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Geflügel

Alles klar für die nächste Runde

von , am
16.04.2013

Stall ausmisten, reinigen, desinfizieren - für Hähnchenmäster sind das Arbeiten, die wesentlich zur Wirtschaftlichkeit des folgenden Durchgangs beitragen. Lesen Sie hier, was Sie dabei beachten sollten.

Ein gut vorbereiteter Stall erleichtert dem Betriebsleiter nicht nur das Einstallen der Küken, sondern bietet den Tieren einen guten Start. © Wessling

Vor der Reinigung und Desinfektion eines Stalles muss die alte Einstreu entfernt werden. Da Hähnchenmist sehr gefragt ist, wird er in Veredlungsregionen häufig von Lohnunternehmen in vieharme Regionen vermittelt und abtransportiert. Dies sollte vor der weiteren Stallreinigung geschehen, damit Kontaminationen ausgeschlossen werden und es möglichst kein Verschleppen von Erregern durch den Mist gibt. Wird der Hähnchenmist für die eigenen Flächen benötigt, sollte man ihn nicht direkt neben den Hähnchenställen lagern.

Ecken und Nischen nicht vergessen

Wenn der Stall besenrein ist, muss er eingeweicht werden. Hartnäckiger Schmutz kann bei der anschließenden Nassreinigung dann besser entfernt werden! Hierzu wird mit dem Hochdruckreiniger von oben nach unten gereinigt, nicht zu vergessen sind Abluftschächte, Lüftungsklappen, Heizkanonen, Futter- und Tränkelinien. Nicht nur Stallgebäude, auch  Vorhof und Kadaverlagerstätte müssen gereinigt werden. Dass verendete Tiere vor Reinigung  und Desinfektion abgeholt werden, ist wünschenswert.

Reinigung und Desinfektion sollte auch die Vorräume, Hygieneschleuse und Sozialräume mit einbeziehen. Die Schutzkleidung muss gewaschen und desinfiziert werden,  Einweganzüge gehören in den Müll. Nicht zu vergessen sind die Schuhe. Des Weiteren müssen Gerätschaften, Anmischbehälter für Impfungen und Sammeleimer mit gereinigt und desinfiziert werden.

Es sollten Reinigungsmittel genutzt werden, die sowohl Fette als auch Eiweiße entfernen. Auch ein Wechsel zwischen alkalischen und sauren Reinigungsmitteln ist von Vorteil. Bei den Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sind die richtige Lagerung, Konzentration, Applikationstechnik und Einwirkzeit zu beachten. Temperaturfehler müssen vermieden werden!

Nachdem der Stall ausreichend abgetrocknet ist (keine Pfützen!), wird er desinfiziert. Die Desinfektion muss auf die eventuell aufgetretenen Probleme des vorherigen Durchgangs abgestimmt sein, um Erreger effektiv zu bekämpfen.

Abklatschproben zur Kontrolle

Auch in einem optisch sauberen Stall sollte der Keimdruck kontrolliert werden. Dazu nimmt man Abklatschproben. Zeigen sie noch einen erhöhten Keimdruck, ist das ein Warnzeichen. Nicht zu vergessen: eine regelmäßige Reinigung des Futtersilos!

Für einen guten Start in den Durchgang ist es wichtig, dass die Tiere eine optimale Umgebung bei der Einstallung vorfinden. Es sollte auch eine Kontrolle der Stalltechnik erfolgen. Ältere Ställe haben des Öfteren einen erhöhten Reparaturbedarf. Hierfür kann gut die Leerstehzeit genutzt werden. Tränkenippel, die lecken, sollten genauso repariert werden wie (an)gerissene Seile der Futterbahnen. Dies dient auch der Minimierung des Unfallrisikos. Während des Durchgangs hätten Leckagen zur Folge, dass die Einstreu vernässt.

