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Geflügel

Einstieg in die Bruteierproduktion

von , am
18.06.2014

Familie Ostermeier in Wennigsen/Deister bewirtschaften einen Ackerbaubetrieb. Seit März dieses Jahres sind sie als Neulinge in die Bruteierproduktion eingestiegen. Wir berichten, wie es dazu kam.

Die Photovoltaik-Anlage versorgt die beiden Ställe der Familie Ostermeier in Wennigsen mit Strom. © Ostermeier

Für Sohn Niklas war es immer klar, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Dazu gehören 115 ha Ackerfläche mit Zuckerrüben, Weizen und Raps plus 95 ha, die vom Betrieb per Bewirtschaftungsvertrag komplett mit bewirtschaftet werden. "Aber da wir hier in einer Ackerbauregion sind, ist es kaum möglich, Fläche dazuzubekommen. Die Pacht- und Kaufpreise sind sehr stark gestiegen, das Angebot ist begrenzt", ergänzt der 19-jährige Niklas, der im Sommer dieses Jahres seine landwirtschaftliche Lehre beenden wird. "Also brauchten wir ein zweites Standbein", erklärte Friedrich-Wilhelm Ostermeier. 1998 war der letzte Mastbulle vom Hof gegangen, seitdem wurde auf dem Betrieb viehlos gewirtschaftet.

Alternative gesucht

Viele Ideen wurden diskutiert und wieder verworfen. Aber die Bruteierproduktion hat sie dann überzeugt. "Mit einer Elterntierherde Bruteier für die spätere Hähnchenmast zu erzeugen, das konnten wir uns alle vorstellen", sagte Martina Ostermeier. Die Vorbereitungs- und vor allem die Bauphase hat für die gesamte Familie viel Arbeit bedeutet. Damit es sich wirtschaftlich lohnt, wurden zwei Ställe à 13.000 Tiere geplant, und ein Vertragspartner für die Lieferung der Jungtiere und die Abnahme für die Bruteier musste gefunden werden. "Dabei haben wir vor allem Wert auf eine gute Betreuung gelegt", sagte Ostermeier, "da wir ja absolute Neulinge in der Geflügelhaltung sind".

Im Juli 2013 gründeten Vater und Sohn eine GbR und im August war Baubeginn. "Die erwarteten Proteste gegen den Stall hielten sich sehr in Grenzen", erzählt Ostermeier, "auch am Tag der offenen Tür waren viele interessierte Nachbarn da, aber Proteste gab es kaum." Der Stall läge weit genug vom Wohngebiet entfernt, belästigt durch Geruch würde da niemand, stellt er klar. Wichtig ist ihm die Feststellung, dass die Tiere bis heute, in ihrer 30.  Lebenswoche, weder im Aufzuchtbetrieb noch bei ihm Antibiotika erhalten haben.

Die beiden Ställe sind jeweils 85 m x 25 m groß und mit Sägespänen eingestreut. Die zwei Reihen doppelseitige Legenester pro Stall sind auf ca. 80 m Länge mittig in jeder Hälfte angeordnet. Die Futterbahnen hängen für die männlichen Tiere höher, so kommen die Hennen nicht ans Futter der Hähne; die Trennungen bei den Hennenbahnen sind enger, so können sich die Hähne dort nicht bedienen. Da die Elterntiere das genetische Potenzial der Mastrassen haben, müssen sie restriktiv gefüttert werden.

Am 27. März, erinnert sich die Familie, wurde der Stall zum ersten Mal belegt. "Die Tiere waren 20 Wochen alt", erzählt Niklas, "sie wurden ausgeladen, geimpft und in den Stall gebracht, männliche und weibliche im Verhältnis 1 : 11, sieben Tiere pro Quadratmeter." Mit 12 Mann rückte der Vertragspartner an, nach einem halben Tag war alles geschafft. Seit diesem Tag gelten strenge Hygienemaßnahmen: Wer in den Stall geht, und sei es auch nur bis zum Büro, muss vorher duschen und stalleigene Kleidung anziehen, sonst geht nichts. Das Risiko, Infektionen in die Elterntierherde und von dort in die Brüterei zu verschleppen, wäre einfach zu groß.

Pünktlich zu Ostern

Drei Wochen dauert es etwa, bis die ersten Eier gelegt wurden, pünktlich zu Ostern. Die waren aber noch sehr klein, erklärt Ostermeier, erst im Laufe der Wochen nimmt der Anteil an den Bruteiern zu. Die Bruteier sollen ein Gewicht von 50  bis 69 g haben, darunter wären die Küken zu klein, bei den schweren handelt es sich meist um Doppeldottereier. Diesen Unterschied zu erkennen, mussten die "Anfänger in Bruteierproduktion" im Laufe der Zeit lernen und dafür viele Eier aufschlagen. Ziel ist ein Anteil von 79  bis 81 % geschlüpfter Küken bezogen auf die gelieferten Bruteier, darunter gibt es Abzüge, darüber Zuschläge.

Morgens werden zuerst die Ställe und Tiere kontrolliert, die verlegten Eier eingesammelt, die Legenester, Futter- und Wasserlinien überprüft, bevor es ans Eiersortieren geht. Jeden Mittwoch werden Tiere gewogen, um deren Entwicklung zu dokumentieren und die Fütterung entsprechend anzupassen. Die Eier werden über die Förderbänder von den Nestern zum Querförderband und dann zur Eiersortiermaschine im Vorraum transportiert. Dort werden Brut- und Industrieeier sortiert und auf Paletten in den Kühlraum gebracht. Ein- bis zweimal pro Woche werden sie von der Brüterei abgeholt.

Große Herausforderung

Seit zehn Wochen produzieren Ostermeiers jetzt Bruteier, ihr Fazit? Die erste Zeit war sehr anstrengend. Während die Tierbetreuung schnell sehr gut lief, hätte die Technik viel Nerven gekostet. Immer wieder gab der Computer Alarmmeldungen. Mal war es der Rauchmelder, obwohl es bei der Baukonstruk-tion und den Sicherheitsmaßnahmen gar nicht brennen kann, mal machte die Fütterung Probleme, weil eine Förderkette kaputt war. "Es waren immer nur Kleinigkeiten, die aber viel Zeit und Nerven gekostet haben. "Obwohl ein Techniker alles vom Rechner bis zur Alarmmeldung erklärt hat, es dauerte seine Zeit, bis man sich so richtig reingefuchst hat", fasst Ostermeier zusammen, "noch ist jeder Tag eine Herausforderung, aber die Arbeit macht Spaß!"

Auch der im Vergleich zu anderen Produktionszweigen deutlich höhere Dokumentationsaufwand hat Ostermeiers überrascht. Niklas hat die Entscheidung ebenfalls nicht bereut. Nach der Lehre will er noch die Ausbildung zum staatlich geprüften Landwirt machen, dann steigt er Vollzeit in die GbR ein. Mittlerweile sind ihre ersten Küken in der Brüterei geschlüpft, auf das Ergebnis sind Ostermeiers gespannt.
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