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Rind

Globuli und Co fürs Milchvieh

von , am
20.11.2013

Rastede/Edewecht - Immer mehr Milchviehhalter setzen bei ihren Tieren alternative Medizin ein, mit beachtlichen Erfolgen. Wir haben zwei Milchviehhalter besucht, die sanfte Medizin im Alltag nutzen.

Landwirt Eike Krause melkt zurzeit 140 Kühe. Bei einer beginnenden Euterentzündung weiß er genau, was zu tun ist. Werden bei der Milchkontrolle erhöhte Zellzahlen festgestellt, spritzt er der betroffenen Kuh ein homöopathisches Mittel. Er ist froh über die Vorteile dieser Medizin: Für eine Gabe homöopathischer Medikamente müsse er nicht auf den Tierarzt warten. Er könne die Mittel zeitnah einsetzen, Nebenwirkungen und Resistenzen gäbe es nicht: "Und besondere schön ist, dass ich nach dem Verabreichen keine Wartezeiten einhalten muss. So haben wir keine Milchverluste und somit keine Kosteneinschränkungen." Mit der Milch verdiene er nun einmal sein Geld und wenn in Sachen Eutergesundheit alles gut laufe, habe er bei der Arbeit besonderen Spaß.
 
Bei Euterentzündungen spritzt er ein homöopathisches Komplexmittel am ersten, dritten und fünften Tag. Nach 14 Tagen wiederholt er die Folge nochmals, um sicherzugehen, dass die Behandlung auch angeschlägt. Meist sei dann bei der nächsten Milchkontrolle nach vier Wochen wieder alles in Ordnung. "Ein Antibiotikum wirkt zwar oft schneller, aber mit der Homöopathie kann ich meine Tiere längerfristiger heilen und ich habe auch das Gefühl, sie sind rundum gesünder", beschreibt Krause, der seit sieben Jahren homöopathische Mittel einsetzt. 
 
Selbstheilung aktivieren
 
Homöopathie wirkt nach dem Grundsatz: Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden. Hat eine Kuh eine Euterentzündung (Mastitis), wird sie mit einem homöopathischen Mittel behandelt, das mastititisähnliche Symptome im Körper hervorruft. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte des Tieres aktiviert. Neben Injektionen  kommen auch Globuli, kleine Kügelchen aus Zucker, sowie Tropfen zum Einsatz.
 
Krankheiten möglichst früh erkennen
 
Die Tierarztkosten haben sich seit dem Einsatz homöopathischer Medizin auf dem Betrieb Krause um 0,5 Cent pro Liter reduziert, also um etwa ein Drittel der Gesamtkosten. Eine weitere Reduzierung schließt Eike Krause nicht aus: "Irgendwann ist da bestimmt eine Grenze erreicht, aber im Moment können wir sicherlich noch einiges einsparen." Wichtig sei es, dass man als Homöopath die Krankheiten besonders früh erkennt." Dazu müsse man seine Tiere bei den täglichen Kontrollgängen besonders gut beobachten. Es sei immer besser, die Rinder eher zu behandeln, als etwas zu spät: "Sind sie dann doch nicht krank, macht es nichts, wenn ich einem Tier trotzdem ein Mittel gegeben habe." Homöopathische Medikamente werden auf natürlichem Wege ausgeschieden. Überdosierungen gibt es nicht.
 
Die Grenzen der Homöopathie sind für Eike Krause dann erreicht, wenn er zu spät entdeckt, dass eine Kuh erkrankt ist: "Dann muss ich den Tierarzt holen, der das Tier konventionell behandelt. Das ist ganz klar."
 
Den Tierarzt überzeugen
 
Vor etwas neun Jahren kam Eike Krause zur Homöopathie. Er hörte von einem Seminarangebot der Landwirtschaftskammer Niedersachsen über Naturheilverfahren in der Rindviehhaltung und nahm aus Neugierde daran teil: "Am Anfang war die Umsetzung im eigenen Stall etwas schwierig. Ich kam an einige Mittel selbst nicht heran und musste meinen Tierarzt erst noch überzeugen, dass die alternative Medizin eine gute Sache ist", erzählt der Milchviehhalter mit einem Lächeln. Das laufe jetzt aber sehr viel besser und der Mediziner setze homöopathische Mittel auch schon auf anderen Betrieben ein.
 
Effektive Mikroorganismen helfen
 
Außer der Homöopathie nutzt Eike Krause gerne effektive Mikroorganismen, kurz EM: "Den Anstoß dazu bekam ich auch in einem LWK-Seminar. Der Seminarleiter hatte von EM und deren positiven Wirkungen auf Tiere und Pflanzen erzählt. Das fand ich so interessant, dass ich ihn auf unseren Hof eingeladen habe, um mich mal beraten zu lassen." 
 
Effektive Mikroorganismen sind über 80 Arten unterschiedlicher Mikroorganismen, hauptsächlich Hefen, Milchsäure- und Fotosynthesebakterien. Sie werden in einem Wasserfass mit Melasse angesetzt, und für eine Woche bei 40 Grad Celsius fermentiert. Dabei entstehen bioaktive Substanzen, die die Tiergesundheit positiv beeinflussen.  
 
