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Geflügel

Brennpunkt Auslaufgestaltung

von , am
12.02.2013

Die Auslaufgestaltung bei der Freiland- oder Öko-Haltung von Legehennen sollte frühzeitig geplant und umgesetzt werden. Wichtige Tipps dazu gab es jetzt bei einem Treffens mit dem LAVES.

Maisstreifen sind eine Möglichkeit zur Auslaufgestaltung, die von den Legehennen immer sehr gut angenommen werden. © Wessling

Jeder Legehenne in konventioneller Freilandhaltung muss jederzeit mindestens 4 m² Auslauffläche zur Verfügung stehen. Diese muss zum größten Teil bewachsen sein und darf nicht zu anderen Zwecken genutzt werden. In Niedersachsen überprüft das LAVES (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) die Einhaltung dieser Vorschriften.

Bei einem Ökobetrieb muss im Rahmen der Umstellung die Strukturierung des Hühnerauslaufes im Bewirtschaftungsplan vor Aufnahme der Produktion festgelegt werden! Der Bewirtschaftungsplan ist regelmäßig fortzuschreiben und einzuhalten. Kontrolliert wird die Umsetzung von den Kontrollstellen, aber auch anlassbezogen vom LAVES.

In der Praxis werden viele Legehennenausläufe nur unzureichend und ungleichmäßig genutzt. Um eine im schlimmsten Fall drohende Aberkennung des Status als Freiland- oder Öko-Betrieb nicht zu riskieren, sollten sich die Betriebsleiter ggf. Gedanken über eine Verbesserung der Auslaufgestaltung machen.

Gestaltungsmöglichkeiten

Um die Tiere in die Fläche zu locken, ist eine entsprechend gestaltete Auslauffläche erforderlich. Bei einem Radius von mehr als 150 m von der Auslaufluke sind mindestens vier Unterstände/ha einzurichten. Daneben fordert die Tierschutznutztierhaltungsverordnung, dass Auslaufflächen so gestaltet sind, dass sie von Legehennen gleichmäßig genutzt werden können und Tränken vorhanden sind.

Legehennen sind ein leichtes Ziel für Greifvögel oder Füchse. Über das Anlegen von "natürlichen Leitbahnen", etwa aus Sträuchern  wie Holunder oder Haselnuss, Bäumen oder Maisstreifen (saisonal) wird den Tieren der nötige Schutz gewährt. Auch inselartige Anpflanzungen von Sträuchern oder Bäumen sind eine Möglichkeit. Dabei sollten diese "Leitbahnen" oder Inseln so angelegt werden, dass einer regelmäßigen Pflege nichts im Wege steht. Dazu gehört auch das Ausmähen bzw. das Mulchen des Aufwuchses. Nicht gestattet ist es Freilandbetrieben, Teile des Auslaufes regelmäßig zu beernten und das Gut in anderen Produktionszweigen zu verwerten. Die Pflegemaßnahmen dürfen zudem nicht dazu führen, dass den Tieren weniger als 4 m² Fläche zur Verfügung stehen. Dies gilt auch in Bezug auf die Einzäunung neu angelegter Bepflanzungen. Deshalb sollten bei der Neuplanung von Hühnerausläufen immer mehr als 4 m² pro Tier berücksichtigt werden.  
Für die Ökohaltung ist darüber hinaus zu beachten, dass für die Anpflanzung ökologisches Pflanzmaterial zu verwenden ist. Herrscht hieran Mangel, kann eine Ausnahmegenehmigung über die Kontrollstelle beim LAVES gestellt werden. Bäume und Sträucher sollen der Strukturierung der Ausläufe dienen. Ein Umpflanzen der Fläche außerhalb des Grenzzaunes kann als alleinige Maßnahme diese Anforderung also nicht erfüllen, bestenfalls unterstützen.

Keine Nutzung von Wald

Eine weitere häufig gestellte Frage für die Auslaufgestaltung ist die Nutzung von angrenzenden Waldgebieten und Wallhecken/ geschützten Bereichen. Bevor dies in Betracht gezogen wird, sollte über eine mögliche Änderung der Auslauffläche oder eine Verminderung der Tierzahlen nachgedacht werden, um Konflikte mit anderen Nutzungen zu vermeiden.

Wald darf nämlich grundsätzlich nicht beweidet werden. Vor einer Berücksichtigung von Waldflächen ist zwingend bei der Unteren Waldbehörde eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Diese kann ggf. damit verbunden sein, dass eine Ersatzaufforstung gefordert wird. Auch die Inanspruchnahme anderen Flächen wie Wallhecken oder aus Naturschutzgründen geschützten Bereichen scheidet aufgrund der Regelungen des Naturschutzes aus. Soweit doch eine Nutzung von derartigen Bereichen geplant wird, ist die untere Naturschutzbehörde vorher (!) zwingend zu fragen, ob sie zustimmt. Sollte eine Umnutzung möglich werden, ist dies in der Regel mit erheblichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen verbunden. Die Nutzung von Wallhecken und naturschutzrechtlich geschützten Bereichen ohne entsprechende Genehmigung ist ein Cross-Compliance-Verstoß, der zu Abzügen oder Streichung führen kann.

