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Geflügel

Die Brüterei im eigenen Stall

von , am
26.11.2013

Klaas Knol ist Niederländer und hauptberuflich Futtermittelberater im Geflügelbereich in Emlichheim, Grafschaft Bentheim. Wie er zu einer eigenen Brüterei kam, lesen Sie hier.

Schon kurz nach dem Schlüpfen finden die Küken auf dem Boden des Aufzuchtstalles Futter und Wasser. © Bach
Knol war schon immer experimentierfreudig, probiert gerne mal etwas nicht Übliches aus, geht neue Wege. Das hat er jetzt - gründlich - in der Hähnchenmast getan. Er baute nicht nur Mastställe, sondern auch einen Extra-Aufzuchtstall mit dazugehöriger eigener Brüterei für den "Nachschub".
 
Montagmorgen im Kükenstall mit Klaas Knol: Es herrscht subtropisches Klima. 35° C und 48 % Luftfeuchtigkeit sorgen dafür, dass der Schweiß nur so rinnt. Aber für die Bruteier, die hier auf Bruthorden liegen, ist es genau das richtige Klima. Und auch für die Küken, die heute schlüpfen. Überall im 125 x 20 m großen Stall herrscht geschäftiges Treiben, wuseln schon kleine, gelbe Wollknäule herum. Es dauert nämlich nur wenige Stunden, bis der Schlupf vorbei ist und etwa 110.000 Küken den Stall bevölkern. Hier bleiben sie zehn Tage, danach erst geht es in die Mastställe nebenan.

Geschlossenes System

"Optimum Vita - der neue Weg" so nennt Knol sein Konzept für eine Hähnchenmast im geschlossenen System. Zusammen mit Rindviehhalter Gerhard Reinink hat er die Anlage mit 110.000 Schlüpf-/Aufzucht- und 220.000 Mastplätzen errichtet. Brut und Schlupf am gleichen Standort wie die Mast: "Das ist etwas ganz Neues, bietet die Chance auf eine höhere Rendite, erfordert aber auch ein sehr, sehr konsequentes Hygienemanagement", erzählt der Hähnchenmäster.

Im Kükenstall werden die Eier auf Bruthorden aus Kunststoff gelegt, die auf von der Decke herabhängenden Gestellen befestigt sind. Von den Horden springen die Küken nach dem Schlupf 40 cm in die Tiefe auf den mit Hobelspänen eingestreuten Boden. Hier finden sie sofort Futter und Wasser.

Dieser Aufzuchtstall benötigt viel Wärme, den größten Teil liefert die Fußbodenheizung. An den Stalltoren sorgen zusätzliche Warmwasserkonvektoren für eine gleichmäßige Wärmeverteilung. "Schon geringe Temperaturunterschiede können zu einem ungleichmäßigen Schlupf führen", so Knol.

Seit dem ersten Durchgang vor einem halben Jahr musste er viel probieren beim Stallklima: "Wir haben keine Bücher, in denen wir nachlesen können", erzählt er. Viel Zeit und auch viel Geld hat er in seine Idee investiert. Bei allem Engagement ist ihm eine Punkt wichtig: "Das hier ist kein Hobby, ich will die Rendite in der Hähnchenmast verbessern". Die wirtschaftlichen Vorteile des geschlossenen Systems resultieren vor allem aus zwei Faktoren: Die Fläche in den Mastställen wird besser genutzt und der Energieverbrauch ist gegenüber herkömmlichen Hähnchenställen deutlich geringer. Weil die Küken die ersten zehn Tage im Aufzuchtstall gehalten werden, sind in jedem Maststall mehr als zehn Durchgänge pro Jahr möglich.

Weniger Energie nötig

Die Wärme für die Fußbodenheizung liefert ein Biogas-Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 360 kW. „Weil die Ställe fast ohne Unterbrechungen in Betrieb sind, kann die Temperatur beinahe das ganze Jahr bei 30 bis 35° C gehalten werden. Beim Ausmisten und Reinigen der Ställe speichern die dicken Betonsohlen einen großen Teil der Wärme.

