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Biosicherheit: Was Schweinehalter zur Kadaverlagerung beachten sollten

Kadaver-Lagerung
Dr. Konstanze Ruppert, LWK Niedersachsen
am
30.05.2018

Angesichts der ASP-Bedrohung müssen Schweinehalter größten Wert auf Biosicherheit in ihrem Betrieb legen. Was Sie zur Kadaverlagerung beachten sollten.

Bei Kontrollen fallen auf schweinehaltenden Betrieben immer wieder Mängel in der Kadaverlagerung auf:

  • Im Hinblick auf eine Einschleppung oder Weiterverbreitung von Seuchen können Mängel bei der Kadaverlagerung ein großes Risiko darstellen.
  • Im Seuchenfall können Mängel in der Kadaverlagerung zu deutlichen Kürzungen der Entschädigungen führen. So auch beim Geflügelpestzug vom Winter 2016/17 mit Schwerpunkt im Landkreis Cloppenburg: Auf betroffenen Betrieben gab es einige gravierende Mängel in der Biosicherheit, besonders im Umgang mit Falltieren bzw. bei der Kadaverlagerung. Die Tierseuchenkasse reagierte mit zum Teil erheblichen Entschädigungskürzungen.
  • Der Schweinegesundheitsdienst hat zur Kadaverlagerung zusammen mit Veterinärämtern einen Leitfaden erstellt. Er kann über die Homepage der LWK bezogen bzw. heruntergeladen werden (www.lwk-niedersachsen.de).

Leitfaden mit vielen praktischen Beispielen

    Der Leitfaden soll eine Hilfestellung für Landwirte, Tierärzte und Berater sein:

    • Anforderungen an die Kadaverlagerung werden verdeutlicht,
    • einheitliche Standards zur Umsetzung werden vorgegeben.
    • Der Leitfaden zeigt Beispiele, mit denen der Betriebsleiter seine eigene Kadaverlagerung überprüfen und bei Bedarf verbessern kann.

    In der Einleitung werden kurz die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen zur Kadaverlagerung benannt, sodass Entscheidungen oder Beanstandungen der Behörden vom Landwirt nachvollzogen werden können. Die drei wichtigsten gesetzlichen Vorschriften, die die Kadaverlagerung betreffen, sind

    • das Tiergesundheitsgesetz als übergeordnetes Gesetz,
    • die Schweinehaltungshygiene–Verordnung und
    • das Tierische-Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz.

    Was sagen die Gesetze aus

      Das Tiergesundheitsgesetz verpflichtet den Tierhalter zur Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen. Jeder Tierhalter muss dafür sorgen,  dass er weder Tierseuchen in seinen Bestand einschleppt, noch Tierseuchen heraus verschleppt.

      In der Schweinehaltungshygiene–Verordnung sind die Biosicherheitsvorschriften detaillierter erfasst. Zur Kadaverlagerung werden dort die Art der Lagerung, die Abholung und die Vorschriften zur Reinigung und Desinfektion beschrieben.

      Das Tierische Nebenprodukte- Beseitigungsgesetz befasst sich mit allen Produkten vom Tier, die keine Lebensmittel sind. Dazu gehören auch Kadaver und es ist festgelegt, wer und wie Kadaver entsorgt werden. Konkret zur Kadaverlagerung steht auch dort, dass keine Anderen gefährdet werden dürfen, dass Falltiere unverzüglich zur Abholung angemeldet werden und wie sie bis dahin aufbewahrt werden müssen.
       

      Viele Betriebe nutzen Container aus Edelstahl

      Im Hauptteil des Leitfadens werden anhand von Beispielbildern die Möglichkeiten der Umsetzung der Kadaverlagerung und die Konflikte oder Probleme des jeweils dargestellten Systems erläutert.

      In den meisten Betrieben gibt es den bewährten Container aus Edelstahl. Er ist verschließbar, auslaufsicher und gut zu reinigen und zu desinfizieren. Die Größe des Containers muss der Betriebsgröße und der Produktionsrichtung angepasst sein.

      Für einen Zuchtbetrieb muss der Container ausreichend groß für Sauen sein und für einen großen Mastbetrieb muss die Kapazität für alle im Normalfall anfallenden Kadaver ausreichend groß genug dimensioniert sein.

      Wie muss die Übergabestelle gestaltet sein

      Die Übergabestelle muss aus einer befestigten, geschlossenen Fläche bestehen:

      • Sie kann betoniert, gepflastert oder asphaltiert sein.
      • Sie muss zu reinigen und zu desinfizieren sein. Bei einer geschotterten Fläche ist dies zum Beispiel nicht möglich.
      • Eine günstige und schnell herzustellende Möglichkeit wären Betonspalten auf einer geebneten Fläche, deren Spalten mit Beton aufgefüllt werden.
      • Die Übergabestelle sollte groß genug sein, um eine Kontamination der Umgebung zu verhindern. Um ein konkretes Maß zu nennen, haben sich die Veterinärämter auf eine Fläche von 4-mal der Grundfläche des Containers verständigt.

