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Schwein

Exportverluste durch Schweinepest

von , am
03.09.2014

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich stetig aus. Welche gravierenden Auswirkungen dies auf den Schweinefleischmarkt betroffener Länder haben kann, wird am Beispiel von Polen deutlich.

Mangelnde Biosicherheit und Bestandshygiene in Betrieben mit Hinterhoftierhaltung sowie der Kontakt zu Wildschweinen erhöhen das Risiko einer Infektion und Ausbreitung der Krankheit. © Fiedler

Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Institutes, Prof. Dr. Thomas Mettenleiter, warnte in einem Gespräch mit Agrar-Europe (AgE) vor einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest: Bei einer Einschleppung in deutsche Bestände stünden nur rigorose Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung, Impfstoffe werde es voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht geben, so AgE. Welche Auswirkungen hätte das Auftreten der ASP auf den Schweine- und Schweinefleischmarkt?

Als im Juli zum ersten Mal in Polen die Afrikanische Schweinepest offiziell bei Hausschweinen bestätigt wurde, zogen die polnischen Behörden mit der Einrichtung von Schutz- und Sicherheitszonen und dem vorsorglichen Töten von Haus- und Wildschweinen rasch Konsequenzen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu stoppen.

Was wäre wenn?

Deshalb rechnen die polnischen Behörden auch nicht mit einem erhöhten Risiko. Doch was, wenn sich die Afrikanische Schweinepest weiter ausbreitet? Theoretisch sind die mittelständischen Fleischverarbeitungsbetriebe in Polen vom ASP-Ausbruch nicht betroffen, vor allem dann nicht, wenn sie alle Produkte auf dem heimischen Markt verkaufen. Doch die, die sonst exportieren, drängen jetzt zwangsweise mit ihren Produkten auf den heimischen Markt. Im vergangenen Jahr exportierte Polen Agrarprodukte und Lebensmittel im Wert von rund 20 Milliarden Euro. Davon waren 10 % Schweinefleisch und Schweinefleischprodukte.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist jedoch der Export von Schweinefleisch bereits um 17 % zurückgegangen. Als Reaktion auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest Ende Januar 2014 in Litauen, verhängten Russland und die Länder der mit Russland verbundenen Eurasischen Zollunion ein Embargo für alle EU-Schweinefleischprodukte. Für Polen bedeutete dies die Schließung eines wichtigen Marktes. Denn die Länder der Eurasischen Zollunion waren im vergangenen Jahr mit mehr als 190 Millionen Euro die größten Abnehmer für polnisches Schweinefleisch.

Als Mitte Februar in Polen ebenfalls die Afrikanische Schweinepest, vorerst bei Wildschweinen, aufgetreten ist, wurde auch der asiatische Markt für polnisches Fleisch geschlossen. Das war ein herber Rückschlag für die polnische Wirtschaft, denn seit mehreren Jahren wurde der asiatische Markt erfolgreich erschlossen, im vergangenen Jahr hat China Schweinefleisch im Wert von rund 190 Millionen Euro abgenommen.

Starker Preisverfall

Infolge des Embargos und der großzügig ausgedehnten Pufferzone, aus der kein Fleisch verkauft werden darf, kam es in Polen sehr schnell zu einer Marktsättigung und zu einem rapiden Preisverfall für Schweinefleisch von bis zu 40 %. Hinzu kam, dass ebenfalls Container mit exportiertem Fleisch wieder nach Polen zurückgeholt werden mussten, weil das Fleisch nicht ins Ausland verkauft werden durfte. Doch die Produktion geht weiter und die Lagerhallen füllen sich.

Der polnische Landwirtschaftsminister hat sich bemüht, den ukrainischen Markt und die asiatischen Märkte wieder für polnisches Schweinefleisch zu öffnen. Für den ukrainischen Markt war dies formell gelungen, denn bereits im Juni wurde das Handelsverbot wieder aufgehoben. Jedoch wurden die polnischen Produkte mit so hohen Zöllen belegt, dass sich der Handel nicht rechnet. Aber trotzdem wurde das als großer Erfolg gewertet. Auch von den asiatischen Märkten in China, Japan und Korea kamen positive Signale. Doch nachdem die Tierseuche  erstmals bei Hausschweinen offiziell bestätigt wurde, änderte sich die Situation schlagartig.

Zölle statt Importverbot

Zwar verhängte die Ukraine  kein erneutes Embargo, aber dafür so hohe Zölle für polnisches Schweinefleisch, dass dies einem erneuten Importverbot gleichkam. Die Gespräche mit den asiatischen Ländern über eine Aufhebung des Embargos waren vorerst zum Erliegen gekommen. Exporte in Drittländer können erst wieder nach einem Jahr aufgenommen werden, vorausgesetzt, dass keine neuen Ausbrüche gemeldet werden.

Doch die Situation scheint nicht so schlecht zu sein. Die EU-Märkte sind für polnische Ware offen und die Ausfuhren dorthin nehmen stetig zu. Wenn es aber nicht gelingen wird, die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen, werden sich auch die EU-Märkte für Polen schließen. Und dann droht nicht nur den Fleischexporteuren, sondern der gesamten polnischen Fleischindustrie eine Tragödie.

Sollte die ASP weiter bis nach Deutschland vordringen, könnten die Auswirkungen hier ähnlich gravierend verlaufen, auch wenn lediglich ⅓ der deutschen Schweinefleischexporte in Drittländer gehen. Durch den russischen Importstopp ist schon jetzt ein wichtiger Han-delsweg versperrt. Im Fall eines ASP-Ausbruchs würden aber auch voraussichtlich asiatische Märkte, wie China, aktuell unser wichtigster Drittlandsmarkt, die Grenze schließen. Diese Ware würde dann auf den heimischen, bzw. EU-Markt drängen. 
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