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Schwein

Für satte und zufriedene Schweine

von , am
11.06.2014

Bei der Diskussionen um das Thema Tierwohl in der Schweinehaltung spielt auch die Zufütterung von Raufutter eine wichtige Rolle. Aber wieviel und welche Art von Raufutter sind sinnvoll?

Eine Ergänzung der Fütterung mit Raufutter wird auch unter Tierwohl-Aspekten vermehrt diskutiert. © Big Dutchman

Laut Gesetz müssen tragende Sauen mit Rohfaser in ausreichender Menge und Qualität versorgt werden. Alleinfutter für trächtige Jungsauen/Sauen (bis eine Woche vor Abferkeln) muss einen Rohfaseranteil in der Trockensubstanz von mindestens 8 % (7 % bei 88 % TS) haben oder es muss die tägliche Aufnahme von mindestens 200 g Rohfaser je Tier gewährleistet sein. Bei Mastschweinen gibt es diesbezüglich keine konkreten gesetzlichen Werte.

Vielseitige Wirkungen

Die Wirkung der (Roh-)Faser ist sehr vielseitig. Sie beeinflusst über den Verdauungsvorgang die Darmgesundheit und in Folge das Wohlbefinden der Schweine sowie deren Gesundheit. Die Verdaulichkeit von Faserstoffen ist bei Schweinen sehr stark altersabhängig. Mit zunehmenden Alter und Gewicht des Tieres steigt die Verdaulichkeit durch eine vermehrte Enzymtätigkeit kontinuierlich an.

Entscheidend für die Verdaulichkeit von Rohfaser sind aber nicht nur die absoluten Gehalte an schwerer verdaulichen Kohlenhydraten, sondern die Anteile an bestimmten Bestandteilen dieser Fraktion (siehe Abb. unten). Diese Bestandteile sind im Einzelnen:

  • NDF (=neutral detergent fibre=neutrale lösliche Detergentienfasern): die pflanzlichen Zellwandbestandteile wie Cellulose, Hemicellulose, Pektin, Lignin
  • ADF (=acid detergent fibre=sauer lösliche Detergentienfasern): der weitestgehend unverdauliche Teil der Zellwandbestandteile wie etwa Cellulose  
  • ADL (=acid detergent lignin=sauer lösliches Lignin): nahezu identisch mit dem Ligningehalt
  • NSP (=Nicht-Stärke-Polysaccharide): Bestandteil der pflanzlichen Zellwände, wie Cellulose, ß-Glucane, Pentosane oder Pektine, können vom Schwein nicht eigenfermentativ abgebaut werden
  • BFS: die bakteriell fermentierbare Substanz, die den Bakterien im Darmtrakt für die Ernährung zur Verfügung steht.
Wird bei einem Futtermittel der ADF-Wert vom NDF-Wert abgezogen, erhält man eine gute Mengenangabe zum fermentierbaren Faseranteil. Der hintere Darmabschnitt (Dickdarm) soll hiermit ausreichend versorgt werden. Der fermentierbare Faseranteil (schwer verdauliche Kohlenhydrate wie Cellulose, Hemicellulose, Beta-Glucane, Pentosane, Pektine und Inuline) fördert positive Bakterien (Milchsäure-/Bifidobakterien) und damit die Darmgesundheit.

Gute Peristaltik

Darüber hinaus wird durch passende Faseranteile eine  gute Peristaltik im Darm erreicht, die Kotkonsistenz wird gezielt eingestellt und Verstopfungen können vermieden werden (Geburtsvorbereitung bei Sauen). In Folge kann das MMA-Risiko durch zügigere und leichtere Geburten gesenkt werden. Außerdem wird nach der Geburt eine schnelle Futtersteigerung bzw. hohe Futteraufnahmekapazität ermöglicht. Die quellfähigen Fasern, die in der Trächtigkeit gefüttert wurden, haben den Magen-Darm-Trakt voluminöser gemacht.

Ist der Darm gesund, steigt die Abwehrleistung bzw. Verdrängung krankmachender Erreger wie E. Coli und anderer. Bei der Verdauung des fermentierbaren Faseranteils durch Bakterien im Enddarm entstehen bakterielle Stoffwechselprodukte wie flüchtige Fettsäuren, die dem Schwein Energie liefern, den pH-Wert absenken und ein anhaltendes Sättigungsgefühl fördern. Neben den beschriebenen Faserbestandteilen sind aber auch deren Löslichkeit, Wasserhalte- bzw. Wasserbindungskapazität zu beachten. Je mehr Wasser eine Komponente halten kann, desto stärker ist ihre Quellfähigkei, desto intensiver wird der Magen-Darm-Trakt ausgefüllt.

Raufutter sind Grob- oder Wirtschaftsfutter wie Stroh, Heu, Maissilage, Grünmehl/Cobs oder Luzernengrünmehl und umfassen sowohl wasserreiche Futtermittel (Grünfutter) und anderes Saftfutter wie Rüben oder Silage, als auch trockenes Raufutter wie Heu oder Stroh. Raufutter weckt das Interesse des Schweins, es wird gerochen, betastet und mit dem Rüssel analysiert. Es wird aufgenommen, eingespeichelt und abgeschluckt. Enzyme und Hormone werden aktiviert und die Sekretion im Magen- und Darmbereich gefördert. Durch das strukturierte Raufutter erfolgt im Magen eine gute Schichtung und volumenmäßige Füllung des Magen-Darm-Traktes, was zur Sättigung und Ruhe der Tiere beiträgt.

