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Plenarsitzung

Gnadenfrist für Regelung zur Ferkelkastration ohne Mehrheit

Ferkel im Stall
am Dienstag, 04.09.2018 - 17:32

Der Agrarausschuss des Bundesrates hat alle Anträge abgelehnt, die einen längeren Übergang für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration vorsahen. Nun ruhen alle Hoffnungen auf der Plenarsitzung.

Für die angestrebte Verlängerung der Übergangsfrist beim Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration zeichnet sich weiterhin keine Ländermehrheit ab. Der Agrarausschuss des Deutschen Bundesrates nahm auf seiner Sitzung am Montag keinen der vorgelegten Anträge an. Ob für die Plenarsitzung der Länderkammer am 21. September noch ein mehrheitsfähiger Antrag zustande kommt, erscheint fraglich.

Die meisten Stimmen erhielt der Antrag von Baden-Württemberg, der nur knapp scheiterte. Er zielte darauf ab, das Verbot bis drei Monate nach Marktverfügbarkeit geeigneter Narkosemittel, längstens jedoch um maximal drei Jahre bis Ende 2021 auszusetzen. Ein Inkrafttreten des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration zum 1. Januar 2019 würde dem Land zufolge zu erheblichen Strukturveränderungen in der hiesigen Schweinehaltung führen und die Ferkelproduktion einbrechen lassen.

Ende der Sauenhaltung

Ferkel in einem Kastriergerät

Ähnlich argumentiert Niedersachsen, das in seinem Antrag ebenfalls für eine dreijährige Übergangsfrist plädiert, eine Mehrheit dafür aber deutlich verfehlte. Kaum Unterstützung fand der bayerische Gesetzentwurf für eine Aussetzung des Verbots um fünf Jahre bis Ende 2023. Dies gilt auch für die Initiative Thüringens, die Übergangsfrist lediglich um ein Jahr zu verlängern.

Mit Unverständnis und Kritik reagierte der Deutschen Bauernverband (DBV) auf die ablehnende Entscheidung. „Mit dem Votum, das sich auch gegen den Weg der Lokalanästhesie richtet, wurde eine Chance im Sinne des praktischen Tierschutzes verpasst. Der Einstieg in den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration kann so nicht gelingen“, erklärt Generalsekretär Bernhard Krüsken. „Mit diesem Votum betreiben die Bundesländer Absatzförderung für Ferkel aus dem europäischen Ausland und stellen ein weiteres Mal die Weichen für ein Auslaufen der Sauenhaltung in Deutschland.“

Ein katastrophales Signal

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast zeigte sich nach der Ablehnung ihres Antrages „maßlos enttäuscht, weil ein Verzicht auf die Fristverlängerung für viele Familienbetriebe das Ende der Sauenhaltung bedeuten würde“. Sie setze sich dennoch weiterhin dafür ein, dass bei Ferkeln eine Kastration ohne Betäubung für eine begrenzte Zeit weiterhin zulässig ist.

Als „katastrophales Signal“ an die Sauenhalter im Land wertete der Vorsitzende des Arbeitskreises Sauenhalter beim Landvolk Niedersachsen, Enno Garbade, den Ausgang der Abstimmung in Berlin. „Wir sind wie vor den Kopf gestoßen, denn es gibt gegenwärtig keinen praxistauglichen Weg, den wir gehen könnten“, sagte der Landwirt der LAND & Forst. Jetzt ruhten alle Hoffnungen auf der Sitzung der Länderkammer am 21. September, bei der „sich hoffentlich doch noch die Vernunft durchsetzt“, so Garbade.

Mit Material von AGRA-EUROPE Presse- und Informationsdienst