"Der Stall muss nach einem Leerstand nicht komplett neu aufgeheizt werden", erklärt der Hähnchenmäster. Die zehn Tage alten Tiere, die in den Mastbereich wechseln, haben dann auch nicht mehr die hohen Temperaturbedürfnisse wie Eintagsküken. Während der Mast würden die Hähnchen sogar zu Energielieferanten. "Die Tiere geben Körperwärme an das Heizsystem im Boden ab", berichtet Knol. Über ein Leitungssystem werde diese Wärme abgeführt und zum Beheizen des Kükenstalles genutzt. Eine LED-Beleuchtung sorgt für niedrige Stromkosten.

Hohe Anforderungen stellt das System an das Gesundheitsmanagement. "Wir haben das ganze Jahr Tiere im Betrieb, deshalb müssen wir alles tun, um ein Einschleppen von Krankheitserregern zu verhindern", betont der Betriebsleiter. Die Mitarbeiter betreten die Ställe über Hygieneschleusen, in denen sie duschen und die betriebseigene Arbeitskleidung anziehen, die auch vor Ort gewaschen wird.

Hygiene oberstes Gebot

Die täglichen Arbeiten werden zunächst in den hochsensiblen Brut- und Schlupfbereichen erledigt, erst danach betreten die Mitarbeiter die Mastställe. Auch den Vorfang sollen in Zukunft die eigenen Mitarbeiter und Maschinen erledigen. Die Gefahr, dass Fangkolonnen Keime mitbringen könnten, will Knol ausschließen. Um das System zu vervollständigen, plant Knol in Ostdeutschland den Aufbau eines eigenen Elterntierbestandes, der die Eier liefert.

Nach zehn kompletten Mastdurchgängen ist er mit der Gesundheit seines Bestandes zufrieden. Am siebten Tag halten die Küken eine ND-Impfung, am 16. Tag folgt eine Gumboro-Impfung. Auf eine IB-Impfung wird bisher verzichtet. "Als Berater bin ich absolut für eine IB-Impfung", meint Knol dazu. Doch in seinem Bestand sei bisher keine infektiöse Bronchitis aufgetreten. Der gute Gesundheitsstatus helfe, den Antibiotikaeinsatz gering zu halten. Treten Probleme auf, werde in Absprache mit einem Tierarzt schnell reagiert.

Wenn alle Küken geschlüpft sind, werden die Horden von den Gestellen genommen und gereinigt. Die an Stahlseilen aufgehängten Gestelle werden nach oben unter die Decke gezogen. Nach zehn Tagen fahren die Tiere auf einem auf dem Boden liegenden Band in den benachbarten Maststall. Damit sie nicht auskühlen, ist auch der kurze Weg im Freien mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Mobile Tunnelelemente sorgen dafür, dass die Tiere vor der Witterung geschützt sind und nicht davonlaufen. Ein kleiner, mit Rollen versehener Zaun im Kükenstall schiebt die Tiere vorsichtig Richtung Förderband.

Wertschöpfung erhöhen

Mit der Entwicklung der jungen Tiere ist er bisher sehr zufrieden. "Wir müssen nach dem Wechsel in den Mastbereich eher darauf achten, dass die Tiere nicht zu schnell wachsen", hat Knol festgestellt. Reguliert werde die Futteraufnahme durch das Lichtmanagement im Stall. Die 110.000 Küken verteilen die Mitarbeiter auf die zwei gleich großen Mastställe.
Die Aufteilung der Tiere in zwei Gruppen bietet auch die Möglichkeit für Versuche zum Futter oder zur Einstreu. Das gesamte Konzept der Hähnchenmast im geschlossenen System wird zudem in einer Doktorarbeit durchleuchtet.  Mittelfristig hofft Knol, weitere Hähnchenmäster von seinem "neuen Weg" zu überzeugen.  

Interessant sei das System für Betriebsleiter, die ihr Einkommen durch eine Optimierung der Produktion und eine höhere Wertschöpfung steigern wollen. Vor allem für Betriebe, die aus emissionsrechtlichen Gründen nur noch begrenzte Wachstumsperspektiven haben, sei es ein interessantes Angebot, findet der niederländische Pionier.
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