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Antibiotika in der Tierhaltung

Antibiotika-Verbrauch: 'Aniplus' ermöglicht individuelle Maßnahmen

Injektionsspritze mit Schwein
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
17.10.2016

Den Antibiotikaeinsatz im Stall nachhaltig zu reduzieren: Dabei hilft die neue Internet-Plattform „Aniplus“ vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium.

Diverse Verantwortliche beim aniplus-Start

Die nachhaltige Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung gelingt nur durch eine Verbesserung der Tiergesundheit. Um die Landwirte bei diesem Ziel zu unterstützen, wurde heute im Landwirtschaftsministerium die Internet-Plattform "Aniplus" freigeschaltet.

Die Webseite bietet Landwirten erstmals die Möglichkeit, ein konkretes, auf ihren Betrieb individuell zugeschnittenes Maßnahmenpaket zusammen zu stellen. Zielgruppe der Internetplattform sind neben Landwirten auch Tierärzte und landwirtschaftliche Berater.

Daneben hält das Portal breitgefächerte Informationen zu den einzelnen Tierarten bereit und erläutert das Beratungsangebot zu Tierwohl und Tiergesundheit. Die Webseite gliedert sich in einen allgemein zugänglichen und einen passwort-geschützten Teil.

Möglich ist die Navigation nach Tierarten, die freie Textsuche sowie die gezielte Suche bei den Themen "Haltung", "Management", "Biosicherheit", "Hygiene", "Fütterung", "Tiergesundheit" und "Tierzukauf". Das Projekt "Aniplus" unter Federführung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland e.V. (AEF) hat bundesweiten Pilotcharakter.

Aniplus in zwei Jahren aufgebaut

Die vielfältigen Informationen des Portals wurden in einer zweijährigen Aufbauphase durch Unternehmen, Behörden, Wissenschaftler, Tierärzte sowie aktive Landwirte der Region Oldenburger Münsterland zusammen getragen. Das Landwirtschaftsministerium fördert das laufende AEF-Projekt mit rund 200.000 Euro und das Anschlussprojekt mit 80.000 Euro. Daneben wird das Projekt von der Metropolregion Nordwest, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie den Landkreisen Cloppenburg und Vechta unterstützt.

Wachsende Gefahr resistenter Keime beachten

"Das Konzept des Landes zur Minimierung des Antibiotika-Einsatzes zeigt bereits Wirkung, denn die in den Mastställen eingesetzten Mengen gehen zurück. Das ist ein großer gemeinsamer Erfolg von Landwirten, Tierärzten, Beratung und Behörden", sagte Agrarminister Christian Meyer bei der Vorstellung des neuen Portals. "Aber es gibt noch viel zu tun."

Man müsse der wachsenden Gefahr resistenter Keime noch stärker begegnen. Das Portal "Aniplus" biete eine gute Grundlage, die Haltungsbedingungen in den Ställen individuell zu verbessern, denn kein Betrieb ist wie der andere. Eine verbesserte Tiergesundheit sei auch im Sinne des Tierschutzes, sagte der Minister.

Aniplus als Leuchtturmprojekt

"Gesunde Tiere brauchen keine Antibiotika", sagte der AEF-Vorsitzende und ehemalige Agrarminister Uwe Bartels. Das Portal "Aniplus" sei ein echtes Leuchtturmprojekt über Niedersachsens Grenzen hinaus. "Die Unternehmen im Oldenburger Münsterland, die für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Nutztiere zuständig sind, haben gemeinsam ihre Expertise für die Informationsplattform unentgeltlich zur Verfügung gestellt. So haben sie die Grundlage für eine einzigartige Hilfestellung für den Tierhalter ermöglicht", unterstrich Bartels. Die fachlichen Inhalte des Portals beschränken sich zunächst auf die Tierarten Rind, Schwein, Pute und Masthuhn.

Die Projektleiterin Dr. Maria Gellermann betonte, dass Aniplus praxistaugliche und somit wirksame Strategien präsentieren solle, bei einer hohen Benutzerfreundlichkeit. Alle Vorschläge würden daher mehrfach von unterschiedlichen Experten bewertet. Die Informationen würden ständig aktualisiert und weiterentwickelt, neue Erkenntnisse eingearbeitet. Zudem solle die Plattform im nächsten Jahr um weitere Krankheitsbilder ergänzt werden.

Antibiotika-Minimierung geht voran

Aktuelle Zahlen aus dem 1. Halbjahr 2016 für Niedersachsen zeigen, dass seit Beginn des Antibiotika-Minimierungskonzepts im Jahr 2013 der Einsatz an Antibiotika bei Mastschweinen und Mastferkeln sowie bei Mastkälbern um gut 50 Prozent gesunken ist. Bei Mastputen und Masthähnchen liegt die sogenannte Therapiehäufigkeit jetzt um 45 bzw. rund 32 Prozent niedriger. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat sich die Gesamtmenge der nach Niedersachsen abgegebenen Antibiotika seit 2014 um 37 Prozent reduziert.

Weitere Informationen finden Sie direkt auf der Info-Plattform unter: www.aniplus.de

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