Mineralische Düngung reduzieren
 
Eike Krause machte einen Versuch: Er düngte eine Grünlandfläche mit Gülle, die mit EM versetzt war und zur Kontrolle brachte er auf einer benachbarten Fläche Gülle ohne EM aus: "Das war wirklich erstaunlich", erinnert sich der Landwirt. "Zum ersten Schnitt im Frühjahr konnten wir einen erheblichen Bestandsunterschied zwischen beiden Flächen feststellen." Auf der Fläche mit EM war der Bewuchs 20 cm höher als auf der Vergleichsfläche.
 
Seit drei Jahren setzt er nun die Mikroorganismen kontinuierlich in der Silagebergung ein. Die Gülle könne vom Grünland besser genutzt werden. Dadurch konnte Eike Krause die mineralische Düngung fast um die Hälfte reduzieren. "Zusätzlich setzen wir seit drei Jahren Schleppschuhe beim Ausbringen der Gülle ein. Das führt natürlich zu einer noch besseren Ausnutzung der Nährstoffe."
 
Pro Hektar werden 20 Liter der EM-Lösung ausgebracht. Für 50 Hektar hat Krause Kosten von 600 Euro, wenn er ein 1000 Liter-Fass ansetzt. Das sind 560 Euro Materialkosten und etwa 40 Euro für den Strom zum Heizen in der Anfangsphase und für die Arbeitszeit.
 
EM auch im Futter
 
Seit einem halben Jahr mischt Eike Krause die EM-Lösung außdem in das Futter mit ein, in einer Menge von 50 ml pro Kuh und Tag. Dadurch wird die Verdauung verbessert, die Kuh kann das Grundfutter besser umsetzen: "Das kann sich natürlich auf die Milchleistung und die Kraftfutterkosten auswirken", unterstreicht Krause. Wie deutlich die Auswirkungen sind, kann er jetzt noch nicht genau sagen. Den Futterzusatz setzt der Milchviehhalter in einem 120 Liter-Fass an, denn die Lösung hält etwa drei Wochen.
 
Die Wintermonate nutzt Eike Krause immer wieder, um sich weiterzubilden in Sachen Naturheilverfahren. Er möchte noch mehr Krankheiten seiner Kühe homöopathisch behandeln und auch den Einsatz der effektiven Mikroorganismen weiter verbessern: "Ausgelernt hat man bei diesem Thema nie", betont er.
 
Trockensteher profitieren
 
Auch Heide Bijman-Eickhoff aus Rastede heilt Euterentzündungen bei ihren 170 Milchkühen mit homöopathischen Mitteln. Sie nutzt diese Medizin bereits seit 20 Jahren und hat deshalb schon besonders viele Erfahrungen. Auch bei Verdauungsproblemen oder geschwollenen Gelenken setzt sie Homöopathie ein. Außerdem behandelt sie ihre Trockensteher auf diese Weise, damit die Tiere stabiler über die Geburt in die Laktation kommen. 
 
Auch Bijman-Eickhoff betont, wie wichtig der rechtzeitige Einsatz der Mittel und die genaue Tierbeobachtung sind. Sie und ihr Mann schauen die Tiere meistens morgens und abends an. Ein Großteil der Kühe werden bei ihr mit dem Roboter gemolken: "Da sehen wir ja sofort, was sie an Milch geben. Außerdem misst das Gerät die Körpertemperatur und die Leitfähigkeit der Milch. So haben wir einen guten Überlick, bei welchem Tier sich möglicherweise eine Euterentzündung entwickelt."  Die Milchviehhalterin begutachtet außerdem den Kot und das Fell der Tiere. Manchmal fällt es ihr einfach nur auf, dass eine Kuh "komisch schaut".
 
Dann holt sie zunächst ihren Tensor, eine Einhandrute aus Kupfergriff und Metallspirale, und zwei oder drei Mittel, die helfen könnten: "Mit meinem Tensor teste ich aus, welches Mittel wohl das Richtige ist." Der Tensor funktioniert nach dem Prinzip der Bioresonanz. Aus den Schwingungen der Rute kann sie ableiten, ob ein Mittel dem Tier helfen wird.
 
Mehr Einzelmittel zulassen
 
Homöopathische Mittel, die Milchviehhalter anwenden, müssen für Nutztiere zugelassen sein. Laut Gesetz sind das nur etwa 60 bis 70 Einzelmittel. Heino Martens, Fachmann für den Einsatz von Naturheilverfahren in der Milchviehhaltung, ist das zu wenig: "Ein Wunsch von unserer Seite wäre, dass wir einen Dialog führen können, mit Politik, Landwirten, Beratern, mit Tierärzten und Verbrauchern, um viel mehr Einzelmittel zum Einsatz bringen zu können." In Zeiten der Antibiotikadiskussion sei das dringend notwendig.
 
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