine Hinweise auf ein sich ausbreitendes Influenzageschehen ergeben. Darüber hinaus werden in Putenmastbeständen spezielle Eigenkontrolluntersuchungen durchgeführt.

Die niedrigpathogene Vogelgrippe vom Typ H5 wurde in den zurückliegenden Monaten in Geflügelkleinstbeständen in Schleswig-Holstein und Hessen sowie in einem Entenmastbestand in Brandenburg festgestellt. Ein Kleinstbestand in  Nordrhein-Westfalen war im März dieses Jahres vom Typ H7 betroffen, dieser Typ wurde vor einigen Monaten auch in Haltungen von Freilandhennen im Gelderland und Flevoland in den Niederlanden festgestellt.

Beim derzeit in China grassierenden Vogelgrippevirus handelt es sich um den Subtypen H7N9. Er hat die Besonderheit, dass er bei Geflügel nur schwache Symptome zeigt, beim Menschen jedoch zu schweren Erkrankungen führen kann, wie jüngst in China auch geschehen.
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