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Cloppenburg

Digitalisierung im Schweinestall: Sensible Daten sensibel behandeln

Sauenhalter Christoph Fröhle in seinem Pachtstall.
am Montag, 05.11.2018 - 10:56

Die Digitalisierung bietet Sauenhalter Christoph Fröhle aus Benstrup (Cloppenburg) viele Vorteile im Alltag. Aber er fordert Vorsicht bei sensiblen Daten.

Der Begriff "Landwirtschaft 4.0" ist momentan ein absolutes Schlagwort. Für Sauenhalter Christoph Fröhle aus Benstrup im Kreis Cloppenburg ist sie nur ein weiterer Schritt digitaler Prozesse, die in seinem Stall schon mit dem ersten Fütterungscomputer vor einiger Zeit Einzug erhalten haben.

Dazu gehört auch die Nutzung von Nachrichtendiensten: Der 29-jährige Landwirt hält die Nutzung von WhatsApp für die Kommunikation mit seinen beiden Mitarbeitern für eine wesentliche Erleichterung. Sein gepachteter Sauenstall für 560 Sauen ist 25 km vom Hof entfernt. "Brauchen wir ein Ersatzteil im Stall, machen sie ein Foto und ich kann es bestellen", erzählt Fröhle, der den Betrieb zusammen mit seinen Eltern führt.

Fütterung und Lüftung von Zuhause überwachen

Auch wegen der großen Entfernung zum Sauenstall kann er Fütterung und Lüftung von Zuhause überwachen.  "Leider gibt es öfter mal Probleme mit der Internet-Verbindung", berichtet der junge Landwirt.

Nicht verstehen kann er, dass im Ort derzeit Glasfaserleitungen verlegt werden, dabei aber einige Haushalte nicht einbezogen werden. Hier dürfte es seiner Meinung nach nur eine Gleichbehandlung geben.

Intensives Controlling für erfolgreiche Ferkelproduktion

Für eine erfolgreiche Ferkelproduktion ist ein intensives Controlling unverzichtbar, sagt Fröhle. Bei ihm sind alle Sauen gechipt. Im Stall werden mit einem Handgerät Daten zu den einzelnen Sauen ausgelesen oder eingegeben. Dafür mussten dort vier Router installiert werden.

Bei der Besamung wird der Sau über den Barcode der Besamungstube zum Beispiel die Ebernummer zugeordnet. „Die Besamungsstation arbeitet derzeit daran, dass nicht nur die mehrstellige Nummer eingelesen wird, sondern auch der Name des Ebers: "Das wäre zum Vergleichen der Listen deutlich einfacher", sagt Fröhle.

Welche Daten braucht man wirklich?

Im Betrieb Fröhle wird etwa zur Fütterungskontrolle die Rückenspeckdicke der Sauen gemessen oder bei den Besamungsebern sollen künftig Anomalien mit erfasst werden. Jede Woche bekommt Fröhle einen Bericht mit allen gewünschten Auswertungen, vierteljährlich gibt es einen Vergleich mit anderen Nutzern des Managementsystems. "Da kann man sich dann leistungsmäßig schon gut einordnen", erzählt er.

Bei der Ferkelaufzucht werden die Ein- und Ausstallgewichte erfasst und die Futtermengen. "Das ist es auch schon", sagt der Landwirt.Seines Erachtens reicht das aus: "Man kann fast alles erfassen. Die Frage ist, welche Daten wirklich nützen." Das müsse man genau überlegen, denn auch das Auswerten koste Zeit und Geld.

Transparenz ja, aber Datenhoheit bleibt auf den Betrieben

Gedanken macht sich Fröhle zur Weitergabe betrieblicher Daten. "Ich hätte überhaupt nichts dagegen, dass der Kunde auf der Kotelett-Packung sehen kann, dass das Fleisch von unserem Betrieb kommt und dass der Verbraucher auch andere Infos über den Betrieb erhalten könnte." Das ist Transparenz, die er gut und wichtig findet.

Kritisch sieht er das bei "sensiblen" Betriebsdaten wie zum Beispiel dem Medikamenteneinsatz: "Es gibt eben auch Daten, die erklärungsbedürftig sind oder eine fachliche Bewertung brauchen." Die Datenhoheit solle dort bleiben, wo die Daten erhoben werden, also auf dem Betrieb.

Mehr zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft lesen Sie in unserem Thema der Woche in der LAND & Forst Ausgabe 44/18.

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