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Schwein

Blick über die holländische Grenze

von , am
26.06.2013

Einblicke in die niederländische Ferkelwirtschaft lieferte eine Pressefahrt der Wirtschaftsgruppe für Vieh und Fleisch (PVV). Wichtige Ergebnisse haben wir für Sie zusammengefasst.

Ferkel und Schlachtschweine gehen auf die Reise: Die niederländische Schweinebranche hat im letzten Jahr 6,9 Mio. Ferkel exportiert, davon allein 4,1 Mio. in deutsche Mastställe. © Närmann-Bockholt
Ferkel aus den Niederlanden sind ein Exportschlager. Nach Berechnungen der Wirtschaftsgruppe für Vieh und Fleisch (Productschap Vee en Vlees, kurz PVV) hat die Branche im vergangenen Jahr 6,9 Mio. Tiere in Europa abgesetzt. Dabei haben die Exporte in das Nachbarland Deutschland einen neuen Spitzenwert erreicht. Laut PVV haben die holländischen Ferkelerzeuger im vergangenen Jahr rund 4,1 Mio. Tiere und damit 8,6 % mehr als im Vorjahr in deutsche Mastställe geliefert. Der Marktanteil stieg damit auf um 5 % auf 63 %. Belgien und Luxemburg sowie Polen und Rumänien sind weitere wichtige Abnehmer für die niederländischen Ferkel.

Tiergesundheit hat Priorität

"Voraussetzung für den Absatz sowohl im Inland als auch im Ausland ist eine gute Tiergesundheit", erklärte PVV-Mitarbeiter Bonne van Dam. Ein hoher Tiergesundheitsstatus habe im niederländischen Schweinesektor oberste Priorität. Dazu hat die Wirtschaftsgruppe eine Reihe von Projekten angestoßen, darunter ein Monitoring zur Tiergesundheit mit dem Augenmerk auf die Hauptkrankheiten wie Aujeszky und Schweinepest. Eines dieser Projekte hat den Erreger "Streptococcus suis" im Fokus mit dem Ziel, den Erreger in den Betrieben zu minimieren und die auftretenden Probleme zu verringern. Eine Erkenntnis habe man bereits gewinnen können: Durch eine Stimulierung der Futteraufnahme während des Absetzens könne das Infektionsrisiko bei den Ferkeln deutlich verringert werden.

Ein weiteres mehrjähriges Projekt beschäftigt sich mit der  Viruskrankheit PRRS, dabei sollen die möglichen Infektionsquellen sowie Übertragungswege ausgelotet und anschließend effektive Bekämpfungsmaßnahmen entwickelt werden. Gestartet wurde das Projekt im Januar 2013 im Norden der Niederlande mit 70 Betrieben. Zwei Betriebs-Coaches, ein Tierarzt sowie ein Experte für Biosicherheit haben mit den betreuenden Betriebstierärzten eine Bestandsaufnahme vorgenommen und geben den Schweinehaltern Empfehlungen an die Hand, mit welchen Maßnahmen sie in ihren Betrieben das Infektionsrisiko so gering wie möglich halten können. Mit einem Monitoring von Blutproben, deren Ergebnisse in eine PVV-Datenbank einfließen, sollen Informationen über Infektionsquellen und Übertragungswege des Erregers erarbeitet werden.

PVV muss sich kommendes Jahr auflösen

Wie van Dam erläuterte sei das Projekt auf vier Jahre angelegt, die jährlichen Kosten von rund 150.000 € würden durch die Wirtschaftsgruppe Vieh und Fleisch aufgebracht. Sorgen bereite allerdings der politische Beschluss der Haager Regierung, die Wirtschaftsgruppen - und darunter auch die PVV - im kommenden Jahr aufzulösen. Noch sei der weitere Verlauf des Projektes, an dem neben der PVV auch die niederländischen Bauernverbände LTO und VVV, der Tiergesundheitsdienst, die Tierärztekammer, die Uni Utrecht und das Zentrale Veterinär-Institut eingebunden sind, offen.

Auf einem guten Weg sieht PVV-Marktreferent van Dam den niederländischen Viehsektor in Sachen Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs. Die niederländische Regierung fordert eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bis 2013 um 50 % gegenüber 2009.
Zu den Maßnahmen, die die Branche ergriffen hat, zählt eine lückenlose Erfassung des Antibiotikaeinatzes in einer zentralen Datenbank. Die zuständige Tierarzneimittelbehörde hat auf Basis der ausgewerteten Daten ein spezielles Benchmarking entwickelt, das Unterschiede bei der Verwendung zwischen den Betrieben aufzeige. Dieses Programm soll nach der Abschaffung der Wirtschaftsgruppen durch das niederländische Agrarministerium weitergeführt werden.

Marktakzeptanz von Eberfleisch

Ein anderes Thema, das den niederländischen Schweinesektor beherrscht, ist der Verzicht auf die Kastration und die Mast von Ebern. Während die europäische Gesetzgebung vorsieht, ab 2018 keine männlichen Ferkel mehr zu kastrieren, wollen die Niederlande bereits bis 2015 darauf verzichten. Schon heute werden rund rund 50 % der Eberferkel nicht mehr kastriert und als Eber gemästet. Die Branche sei daran interessiert, die internationale Marktakzeptanz von Eberfleisch zu erhöhen, erklärte van Dam. Auch wenn Frischfleisch von Jungebern mittlerweile in fast allen Filialen der verschiedenen Einzelhandelsunternehmen in den Niederlanden angeboten wird, scheinen Grenzen erreicht zu sein. Wie van Dam erklärte, müssten Ebermäster beim Verkauf ihrer Mastschweine derzeit mit Abschlägen rechnen.
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