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Geflügel

Gut getarnt in den großen Auslauf

von , am
01.10.2014

Freilandhaltung von Legehennen wird von vielen Verbrauchern gewünscht, den Geflügelhalter stellt es häufig vor Probleme. Womit kann ein Auslauf effektiv gestaltet werden, damit die Tiere auch die ganze Fläche nutzen?

Das Tarnnetz bietet den Tieren Beschattung und Schutz, lässt Regen durch, ist aber auch mobil. Daher hat es mehr Vorzüge als ein alter, stationär gewachsener Baum. © Bergmann

Unter den alternativen Haltungsformen für Legehennen haben die Haltungen mit Auslauf, d.h. Freiland- oder Biohaltung einen besonderen Stellenwert beim Verbraucher. Dieser wünscht sich meist, dass alle Hennen einen Auslauf nach draußen haben.

Zwischen Vorgaben und Gefahren

Die Produzenten sehen sich in der Verantwortung, bei extremen Witterungssituationen und zu definierten Lebensphasen die Legehennen im Stall lassen zu dürfen. Denn ein Auslauf birgt auch Gefahren durch Verwurmung, Schwarzkopfkrankheiten und andere Infektionen. Auch muss berücksichtigt werden, dass Hennen, die tagsüber großflächig den Auslauf nutzen, weniger Kraftfutter im Stall aufnehmen und hierdurch an Gewicht und Leistung verlieren. Nach § 13a der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ist vorgegeben, dass Auslaufflächen so gestaltet werden müssen, dass diese möglichst gleichmäßig durch die Legehennen genutzt werden. In der ökologischen Hennenhaltung gilt folgender Grundsatz: den Legehennen ist immer Auslauf zu gewähren, nur bei extremen Witterungsbedingungen (z. B. bei Sturm und extremen Niederschlägen) ist das Schließen der Auslaufklappen erlaubt.
 
Darüber hinaus muss der Auslauf so angelegt sein, dass er von allen Legehennen grundsätzlich vollständig und möglichst gleichmäßig genutzt werden kann. Weiterhin sind Struktur-elemente und Unterschlupfmöglichkeiten gleichmäßig zu verteilen, dabei soll die Vegetationsdecke größer als 50 % sein. Die Anordnung von Strukturelementen und Unterschlupfmöglichkeiten sind so anzulegen, dass die Tiere mühelos die Auslaufentfernungen überwinden können. Hierauf hat sich auch die Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau geeinigt und somit Richtlinien und Verordnungen detailliert festgelegt.

Nach Mitteilung des LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) stellt die Auslauffläche außerhalb des 150 m Entfernungsbereiches um den Stall eine Besonderheit dar, so dass eine Flächenangabe von 5 m² je Unterstand gefordert wird. Werden die oben angeführten Kriterien zur Auslaufnutzung zusammengefasst, kommt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu dem Schluss, dass ein mobiles Tarnnetz ein sehr effektives Struktur- und Schutzelement darstellt.

Die rund 14.000 Legehennen auf dem Betrieb der Eheleute Eilers in Wiefelstede nutzen den ihnen zur Verfügung stehenden Auslauf fleißig und besonders ausgiebig, seitdem sie Unterschlupf unter einem Tarnnetz finden. 2012 sind Eilers in die Eierproduktion eingestiegen. Da sie nach EU-Bio-Richtlinie produzieren, muss allen Legehennen ganzjährig ein Auslauf zur Verfügung stehen. Die Herde ist in fünf Einheiten unterteilt, die Ausläufe sind 150 m, teils auch 200 m tief, ein langer Weg für ein Huhn. Als eine "Leitstruktur", an der die Hühner entlang laufen und sich orientieren können, wurden an den Zäunen zwischen den Gruppen Holunderbüsche gepflanzt.

Großflächige Nutzung und gute Akzeptanz


Damit sich die Tiere auch in die stallfernen Bereiche trauen, musste der Auslauf sinnvoll strukturiert werden. Dies geschah mit gepflanzten Büschen und Sträuchern, mit Ästen und ausrangierten Anhängern. "Seit Juli haben wir auch ein Tarnnetz", erklärt Jan Eilers. Diese können für 150 bis 200 Euro im Internet erworben werden, dazu kommen noch die Kosten für einen alten Anhänger oder andere Unterkonstruktionen.

Das Tarnnetz mit einer Größe von 6 x 12 m wurde über einen alten Anhänger gespannt und bietet den Hennen so einen großzügigen Unterschlupf. Damit die Tiere sich daran gewöhnen, wurde dies erst in Stallnähe aufgebaut. Alle zwei bis drei Wochen, wenn die Hennen den darunter stehenden Bewuchs abgefressen haben, wird umgefahren, immer einige Meter weiter vom Stall entfernt. So wird mit der Zeit der Auslauf weitläufig "befahren". "Denn", so erklärt Eilers, "bei einer Überprüfung reicht es ja nicht, dass die Tiere einen Auslauf haben, sie müssen ihn auch nutzen!" Das Tarnnetz hat den Vorteil, dass es auf der einen Seite den Tieren Schatten und Schutz bietet, auf der anderen Seite aber auch durchlässig für Regen ist, der Pflanzenbewuchs darunter stirbt nicht ab. "Dadurch, dass das Netz nicht komplett geschlossen ist, bietet es den Tieren einen halbschattigen, diffusen Bereich. Das ist dann unter dem Netz quasi wie unter einem Baum oder im Wald", verdeutlicht Eilers. Das nehmen die Hennen sehr gut an, nur bei starkem Regen bieten ihnen Anhänger mit ihrer geschlossenen Fläche mehr Schutz.

Fazit


Die meisten Freilandställe sind Neubauten, die auf freier Fläche errichtet wurden. Was also fehlt, sind natürliche Baumgruppen/Sträucher. Wenn diese frisch angepflanzt werden, geht ein Teil zugrunde, weil die Hühner die Wurzeln freilegen. Somit stellt das Tarnnetz einen für das Legehuhn effektiven Unterstand dar, vereint alle vorgegebenen Kriterien und kann so zu einer guten fachlichen Praxis beitragen.

Das Projekt- und Versuchswesen Tier der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unterstützt den Landwirt bei der Erprobung und begleitet die Maßnahme im Jahresverlauf.
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