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Rind

Jetzt gibt`s auch ASU für Kühe

von , am
01.04.2014

Erste Ergebnisse aus dem Riswicker Klimastall scheinen die Kuh als Klimakiller zu rehabilitieren. Laut Klimagasemissionen ist es vertretbar, die Milchkühe intensiv zu füttern und damit ihr Leistungspotenzial auszuschöpfen.

"Kühe rülpsen und pupsen bei Maisfutter weniger Methan" - so titelte die Lokalpresse ihren Bericht zu den Riswicker Versuchsergebnissen. © Närmann-Bockholt
Regelmäßig taucht die Kuh als Klimakiller in den Schlagzeilen auf. Geschrieben wird viel über dieses Thema, belastbare Ergebnisse über den Zusammenhang zwischen Fütterung und Methanausstoß waren bislang Fehlanzeige. Seit 2010 erforscht die LWK Nordrhein-Westfalen im neuen Milchvieh-Versuchsstall den Ausstoß klimarelevanter Gase. Als einmalig lobte Prof. Dr. Wolfgang Büscher von der Uni Bonn die Versuchsbedingungen in dem vierrei-higen Liegeboxenstall mit Platz für 144 Milchkühe in sechs Fütterungs-gruppen.

Einzigartig und anspruchsvoll

Der Riswicker Versuchsstall biete auch im internationalen Vergleich einzigartige Voraussetzungen, weil parallele Untersuchungen von unterschiedlichen Haltungsverfahren innerhalb eines Stalles möglich seien. "Methodisch sind die Untersuchungen anspruchsvoll, weil Emissionsmessungen Langzeitversuche erfordern, um tages- und jahreszeitliche Witterungseinflüsse zu berücksichtigen", erläuterte Büscher die Messanalytik in dem querbelüfteten Offenstall. Um die Emissionen zu bestimmen, wird dem Luftstrom ein Tracergas zugesetzt, anschließend die Verdünnung gemessen und daraus rechnerisch die Emissionsgase Methan und Ammoniak ermittelt.

Im ersten Untersuchungsabschnitt ging es um den Einfluss der Bodengestaltung. Dabei zeigte sich, dass sowohl bei den Methan- als auch bei den Ammoniakemissionen der Spaltenbodenbereich, bei dem ein intensives Homogenisieren des darunter lagernden Flüssigmists stattfindet, höhere Emissionswerte (375 g CH4 und 36 g NH3 je GV und Tag) aufweist als der Spaltenbodenbereich ohne Aufrühren (322 g CH4 und 28 g NH3). Im Mittelfeld bewegen sich die Emissionen des planbefestigten Bereiches (345 g CH4 und 34 g NH3). Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das Güllelager beim Spaltenboden bereits inbegriffen ist, dass jedoch aus dem Lager für das planbefestigte Stallsegment noch zusätzliche, hier nicht berücksichtigte Emissionen hinzu kommen. Deutlich werde ein Tagesverlauf des Methanaufkommens. Verlassen die Kühe den Stall in Richtung Melkkarussell, sinkt der Methanausstoß. "Rund 80 % des Methans stammt aus dem Magen-Darmsystem der Kühe, 20 % aus der Stallumgebung", zeigte Büscher auf.  
Maisbetonte Ration schneidet besser ab

Im zweiten Forschungsblock stand die Futterration auf dem Prüfstand. Wie Dr. Sebastian Hoppe erklärte, wurden zwei unterschiedliche Rationen verabreicht. Dabei erhielten
48 Kühe eine grasbetonte (600 g/kg TM Gras und 110 g/kg TM Mais) und 48 Kühe eine maisbetonte (167 g/kg TM Gras und 590 g/kg TM Mais) Futterration. "Bei der Versuchsgruppe mit der grasbetonten Ration lagen die Methanemissionen höher als bei der Gruppe mit der maisbetonten Ration", fasste Hoppe die Versuchsergebnisse zusammen. Deutlich geworden sei auch, dass bei hochleistenden Kühen weniger klimarelevante Gase je Liter Milch freigesetzt würden als bei Kühen mit geringer Milchleistung. "Eine intensive Fütterung der Milchkühe, die ihr genetisches Leistungspotential ausschöpft, ist daher aus Sicht der Klimagasemissionen zu vertreten", so der Kammerreferent.  

In einer dritten Untersuchungsphase ging es um die Zugabe von Futterzusatzstoffen und ihren Effekt auf den Ausstoß von Methan und Ammoniak. Eingesetzt wurden Tannine aus Akazien in der Konzentration von 1 % sowie von 3 % der Futterration. Während der achtwöchigen Fütterungsphase mit dem dreiprozentigen Tannin-Zusatz sei zwar ein Rückgang des Ammoniakgehaltes messbar gewesen, allerdings stoße man schnell an Verträglichkeitsgrenzen bei den Kühen, weil durch die Zugabe die Verfügbarkeit von Nährstoffen und damit die Nährstoffverwertung vermindert würde. Der Effekt auf den Methanausstoß sei kleiner ausgefallen. "Hier besteht weiterer Forschungsbedarf", wies Hoppe auf die anstehenden Versuchsfragen um den Effekt einer proteinreduzierten Fütterung auf die Klimagasemissionen hin. Außerdem werde in dem Versuchsstall künftig die Messung von Lachgas vorgenommen.

Einfluss der Fütterung auf die Klimabilanz

Auf rund 13 % beziffert das Johann Heinrich von Thünen-Institut den Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Treibhausgasemissionen für das Jahr 2010. "Die Landwirtschaft ist aber einer der wenigen Wirtschaftsbereiche, die nicht nur CO2 freisetzen, sondern über Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung auch zur CO2-Bindung beitragen und damit die Umwelt aktiv entlasten", machte Kammerpräsident Johannes Frizen abschließend deutlich - mit Hinweis auf ökologisch wertvolle Grünlandflächen, die in Nordrhein-Westfalen einen hohen Stellenwert einnähmen. Rohfaserreiche Futtermittel wie Gras sind fast ausschließlich durch Wiederkäuer zu verwerten und lassen sich so in hochwertige Lebensmittel wie Milch und Rindfleisch umsetzen.

"Bei den Versuchen hier in Riswick geht es nicht um Fragen der Grünlandnutzung, sondern ausschließlich um den Einfluss der Fütterung auf die Klimabilanz der Milchviehhaltung", wies Frizen auf die Ergebnisse hin. Diese Daten würden durch die Beteiligung des KTBL Eingang in die Beratung finden und bundesweit zugänglich gemacht. 
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