Um die optimale Einstalltemperatur (34-36 °C) zu erreichen, ist ein angemessener Zeitraum zum Aufheizen nötig. Zu beachten ist auch die Bodenplattentemperatur: Mindestens 28 °C sind Pflicht, damit weder die Tiere kalte Füße bekommen noch die Einstreu auskühlt und somit feucht wird. Ein guter Gradmesser für die richtige Temperatur ist das Verhalten und die Verteilung der Tiere nach dem Einstallen. Ist es zu kalt, rücken sie eng zusammen, was die Gefahr des Erstickens birgt. Ist es zu warm, liegen die Küken mit geöffneten Schnabel und gespreizten Flügeln in der Einstreu. In beiden Fällen muss die Temperatur entweder durch Heizen oder Lüften angepasst werden.

Während der Aufheizphase wird die Einstreu ausgebracht. Während größere Betriebe häufig eine betriebseigene Maschine haben, wird in kleineren Betrieben das Einstreuen als Dienstleistung eingekauft. Hierbei ist auf ein sauberes Arbeitsgerät zu achten. Beim Einstreumaterial gibt es heute viele Möglichkeiten, bei der Auswahl solte man betriebsindividuell entscheiden.

Traten im vorherigen Durchgang Getreideschimmelkäfer auf, sollte von einer Stroheinstreu abgesehen werden. Es werden heute immer wieder mal "Einstreuneuheiten" angeboten, hier muss der Landwirt schauen, ob er sie testen kann oder lieber auf "Nummer Sicher" geht. Zu beachten ist immer die Saugfähigkeit.

Daneben ist es wichtig, eine angemessene Menge zu verwenden. Man fährt oftmals mit der Devise „Weniger ist mehr“ sehr gut. Bei einer geringen Einstreumenge können die Tieren die Einstreu gut bewegen und die Feuchtigkeit kann gut wieder abgegeben werden.

Nach dem Einstreuen kann das Kükenpapier im Stall ausgelegt werden - jeweils zwischen Futterbahn und einer Tränkebahn. Auf dem Kükenpapier wird Futter ausgebracht, damit die Tiere von Anfang an Futter aufnehmen können - auch die Tiere, die nicht direkt den Futtertrog finden.

Kükenpapier hochklemmen

Nach dem Auslegen des Kükenpapiers werden Futter- und Tränkelinien heruntergefahren. Dann kann das Kükenpapier in dem Bereich, in dem anschließend die Container hereingeschoben werden, hochgeklemmt werden. Dies hat den Vorteil, dass die Küken nach dem Auskippen dem Personal nicht direkt vor die Füße laufen und die Container problemlos aus dem Stall geschoben werden können.

Die Positionierung der Tränkelinien muss der Größe der Küken angepasst werden. Während zu Beginn der Mast die Küken den Tränknippel in Augenhöhe haben sollten, sollten ältere Tiere sich für eine optimale Wasserversorgung leicht strecken müssen. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Wasserversorgung ist das Einstellen des richtigen Wasserdrucks.
 
Die Eintagsküken müssen leicht Wasser aufnehmen können. Als Richtwert gilt: der Ball im Steigrohr sollte maximal 10 cm im Rohr stehen. Gut ist, wenn sich ein Wassertropfen am Nippel befindet. Vor dem Einstallen sollte die Tränkelinie nochmals gespült werden. Hierdurch wird das abgestandene Wasser entfernt und den Eintagsküken steht frisches Wasser zur Verfügung. Die Küken bevorzugen kurze Wege zwischen Futter und Wasser.
In einem falsch ausgeleuchteten Stall verteilen sich die Tiere nicht gleichmäßig. Sie vermeiden zu helle Stallbereiche und halten sich etwa nahe der Wand auf. Einer schlechten Verteilung der Küken vorbeugen kann man besonders zu Mastbeginn mit einer etwas geringeren Lichtintensität.

Beim Einstallen müssen die Küken zügig in den Stall gebracht werden, sie dürfen nicht lange in der Kälte zwischen LKW und Stall stehen. Jede Art von Stress sollte vermieden werden. Das Einstallen der Küken sollte ohne Verzögerung und mit ausreichend Personal durchgeführt werden, sobald der LKW ankommt.

Nach dem Einstallen der Küken müssen die Wäscheklammern am Kükenpapier wieder entfernt werden, damit es wieder flach auf dem Boden liegt und den Tieren die gesamte Stallgrundfläche zur Verfügung steht.
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