Schließlich wird der Verdauungsbrei im Darm durch den hohen Anteil gering verdaulicher Faserbestandteile weitergeleitet. Die Darmwand- bzw. Darmzotten werden stabilisiert, indem im Bereich der Krypten ein Schutzfilm aufgebaut wird. Positive Dickdarmbewohner werden durch ausreichend fermentierbare Faser gestärkt. Die Peristaltik wird gefördert und negative Erreger werden schnellstmöglich ausgeschieden.

Faserbestandteile


Die verschiedenen Faserlieferanten enthalten sehr unterschiedliche Faserbestandteile und -mengen (Tab. 1). So hat etwa trockene Weizenkleie mit 453 g ca. 70 g mehr NDF als feuchte Maissilage. Die Weizenkleie enthält zudem mit 321 g fermentierbaren Fasern NDF-ADF) einen hohen Anteil an Bakterienfutter. Maissilage liefert 194 g fermentierbare Faser.

Raufutter muss sich bei Verfütterung in einem einwandfreien Zustand befinden, was Hygiene und Qualität angeht. Hierzu sollten regelmäßig Untersuchungen etwa bei der LUFA durchgeführt werden. Ein positiver Effekt von Maissilage besteht beispielsweise in der Wirkung der organischen Säuren, die durch den Silierungsprozess entstehen. Auch fressen Schweine Maissilage ausgesprochen gern. Ansonsten können unter dem Aspekt einer ausreichenden Faserversorgung und einer zufriedenstellenden Beschäftigung mit der Futteraufnahme zur Steigerung des Tierwohls die in Tab. 1 aufgeführten Komponenten eingesetzt werden.

Empfehlungen

Bei der Bewertung der Rohfaserträger spielen neben den genannten Aspekten auch die absoluten Gehalte der verschiedenen Kohlenhydratfraktionen eine wichtige Rolle. Die vorläufigen Empfehlungen sind in Tab. 2 aufgeführt. In sauren Mischungen (CCM/fermentierte Mischungen) können geringere Gehalte an NDF und ADF toleriert werden. Diese Mischungen haben durch die Säuren bereits gesundheitsfördernde Wirkungen.

In Tab. 3 ist die Raufuttergabe auf Basis der vorläufigen NDF-Empfehlungen kalkuliert. Die angegebenen Spannen ergeben sich aus den Kalkulationen zur Optimierung der vorläufigen NDF-Bedarfsempfehlungen. Wobei die geringen Mengen zur Beschäftigung der Tiere dienen und die hohen Mengen gleichzeitig die NDF-Versorgung bei unzureichend faserversorgten Mischungen sicherstellen.  

Zur Bedarfsdeckung bei nieder- und hochtragenden Sauen wäre etwa täglich in niedrig versorgten NDF-Rationen eine Menge von 330 g Heu je Sau erforderlich. Wenn bereits die Ausgangsration eine hohe Faserversorgung aufweist, müssten zur Beschäftigung 110 g Heu je Sau kalkuliert werden. Bei Mastschweinen wären 20 bis 75 g Heu zusätzlich zu verabreichen.

Anders sähe es bei Maissilage, Biertreber oder Pressschnitzeln aus. Hier sollte eine gemeinsame Verfütterung des Raufutters über ein Schrot- oder Flüssigfutter erfolgen, um zu starkes Futteraufnahmewahlverhalten zu vermeiden. Hierdurch sollen Imbalancen bei der Nährstoffversorgung und Einbußen in den Leistungen bei den Schweinen mit stärkeren Auseinanderwachsen verhindert werden. Bei Sauen werden bis zu 1.200 g Maissilage kalkuliert und bei Mastschweinen 110-330 g, angepasst an die jeweiligen Bedarfswerte. Eine Einsatzmenge von 330 g Maissilage in der Endmast würde in etwa einer Menge von 6 % am Gesamtfutter mit gleicher Trockenmasse entsprechen.
Wird festgestellt, dass die Tiere die Tages-Raufuttergaben von ca. 50-75 g Stroh nicht fressen, sollte die Menge reduziert werden, so kann eine unnötige Vergeudung verhindert werden.

Auf jeden Fall sichergestellt werden sollte die Nährstoff- bzw. Energiezufuhr insgesamt pro Tag in den verschiedenen Leistungsabschnitten. Bei tragenden und säugenden Sauen sollte eine Energiezuführung von 35 bzw. 43 MJ ME je Sau und Tag möglich sein. Bei Mastschweinen sollte eine Energiemenge von 24,5 bei 45 kg LM bzw. 36 MJ ME bei 90 kg LM mit der Gesamtration eingehalten werden.
 
Nachfolgend finden Sie die Tabellen zum Herunterladen:
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