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Rind

Das erste Kalb schon mit zwei Jahren?

von , am
22.10.2013

Färsen sollten in einem Alter von 24 bis 27 Monaten zum ersten Mal abkalben. Durch eine Reduzierung des Erstkalbealters (EKA) von nur einem Monat können rund 65 € pro Tier eingespart werden.

Bei Kühen wird immer wieder über das optimale Erstkalbealter diskutiert. © Ahlers
Auswertungen aus Rheinland-Pfalz haben ergeben, dass dort das EKA von Holstein-Schwarzbunt Kühen bei 29,1 Monaten liegt. Bei Aufzuchtkosten von rund 1.700 € bis 2.000 € ergibt sich daraus ein monatlicher Aufwand in Höhe von 65 € pro Färse. Jeder Monat Absenkung des EKA bedeutet eine Reduzierung der Aufzuchtkosten um diese 65 €.
Das EKA als alleiniges Kriterium für die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung her-anzuziehen, macht allerdings keinen Sinn. Vielmehr muss herausgefunden werden, welchen Effekt das EKA auf die Leistungsparameter Nutzungsdauer, Lebensleistung, Lebenseffektivität und Persistenz hat, um dann einen Kompromiss zwischen den Aufzuchtkosten und der späteren Leistungsfähigkeit der Milchkühe zu finden. Zahlreiche Auswertungen haben ergeben, dass Tiere mit einem EKA zwischen 24 und 27 Monaten die höchsten Leistungsergebnisse erzielen und auch eine höhere Nutzungsdauer erreichen.
 
Voraussetzung dafür ist ein Lebendgewicht der Tiere von mehr als 550 kg nach der ersten Kalbung. Kühe, die bei der ersten Kalbung älter als 27 Monate sind, zeigen ungünstige Leistungsergebnisse, und zwar unabhängig vom Gewicht nach der Kalbung. Kühe, die vor dem 24. Lebensmonat abkalben, weisen trotz intensiver Aufzucht ebenfalls eine geringere Lebensleistung auf. Bei diesen Tieren können die eingesparten Aufzuchtkosten das Erlösdefizit kompensieren.

Bedenklich stimmt  folgende Zahl aus Rheinland-Pfalz: Dort sind 38,3 % aller Kühe sind bei ihrer Erstabkalbung älter als 30 Monate. Konkret bedeutet dies, dass sich die Aufzucht dieser Tiere um 65 € pro Tier und Aufzuchtmonat verteuerte. Noch nicht berücksichtigt sind dabei die geringeren Leistungen in den Merkmalen Nutzungsdauer, Lebensleistung, Lebenseffektivität und Persistenz.

Aus den Erhebungen geht auch hervor, dass Tiere mit einem Erstkalbealter von 32 bis 33 Monaten die höchste Nutzungsdauer aufweisen. Andererseits liegt die Nutzungsdauer der erheblich jüngeren Tiere (EKA 24 bis 25 Monate) nur knapp drei Monate darunter, wohingegen die um acht Monate kürzere Aufzuchtdauer dieser Gruppe immerhin geringere Aufzuchtkosten von über 500 € pro Färse bedeutet.

Tiere mit der höchsten Nutzungsdauer (EKA 32 bis 33 Monate) haben eine um rund 600 kg niedrigere Lebensleistung als die EKA-Klasse 24 bis 25 Monate. Offensichtlich werden die höheren Aufzuchtkosten von 520 € also nicht durch eine höhere Milchleistung kompensiert. Die geringere Milchleistung hat zusätzlich negative Auswirkungen.
Untersucht wurde auch, wie das Erstkalbealter sich auf die Lebenseffektivität auswirkt. Auch hier ist zu sehen, dass die älteren Tiere klar den jüngeren unterlegen sind.                
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