      Kadaverbehälter muss gut aufnehmbar sein

        Wichtig beim Kadaverbehälter ist folgendes:

        • Er muss mit dem zuständigen VTN (Verarbeitungsbetrieb für tierische Nebenprodukte, früher TKBA) kompatibel sein.
        • Die Kadaver müssen schnell, hygienisch und sicher sowie ohne Unfälle aufzunehmen sein.
        • Deshalb ist es sinnvoll, bei einer teuren Neuanschaffung oder bei einem speziellen System vorher Rücksprache mit dem  VTN zu halten.

        Jeder Betrieb braucht eigene Kadaverlagerung

        Für jeden Betrieb muss eine eigene Kadaverlagerung vorhanden sein:

        • Befinden sich mehrere Betriebe (VVVO–Nummern) eines Besitzers auf einer Hofstelle, so kann das Veterinäramt eine gemeinsame Kadaverlagerung als ausreichend anerkennen.
        • Gehören zu dem Betrieb noch andere Ställe auf einer anderen Hofstelle (beispielsweise Pachtställe am anderen Ende des Ortes), müssen diese über eine eigene Kadaverlagerung verfügen.
        • Der Transport von Kadavern über öffentliche Wege ist nur dem VTN erlaubt. Dem Landwirt ist der Transport von toten Tieren über öffentliche Wege verboten.
        • Ausnahme: Wenn zum Beispiel die Kadaverlagerung gegenüber vom Stall auf der anderen Straßenseite, einer nicht zu stark befahrenen öffentlichen Straße, steht, kann das Veterinäramt nach Risikoabwägung eine Ausnahme genehmigen. Der Transport dorthin darf aber nur in einem geschlossenen, auslaufsicheren Behälter erfolgen.

        Wichtig ist die Kühlung

          Eine Optimierung der Kadaverlagerung ist die Kühlung:

          • Am geeignetsten sind isolierte Kühlhütten mit einer elektrischen Kühlung. Diese werden im Idealfall an der Betriebsgrenze aufgestellt, sind von hinten aus dem Betrieb zu befüllen und von vorne zur Abholung zu öffnen und zu entleeren. Bei diesem Schleusenprinzip gibt es keine kreuzenden Wege.
          • Die einfache Variante wäre die Erdkühlung in einem Erdbunker. Der in der Erde in einem Betonschacht versenkte Container ist mit Sauen oder schweren Mastschweinen auch leichter zu befüllen. Nachteil: es kann Material danebenfallen, auch der Erdbunker muss gereinigt und desinfiziert werden und Regenwasser kann sich darin sammeln. Letzteres wäre mit einer Abdeckung etwa aus Isolierplatten zu verhindern. Öffnen kann man so einen Deckel mit einem einfachen Seilzug.

          Kadaverhaube aus Kunststoff

          Kadaverlagerung-Kunststoffhaube

            Für Ferkel oder Nachgeburten im Zuchtbetrieb kann eine Kunststofftonne ausreichend sein. Es ist vorher mit dem VTN abzuklären, wie die Aufnahme erfolgt. Mit dem Greifer des Abholfahrzeuges kann eine einfache Mülltonne unter Umständen zerquetscht werden.

            Weit verbreitet ist neben dem Edelstahlcontainer die Kadaverhaube aus Kunststoff. Vor allem in Zuchtbetrieben wird sie gerne benutzt, weil eine ausgewachsene Sau darunter Platz hat und nicht in einen Container gehoben werden muss. Generell ist die Lagerung unter einer Haube weniger sicher als in einem geschlossenen Container.

            Bei der Abholung kann der Kadaver nur mit dem Greifer aufgenommen werden. Das kann zu einer Kontamination der Umgebung durch auslaufende Flüssigkeiten führen. Häufig fehlt auch eine auslaufsichere Unterlage oder die befestigte Übergabestelle ist zu klein oder fehlt ebenfalls.

            Selbstgebaute Kadaverlagerungen

            Selbstgebaute Kadaverlagerungen sind mehr oder weniger gut geeignet:

            • Die meisten werden nur in kleinen Betrieben geduldet, bei zum Beispiel nur einem Falltier pro Durchgang.
            • Für selbst gebaute Kadaverlagerungen gilt ebenfalls, dass sie verschließbar, auslaufsicher, zu reinigen und zu desinfizieren sowie VTN-kompatibel sein müssen.
            • Das Material kann also nur Metall oder Kunststoff sein, aber kein Holz.

            Alle Kadaverlagerungen müssen nach jeder Benutzung gereinigt und desinfiziert werden. Der Besitzer hat dafür zu sorgen, dass der Deckel wieder geschlossen wird und das Beschädigungen unverzüglich repariert werden.

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