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Kommentar

Geflügel: Der Hahn legt keine Eier

Renate Bergmann
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Renate Bergmann, LAND & Forst
am
18.05.2018

Das Töten männlicher Küken erhitzt die Gemüter. Sind die Alternativen besser? Oder kommt es nicht zuerst auf sinnvolle Nutzung an?

Wann beginnt Leben? Diese Frage dürfte so alt sein wie die Frage, ob zuerst die Henne oder das Ei da war. Doch fürs Ei brauchen wir nun mal Hennen, mit den Hähnen funktioniert das einfach nicht. Darum wurden bisher die männlichen Küken der Legerassen gleich nach dem Schlupf getötet.

Zugegeben, nicht schön. Darum entstanden diverse Initiativen mit dem Lösungsweg, die Bruderhähne aufzuziehen und den ökonomischen Nachteil – schlechtere Zunahmen und dadurch mehr Futter– durch höhere Eierpreise zu subventionieren.

Aber das Ergebnis ist das Gleiche: Das Tier wird getötet. Nur später. Für das betroffene Tier dürfte der Unterschied relativ unerheblich sein. Für den Menschen nur scheinbar nicht, denn das Küken darf zwar nun zum Hähnchen heranwachsen, aber kaum einer will es kaufen.
Im Vergleich zum Masthähnchen ist der Bruderhahn eher schlank und als Brathendl kaum zu gebrauchen. Der Verkauf funktioniert dort gut, wo der Landwirt dem Verbraucher direkt erklären kann, was sich aus dem mageren Hahn machen lässt.

Aber im Supermarkt?

Eierverpackungen mit herzzerreißenden Aufschriften à la: „Mit vier Cent mehr rettest du meinem Bruder“ sind von Rewe bis Aldi zu finden, aber der passende Bruder oder sein Fleisch? Vielleicht kaufe ich in den falschen Läden, aber Werbung für den Bruderhahn habe ich noch nicht gesehen.

Und so verschwenderisch-unnütz das Töten der Küken auch scheinen mag: Sie landen nicht auf dem Müll, sondern als Futter für Raubtiere und Reptilien in Zoos oder auch bei Storchenstationen.

Um sie zu ersetzen, werden andere Futtertiere gezüchtet werden müssen. Die sind hoffentlich nicht so niedlich wie Küken, sonst geht die Diskussion von vorne los.

Angebrütete Eier aussortieren

Eine aktuell diskutierte Alternative: Verschiedene Forschungsgruppen arbeiten an Verfahren, das Geschlecht von Hühnerembryonen bereits im Ei zu identifizieren. Männliche Küken können so vor dem Schlupf aussortiert werden.

Allerdings sind diese Eier angebrütet. Der Demeter-Verband hat bereits angekündigt, die In-Ovo-Geschlechtsbestimmung und die nachfolgende Vernichtung der männlichen, angebrüteten Eier für seine Mitglieder nicht zuzulassen. Dies wäre nur ein fauler Kompromiss zum Kükentöten, befand die Delegiertenversammlung.

Also noch früher ansetzen? Eine Methode suchen, mit der bereits am befruchteten, aber unbebrüteten Ei ersichtlich ist, ob es Henne oder Eierspeise wird? Darüber können noch Jahre ins Land gehen. Und die Ausgangsfrage bleibt: Wann beginnt Leben?

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