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Nährstoffreduzierung

Sauenhaltung: Beim Tragendfutter gibt es noch Einsparpotenzial

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Das Futter für tragende Sauen bietet flächenarmen Betrieben Ansätze, Stickstoff und Phosphor zu reduzieren.Foto: agrar-pressAuch im Sauenfutter können fehlende essenzielle Aminosäuren ergänzt werden durch freie Aminosäuren. So sind in Tragendfuttern fast reine Getreidemischungen möglich, auf Sojaschrot kann ggf. verzichtet werden. © agrar-press
von am
16.04.2018

Eigenmischende Sauenhalter mit wenig Fläche sollten genauso wie Schweinemäster ihre Möglichkeiten prüfen, beim Futter Stickstoff und Phosphor zu sparen. Das hilft, Nährstoffüberschüsse zu vermeiden.

  • In der Sauenfütterung bietet das Tragendfutter vielfach noch Potenzial zur Absenkung des N- und P-Gehaltes.
  • Beim Laktationsfutter ist dies weniger der Fall.
  • Für ein sehr stark N- und P-reduziertes Tragendfutter lassen sich leistungsgerechte und bedarfsdeckende Mischungen mit10,5 % Rohprotein und 0,30 % Brutto-P ermitteln.
  • Weil das Risiko von Versorgungsdefiziten zunimmt, ist ein gutes Fütterungscontrolling notwendig.
  • Eine darüber hinausgehende N- und P-Reduzierung wird schwierig und riskant, ungewöhnliche Futterkomponenten werden unausweichlich und erhöhen das Versorgungsrisiko.
  • Es sollten immer betriebsindividuelle Mischungen mit eigenen Rohstoffgehalten etc. gerechnet werden.
  • Geänderte Preise, eingeschränkte Futterverfügbarkeiten und -verwendbarkeiten können zu anderen Optimierungsergebnissen führen.

Die Fütterung in der Trächtigkeit bietet noch Potenzial

Hochwertige Fütterungskonzepte haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, die Leistungen von Sauenherden deutlich zu steigern. Kein Wunder also, dass Selbstmischer davor zurückschrecken, ihre bewährten Fütterungskonzepte abzuändern. Es darf in Zeiten geringer Margen kein Leistungseinbruch riskiert werden. Oberstes Gebot einer N- und P-reduzierten Sauenfütterung ist deshalb, dass es keine verringerten Leistungen geben darf. Doch es gibt auch beim Sauenfutter Potenzial.

Die noch vereinzelt praktizierte einphasige Sauenfütterung bietet allein durch eine Umstellung auf eine zweiphasige Fütterung die Chance, nährstoffeffizienter zu füttern. Tragende Sauen benötigen 25 bzw. 40 % geringere Rohprotein- und Phosphorgehalte als laktierende Sauen. Vom gesamten Sauenfutterverbrauch pro Jahr sind 60 bis 65 % Trächtigkeitsfutter. Die Fütterung in der Trächtigkeit bietet somit die größten Möglichkeiten, Protein- und Phosphorgehalte zu reduzieren.

Nur noch wenig Proteinträger erforderlich

Die DLG-Versorgungsempfehlungen schlagen 0,35 g pcv-Lysin je MJ ME vor. Bei einem Energiegehalt von etwa 12,2 MJ ME/kg lufttrockenem Futter für tragende Sauen kann die Aminosäurenlücke von Getreidemischungen durch freie Aminosäuren geschlossen werden. So werden nur noch kleine Anteile von Proteinträgern in den Mischungen benötigt. Je mehr sich im Tragendfutter der Proteingehalt 12 % nähert oder gar darunter geht, desto wichtiger ist die Ergänzung mit freien Aminosäuren.
© Mühlhausen/landpixel

Dabei sind nicht nur die ersten vier, sondern alle acht essenziellen Aminosäuren zu beachten. Es muss das Verhältnis zur erstlimitierenden Aminosäure Lysin stimmen.
Wichtig ist dabei, diese Verhältnisse für die Mengen praecaecal verdaulicher (pcv) Aminosäuren zu bewerten. Tragendfutter mit der Hauptkomponente Getreide bietet den Sauen dann ausreichend essenzielle Aminosäuren für Selbsterhaltung, Konditionsaufbau und in der Hochträchtigkeit auch für die Fötusentwicklung.

Wirksame Phytase ein Muss bei P-Reduzierung

Mit einem Bedarf von nur 2,0 g verdaulichem Phosphor (vP) je kg Alleinfutter für tragende Sauen gibt es auch Spielräume, den Bruttophosphorgehalt zu minimieren. Durch das Zusetzen einer wirksamen Phytase lässt sich der Aufschluss des im Phytin der Getreidekörner eingebundenen Phosphors deutlich verbessern. Bis zu 70 % des Phytinphosphors kann eine geeignete Phytase-Zumischung freisetzen. Somit gehört Phytase zu einem P-reduzierten Fütterungskonzept und erlaubt es, den Brutto-P-(bP)Gehalt bis auf 0,3 % abzusenken. Wir haben dann eine fast reine Getreide plus Faserträger-Mischung mit Mikrokomponenten. 0,35 % Brutto-P sind leichter realisierbar und möglicherweise kostengünstiger. Mit 0,35 % Brutto-P kann ein Tragendfutter noch als sehr stark P-reduziertes Futter eingeordnet werden.