Durchquert ein Gewässer oder Graben die Auslauffläche, müssten Brücken eine gleichmäßige Ausnutzung der Auslauffläche gewährleisten. Hierbei spielt die Breite der Brücke eine entscheidende Rolle. Empfehlenswert sind mindestens 20 m je 3.000 Tiere. Dies sollte vorab mit dem Unterhaltungspflichtigen und der unteren Wasserbehörde geklärt werden, ob diese dem zustimmen, insbesondere, wenn es sich um unterhaltungspflichtige Gewässer handelt, die regelmäßig gepflegt und geräumt werden müssen.

Gemäß der Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) bedeutet eine vernässte Auslauffläche nicht, dass den Tieren lediglich ein beschränkter Auslauf zur Verfügung stehen braucht. Auch das Auszäunen der betroffenen Flächen wird kritisch gesehen, sofern das Mindestmaß an Auslauffläche für die Tiere (4 m²) unterschritten wird. Die Ursachen der Vernässung sind wirksam zu bekämpfen.

Eine weitere wichtige Frage ist, ab wann die Junghenne in den Auslauf muss bzw. ab wann die Auslaufluken geöffnet werden müssen. In der Ökohaltung wird nach den Vorgaben der LÖK gehandelt, die durch die Kontrollstellen zu überwachen sind.

Dioxinproblematik

Für die konventionelle Freilandhaltung gibt es jedoch keine Regelung, die eine Einschränkung der Auslaufgewährung bei Aufstallung ermöglicht. Um eine Gewöhnung der neu eingestallten Legehennen an den Stall zuzulassen, müssen in Niedersachsen die Auslaufluken spätestens drei Wochen nach Einstallung geöffnet werden. In dieser Zeit können sich die Tiere an das neue System im Stall gewöhnen.

In der ökologischen Legehennenhaltung wird von der LÖK vorgegeben, dass die Junghenne maximal 3 Tage im Warmstall gehalten werden darf. Ab dem Legebeginn, der mit dem Zeitpunkt des ersten gelegten Eies beginnt, dürfen die Tiere maximal sieben Tage im Stall bei voller Zugänglichkeit aller Stallbereiche gehalten werden. Ab dem siebten Tag müssen die Tiere von 13 Uhr bis Sonnenuntergang Zugang zur Auslaufflächen haben. Mit dem Erreichen einer 50%igen Legeleistung an drei hintereinander folgenden Tagen muss der Herde ein ganztägiger Auslauf, also von 10 Uhr bis Sonnenuntergang gewährleisten werden.

Pflegemaßnahmen im Stallnahbereich beschränken sich in der Regel auf das Kalken der Ausläufe, um den Hygienestand zu erhöhen. Der Austausch der oftmals mit Nährstoffen überversorgten Erde im nahen Stallbereich findet in der Regel nicht statt. Einige Betriebe pflegen durch den Einsatz von Hackschnitzel oder reinem Sand diesen Bereich, um Kraterlandschaften zu vermeiden. Im Hinblick auf die PCB- und Dioxinproblematik sollte jedes Einbringen von Schotter, Bauschutt, Recyclingholzschredder, anderen Recyclingmaterialien o.ä. in den Auslauf vermieden werden. Das Versiegeln dieser Flächen durch Beton ist nicht gestattet, da der Bereich nicht mehr scharrfähig wäre. Eine leichte Bodenbearbeitung wie das regelmäßige Grubbern dieses unmittelbaren Stallnahbereiches ist sinnvoll, um tiefe Löcher, die sich anschließend mit Wasser füllen, zu vermeiden. Grundsätzlich gilt auch hier, durch eine möglichst gleichmäßige Nutzung der Ausläufe eine Überlastung der stallnahen Bereiche zu vermeiden und auch hier eine stabilere Begrünung zu erreichen.

Fazit

Damit die Legehennen den Auslauf vollständig nutzen, ist in einigen Legehennenbetrieben noch Arbeit zu leisten. Im Hinblick auf zukünftige Kontrollen sollte sich der Landwirt insbesondere in der ökologischen Legehennenhaltung bereits bei der Umstellung bzw. Planung der Auslauffläche Gedanken um eine gute Strukturierung machen. Betriebe, die offensichtlich alles gegen eine gleichmäßige Nutzung des Auslaufes durch die Tiere tun, müssen mit einer Aberkennung des Status und die daraus resultierenden Folgen rechnen.

Bereits zur ersten Belegung müssen Ausläufe so strukturiert sein, dass sie den Ansprüchen genügen können. Die Kosten für einen gut strukturierten Auslauf sollten in der gesamten Planung von vorneherein berücksichtigt werden. Nicht zuletzt trägt nur ein gut gestalteter und gleichmäßig genutzter Hühnerauslauf auch zu einer positiven Außenwirkung der Legehennenhaltung bei.
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