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Schwein

Ein etwas anderes Fütterungsregime

von , am
14.05.2014

Stefan Roling ist Sauenhalter im Emsland. Er arbeitet mit einem etwas anderen Fütterungsregime als viele Berufskollegen. Er setzt im Abferkelstall auf eine Ad-libitum-Fütterung und ist sehr zufrieden.

Die untere Tränke kann die Sau auch im Liegen erreichen. © Diekmann-Lennartz
 
Stefan Roling muss sich in der Abferkelbucht etwas den Arm "verrenken", um mit der Hand einmal in den Spalt zwischen Fallrohr und Boden des Futtertroges zu gehen. So kann er feststellen, ob Futter nachlaufen kann und der schmale Spalt nicht verstopft ist. Diese kleine Unbequemlichkeit nimmt er gern in Kauf: Von seiner selbst kreierten, eigentlich sehr einfachen Fütterungstechnik im Abferkelstall ist er auch drei Jahre nach Inbetriebnahme noch ebenso überzeugt wie von der Strategie, die säugenden Sauen ad-libitum zu füttern.

Hohe Absetzgewichte, gleichmäßige Ferkel, kurze Absetz-Beleg-Intervalle und geringe Substanzverluste während der Säugezeit, zählt er die Punkte auf, die in seinen Augen eindeutig für diese Strategie sprechen. "Es geht dabei aber nicht nur um die Sattfütterung im Abferkelstall, die gesamte Sauenhaltung muss letztlich hierauf abgestimmt werden", macht er deutlich.

Roling hat sich seit Übernahme des elterlichen Betriebes mit ca. 70 ha landwirtschaftlicher Fläche auf die Ferkelerzeugung konzentriert, nach dem Neubau eines kompletten Sauenstalles 2011 hält er ca. 500 Tiere. Im Zuge dieser Stallplanung befasste er sich intensiv zusammen mit seinem Berater Heinrich Hellbrügge mit der Sattfütterung der säugenden Sauen und setzte dies dann auch von der Fütterungstechnik her im Stall um.

In erster Linie aus tiergesundheitlicher Sicht, aber auch aus Kostengründen, remontiert er seine Herde selbst. Die Zuchtarbeit im Betrieb erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Zuchtunternehmen.Roling arbeitet im versetzten Vier-Wochen-Rhythmus. Das passt, wie er sagt, auch für ihn gut in die betrieblichen Abläufe. Unterstützung hat er im Stall durch einen festen Angestellten, einen befristeten Mitarbeiter im Berufsbildungsgrundjahr sowie Aushilfen beim Absetzen und für die Stallreinigung/-desinfektion. Zudem lässt er die Besamungen von einer Fachkraft der Besamungsstation durchführen. Seine Ferkel gehen komplett an zwei feste Mäster in der näheren Umgebung. Bei ca. 100 Sauen pro Gruppe kann er um die 1.300 Ferkel pro Partie vermarkten - das macht ihn zum geschätzten Lieferanten für größere Mastbetriebe.

Die Aufzuchtplätze für die Ferkel sind in den Altgebäuden des Hofes untergebracht. Die künftigen Bestandssauen zur Eigenremontierung kommen direkt nach dem Absetzen in ein separates Flatdeck, die anschließende weitere Aufzucht findet in einem abgetrennten Abteil im neuen Sauenstall statt. Die Erstbesamung erfolgt mit ca. 248 Tagen, dann sollten die Sauen bereits zwei Zyklen durchlaufen haben, die Eingliederung erfolgt mit Unterstützung von Regumate.

13,2 Ferkel je Wurf

Das "andere" Fütterungsregime beginnt bereits bei den Jungsauen. "100 kg am 150. Lebenstag", nennt Roling die Zielgröße. Denn auch hier gibt es zu Beginn bis ca. 70 kg keine Futterrestriktion, das Futter hat 15,5 % RP mit 13,3 MJ ME. Ab ca. 100 kg wird ein NT-Futter mit 13,6 % RP und 13,0 MJ ME gegeben.