Vorsicht mit N und P beim Laktationsfutter

Die Mischungen der Tabelle sind Optimierungsergebnisse eines Fütterungsprogrammes. Es wurden Erzeugerpreise für Getreide und Zukauf-Einzelfuttermittel aus der LAND & Forst 12/2018 zugrunde gelegt. Bei den freien Aminosäuren und anderen Mikrokomponenten wurden für alle Varianten konstante Preisannahmen getroffen. Es sind bei den Preisen nur die Rohstoffkosten berücksichtigt. Mikrokomponenten werden in der Praxis zu betriebsindividuellen Mineralfuttern oder Ergänzungsfuttermitteln zusammengefasst. In allen Mischungen wurde ein Energiegehalt von 12,2 MJ ME/kg, mit 0,35 g pcv-Lysin je MJ ME eingehalten.
 


Um eine gesunde Darmflora und das Wohlbefinden der Tiere zu unterstützen, enthalten alle Mischungen ausreichend Struktur und mikrobielle Nährsubstrate (mindestens 200 g NDF, weniger als 81 g ADF). Die Gehalte der acht essenziellen Aminosäuren liegen in allen Mischungen über DLG-Vorgaben. Je mehr der Rohprotein- und Brutto-P-Gehalt abgesenkt wird, umso mehr erhalten auch ungewöhnliche Komponenten wie Roggen, Hafer, Grünmehl oder Strohpellets eine höhere Vorzüglichkeit oder sind unverzichtbar. Weizenkleie ist in den stark abgesenkten Mischungen für tragende Sauen nicht mehr zu finden.

Hohe Nährstoffzufuhr in der Hochleistungsphase

Die Laktation ist für die Sau physiologisch eine Hochleistungsphase. Heute sind bei Ferkelbeifütterung Tageszunahmen des Wurfes von 2,5 bis über 3 kg möglich. Dafür brauchen die Sauen in der Säugezeit eine sehr hohe Nährstoffzufuhr. Sonst schmilzt der Körper der Sau zu viel an Körpersubstanz ein. Ein Lebendmasseverlust von 20 kg sollte möglichst nicht weit überschritten werden. Eine Rohproteinverminderung im Laktationsfutter und auch eine Reduzierung des Brutto-P-Gehaltes darf sich nicht ungünstig auf die Milchleistung und damit auf die Ferkelentwicklung auswirken. Dann liefen hohe Nährstoffeffizienz und Wirtschaftlichkeit konträr.

Eine Einschränkung des Rohproteingehaltes auf maximal 16 % im Alleinfutter für laktierende Sauen bedeutet bereits erhöhte Risiken, dass nachrangig essenzielle Aminosäuren wie Isoleucin, Leucin oder Histidin zum leistungsbegrenzenden Minimumfaktor werden. Die Verhältnisse des idealen Proteins für säugende Sauen können nur teilweise mit freien Aminosäuren abgedeckt werden, weil es nicht zu allen acht essenziellen Aminosäuren zugelassene Zusatzstoffprodukte auf dem Markt gibt.

Optimierungsprogramm als Kontrollinstrument

Auch die Verringerung der Brutto-P-Versorgung unter das Niveau einer stark P-reduzierten Fütterung (0,50 % Brutto-P) ist nur eingeschränkt machbar und mit tendenziell höheren Mischfutter-Rohstoffkosten verbunden. Eine ermittelte Mischung mit 15,5 % Rohprotein und 0,42 % Brutto-P kann bei 13,2 MJ ME und 0,61 g pcv-Lysin/kg Futter den Bedarf an den acht essenziellen Aminosäuren decken. Solche Mischungen sind aber schon grenzwertig und mit höheren Versorgungsrisiken verbunden.

  • Mit einem Mischfutteroptimierungsprogramm können Eigenmischer ökonomisch günstige Kombinationen von Einzelfuttermitteln ermitteln.
  • Enthalten sein sollten möglichst betrieblich individuelle Informationen zu den Inhaltsstoffen und Preisen. So kann für eine einzelbetriebliche Produktions- und bestimmte Marktsituation ermittelt werden, ob etwa das selbst erzeugte Getreide für die Veredelung im eigenen Schweinebestand ökonomisch vorzüglich ist und welche Ergänzung benötigt wird.
  • Auch Preise müssen eingepflegt werden. Dann lässt sich transparent machen, welche ökonomischen Auswirkungen die Lenkung der Optimierung in eine gewünschte Richtung hat.
  • Somit können Futtermischungen ermittelt werden, die zugleich leistungsorientiert und nährstoffreduziert sind. Ein Vergleich mit den ökonomisch optimalen Lösungen erlaubt es, Vor- oder Nachteile der gewählten Fütterungsstrategie zu ermitteln. So besteht die Möglichkeit, dass kritische und wertvolle Ressourcen wie Stickstoff und Phosphor nicht unnötig verbraucht werden.
  • Ein Mischfutteroptimierungsprogramm ist, vor allem im flächenarmen Betrieb mit Nährstofffabgabe, somit ein unternehmerisches Planungs- und Controlling-Werkzeug.
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