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Schwein

Gesunde Schweine ohne Antibiotika

von , am
19.09.2014

Seit zwei Jahren haben Dörte Rieke und ihr Mann Andreas in ihrem Schweinestall kein Antibiotikum mehr gebraucht. Welche Vorteile die Betriebsleiter darin sehen, lesen Sie hier.

Dörthe Rieke verabreicht die homöopathischen Wirkstoffe, wie aufgelöste Kügelchen, mit einer Sprühflasche. © Gerstenkorn

Dörte Riekes Interesse an alternativen Heilmethoden wurde durch die Kinder geweckt . Als  einer ihrer Töchter ein Jahr alt war, hatte sie eine Mittelohrentzündung, die sich trotz zahlreicher Behandlungsversuche und Antibiotika nicht gebessert hat. Dörte Rieke dachte damals: "Das muss  auch anders gehen". Die Zusammenarbeit mit einem Heilpraktiker war erfolgreich und Ansporn, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Arbeitskreis hilft weiter

"Wenn Homöopathie bei Menschen funktioniert, wieso dann nicht auch bei den Schweinen", dachte sich die junge Landwirtin. Der Arbeitskreis der Landwirtschaftskammer "Homöopathie in der Tierhaltung" kam da gerade recht. Seit 2010 ist Dörte Rieke in dem Arbeitskreis, der von Heilpraktikerin Edda Hübert geleitet wird, tauscht sich mit Kollegen aus und wird von Hübert beraten.

In einem penibel geführten Ordner hält Dörte Rieke das Gelernte aus den Kursen fest, liest Bücher zum Thema, dokumentiert ihre Beobachtungen und berechnet anfallende Kosten. Als sie Anfang 2011 mit dem Einsatz von Homöopathie bei den Tieren begonnen hat, war ihr Mann zunächst skeptisch. "Auch im Kurs ist zu beobachten, dass viele Frauen dieses Thema angehen", sagt sie. Der Erfolg gibt ihr mittlerweile Recht und hat auch ihren Mann überzeugt.
 
Damit die Behandlung erfolgreich ist, müssen Riekes genau beobachten und schnell handeln. "Das  aber in der Schulmedizin genauso wichtig", meint Dörte Rieke.

Seit sie im Betrieb auf eine schulmedizinische Einstallprophylaxe verzichten und  so gut wie keine Antibiotika einsetzen, beobachten Riekes, dass Sekundärinfektionen und Rückfälle nicht mehr auftreten. Dörte Rieke führt das darauf zurück, dass Antibiotika auch die "guten" Keime im Darm und damit die Abwehr der Schweine schwächen. Durch die homöopathischen Mittel werden die eigenen Abwehrkräfte der Schweine angeregt. Zudem bringen sie keine Wartezeiten oder Nebenwirkungen mit sich. Wegen der guten Erfahrungen, weiten Riekes den Einsatz alternativer Heil- und Präventionsmethoden im Betrieb aus. Für die Reinigung der Abteile verwenden sie "effektive Mikroorganismen". Die werden in einem 100Liter-Behälter angesetzt und durchlaufen einen Gärvorgang. Ähnlich wie bei Joghurtkulturen wird durch die Mikroorganismen ein Milieu geschaffen, das krankmachende Keime hemmt. Sogar für die Entwurmung setzt Dörthe Rieke homöopathische Mittel ein. Zunächst hat sie statt zwei schulmedizinischer Wurmkuren nur noch eine durchgeführt, mittlerweile geht sie davon aus, ganz auf Homöopathie umstellen zu können. Den Erfolg der Behandlung überprüft sie anhand der Rückmeldungen vom Schlachthof.
 
Flexibel  bleiben
 
Die Kosten für homöopathische Mittel und Beratung durch die Heilpraktikerin haben sich auf rund ein Zehntel der vorherigen Tierarztkosten reduziert. "Weil die Schweine insgesamt widerstandsfähiger sind, haben sie auch Keimen oder Würmern mehr entgegenzusetzen", ist Dörthe Rieke überzeugt. Sie ist sich sicher, dass vor einer Behandlung zunächst alle Rahmenbedingungen stimmen müssen: Die Ferkel, das Futter, Luft, Licht und Management.

Riekes würden trotz aller positiven Erfahrungen den Einsatz von Antibiotika nicht ausschließen. Ein Verbot oder unverhältnismäßige Restriktionen für den Einsatz hielte Dörte Rieke für fatal. "Wir müssen in der Lage sein, so zu behandeln, wie es für das Tier am besten ist". Wichtig ist ihr jedoch, Freunden und Verbrauchern zu vermitteln, dass Schweinehalter nach dem bestmöglichen Weg suchen und dabei für Alternativen offen sind.
 
Der Betrieb
  • Lage: Dörrieloh im Landkreis Diepholz
  • Arbeitskräfte: Dörthe Rieke (43), Ehemann Andreas (45) und zwei Altenteiler.
  • Betriebsübernahme: 2001 von Dörthe Riekes Vater
  • 1.150 Schweinemastplätze
  • 22 Schweine pro Bucht
  • 3.366 gemästete Schweine pro Jahr, von denen ⅔ mit einem Gewicht von mindestens 92 kg an einen Ladenschlachter vermarktet werden.
  • 830 Gramm durchschnittliche Tageszunahme
  • 2 % durchschnittliche Verlustrate
  • Weitere Betriebszweige
  • 70 Bullen zur Mast, die als Absezter aus Fleischrinderherden zugekauft zu ⅔ an einen Ladenschlachter vermarktet werden.
  • 82 ha Acker (Winterroggen, Wintergerste, Triticale und Mais), 12 ha Grünland
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