Während der Trächtigkeit werden die Sauen bis etwa zum 95. Tag "normal" rationiert gefüttert, sie erhalten - je nach Kondition - ca. 2,3 bis 2,5 kg NT-Futter. Ab dann wird die Futtermenge jedoch deutlich auf ca. 3,5 kg/Tag hochgezogen: "Die Konditionsfütterung bis zum 95. Tag ist dabei aber sehr wichtig, die Sauen dürfen zur Abferkelung nicht zu fett sein, aber magere Sauen haben wir auch nicht," weiß Roling aus Erfahrung.

Er setzt im Schnitt 13,2 Ferkel je Wurf ab und führt die guten Zahlen auch auf die gute Milchleistung seiner Sauen zurück - und Voraussetzung für eine hohe Milchleistung ist eben eine hohe Futteraufnahme. Eine dreimalige Fütterung sieht er diesbezüglich nicht als ausreichend an - zumal die Sauen sehr unterschiedlich fressen, gerade auch um den Geburtszeitpunkt herum: "Die Mengen variieren von Sau zu Sau, aber auch von Tag zu Tag sehr stark. Dem kann man nur durch eine Ad-libitum-Fütterung gerecht werden, wo die Sau selbst entscheiden kann, wann und wieviel sie fressen will", ist seine Auffassung. Das Futter hat 13,8 % RP und 13,4 MJ ME. Sauen nehmen laut Untersuchungen bis zu 13 kg Futter in den ersten 30 Stunden nach der Geburt auf: "Ein langsames Anfüttern ist überflüssig", sagt Roling denn auch.

In seinem Betrieb funktioniert das System, bei einem Geburtsgewicht von im Schnitt 1,5 kg erreichen die Ferkel mit im Schnitt 23 Tagen Säugezeit 7 kg. Er füttert jedoch auch Milch über Tassen zu und arbeitet mit Wurfausgleich. Abgesäugte Sauen finden sich in seinem Betrieb nicht, seiner Einschätzung nach kommen seine Sauen seit der Umstellung der Fütterung im Schnitt nach dem Absetzen fast einen Tag eher in die nächste Rausche. Mit nur 8 bis 9 % Umrauschern ist er zufrieden. Aus Untersuchungen ist bekannt, dass bei Sauen mit hohen Gewichtsverlusten in der Säugezeit die nachfolgende Fruchtbarkeit leidet. Gerade bei den hochfruchtbaren Sauengenetiken können die hohen Ferkelzahlen diesbezüglich zum "Problem" werden, wie Reinhard Feldhaus vom Futterlieferanten dazu erläutert.

Für den Abferkelstall hat Roling sich zusammen mit dem Stalleinrichter eine einfache Technik überlegt: eine Art "Bajonett-Rohr" aus zwei Teilen, der untere Teil hat einen größeren Durchmesser als der obere, das Rohr lässt sich  hochschieben. Es reicht bis fast auf den Trogboden.

Durch den schmalen Spalt fällt immer Futter nach in den Trog, wenn die Sau etwas wegfrisst. Da diese Technik nur ohne Wasser im Trog funktioniert, gibt es zwei Tränkestellen für die Sauen: eine Nippeltränke, die die Sau auch im Liegen erreichen kann, und eine Nippeltränke in Kopfhöhe mit ebenfalls erhöhter Durchflußmenge. So ist sichergestellt, dass die Sauen ihre benötigten großen Wassermengen auch bekommen.

Ruhe im Abferkelstall

Roling füttert sowohl bei den säugenden Sauen als auch im Wartestall ein rohproteinreduziertes Futter, bei dem die fünf freien Aminosäuren Lysin, Methionin, Threonin, Tryptophan und Valin über das Mineralfutter ergänzt werden. Durch die auf die Sattfütterung abgestimmte Zusammensetzung des Futters wird der Stoffwechsel der Sauen nicht unnötig belastet, so Feldhaus.

Beeindruckend und positiv ist für ihn wie auch für Roling immer wieder die enorme Ruhe im Abferkelstall, es gibt keine Unruhe, weil Futterzeit ist. Das kommt Sauen und Ferkeln zugute. Und da lassen sich die Sauen auch nicht stören, wenn er regelmäßig in ihrem Trog kontrolliert, ob Futter ad-libitum zur Verfügung steht.
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