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Kommentar

Frischer Wind für die Schweinehaltung?

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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
06.10.2016

Viele Schweineställe ließen sich für mehr Tierwohl umbauen. Die Umsetzung scheint aber oft schwierig, sagt LAND & Forst-Redakteurin Christa Diekmann-Lenartz.

Die bei Milchkühen üblichen Offenställe werden auch bei Schweinen - wieder - interessant. Die EuroTier wird dazu einiges zeigen. Denn Offenställe ermöglichen Struktur und verschiedene Klimazonen in den Buchten. Sie brauchen keine Energie für Lüftung oder Heizung und sorgen bei einer Trennung von Kot und Harn dafür, dass weniger Ammoniak entsteht. Das ist gut für Tier und Umwelt.

Problem: Baugenehmigung

Interesse an Offenställen ist auch im Norden vorhanden, berichten Anbieter entsprechender Systeme. Doch immer wieder hören sie hierzulande Bedenken: „Dafür bekommen wir ja gar keine Genehmigung.“ Und aus der Praxis sind Fälle bekannt, wo die Genehmigung für den Umbau älterer Ställe zum Offenstall tatsächlich nicht zu bekommen ist. Wo genau liegt das Problem?

Zum einen besteht es sicher darin, dass sich zuständige Behörden mitunter schwer tun mit der Beurteilung dieser anderen Haltungsform. Es gibt wenig bis gar keine jüngeren Zahlen zu den Emissionen oder dem unter Umständen reduzierten Ammoniakanfall dieser Ställe. Hier ist die Politik ganz konkret gefordert: Sie muss von vielen Seiten gewünschten Umbau der Tierhaltung unterstützen und für Klarheit in Genehmigungsfragen sorgen. Grundsätzlich wird aber nicht mit zweierlei Maß gemessen werden können, wenn es um den Schutz der Umwelt geht.

Eine einfache Rechnung

Bei einem Umbau kommt hinzu, dass sich seit dem Bau des Stalles auch Abstandsregelungen geändert haben und höhere Anforderungen an den Umweltschutz bestehen. Da man einen Stall nicht einfach 200 Meter von einem FFH-Gebiet wegschieben kann, bleibt nur ein Weg: Der Bestand muss kleiner werden. Weniger Tiere bedeuten bei Standardvermarktung, aber eine schlechtere Wirtschaftlichkeit.

Damit gilt für Offenställe, was auch für „Tierwohlställe“ mit mehr Platz fürs Tier gilt: Es muss mehr Geld vom Markt erlöst werden, sonst funktioniert das Ganze nicht. Wer seinen geschlossenen Stall zum Offenstall umbaut und dann nur noch die Hälfte Tiere halten kann, muss dann pro Tier das Doppelte erlösen, so simpel ist die Rechnung.

Qualität statt Quantität

Offenställe werden auch in 20 Jahren hier nicht der Standard für Schweine sein. Erfreulich ist aber, dass sich gewichtige Unternehmen für alternative Vermarktungskonzepte engagieren. Ein Beispiel lesen Sie in der LAND & Forst 40/16 ab Seite 14.

Qualitatives Wachstum lautet die Devise, wenn quantitatives Wachstum nicht mehr funktioniert oder nicht mehr gewollt ist. Gut, dass hiesige Landwirte und Unternehmen das selbst in die Hand nehmen und neue Wege suchen. Die Politik kann konkret unterstützen, etwa beim Thema Genehmigungen. Der Markt muss dann zeigen, wie viel geht.

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