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Eier

Gute Eier brauchen gesunde Hennen

Legehennen auf der Stange
Dr. Peter Hiller, Jule Schättler, LWK Niedersachsen
am
20.02.2019

Legehennenhalter sollten neben ihren Tieren auch die Eier gut im Blick haben. Was Eier über die Gesundheit der Hennen verraten.

Der Legehennenhalter bekommt über Stückzahl und Größe der Eier täglich Informationen zum Zustand seiner Herde. Auf diese Kennzahlen sollte er besonderes Augenmerk legen und bei Auffälligkeiten schnell reagieren.

Aber auch ein Blick auf das Ei selbst kann helfen, Krankheiten oder Mängeln auf die Spur zu kommen.

1. Geringe Eigröße

Eigröße sowie Legeleistung werden wesentlich durch Genetik und Fütterung beeinflusst, aber auch durch das Management. Was zu beachten ist:

  • Zu kleine Eier können ihre Ursache in einem suboptimalen Lichtmanagement bei den Junghennen haben. Werden diese schonend auf den zunehmenden Lichttag stimuliert, erhöhen sich Eigröße und Hennengewicht kontinuierlich. Schonend heißt eine tägliche Änderung des Lichttags um einige Minuten anstelle der wöchentlichen Erhöhung um eine halbe Stunde.
  • Darüber hinaus bewirken Methionin und langkettige ungesättigte Fettsäuren im Futter (Soja-, Raps- oder Sonnenblumenöl, Vollfett-Sojabohnen) eine Erhöhung des Eigewichtes. Fehlt Kochsalz im Futter oder kommt es zu einer Kochsalz-Entmischung, trinken und fressen die Hennen weniger. Die Legeleistung und das Eigewicht können dann stagnieren oder sogar fallen.
  • Eine gesunde Legehennenherde muss eine stetig steigende Legeleistung bis zur Legespitze aufweisen. Mit zunehmendem Alter wird die Eizahl langsam und stetig geringer. Es ist wichtig, alle Leistungsdaten der Herde jeden Tag zu dokumentieren, um bei Abweichungen sofort zu handeln. Das wöchentliche Eigewicht, ermittelt aus 90 Eiern eines Tagesgeleges, ist die beste Kontrolle. Wartet man länger als drei Tage mit der Behebung der genannten Fehler, ist dies mit Stress und mitunter einem Fehlverhalten der Herde verbunden.            

2. Mangelnde Schalenqualität

  • Ursache für eine schlechte Schalenqualität kann eine E.coli-Infektion sein. Diese geht typischerweise mit einer erhöhten Sterblichkeit einher und kann auch Auswirkungen auf die Farbe der Eischale haben. Im Anfangsstadium treten häufig blutige Eier auf. Im fortgeschrittenen Stadium sterben Tiere dann oft an einer Eileiter- und Bauchfellentzündung.
  • Eine Eileiterentzündung kann auch das Egg-Drop-Syndrom bewirken, dass durch ein Adenovirus hervorgerufen wird. Dies betrifft oft braunlegende Hennen. Brüchige bis schalenlose Eier, zum Teil auch depigmentiert mit Eipoldefekten, können die Folge sein. Sehr ähnliche Erscheinungen können insbesondere bei Braunlegern auch auftreten, wenn eine Mykoplasmen-Infektion vorliegt.
  • Ein weiterer wichtiger Aspekt in puncto Eischalenqualität ist die Fütterung. Für eine stabile Eischale benötigt die Henne ausreichend Calcium und Vitamin D3. Ist der Calciumstoffwechsel gestört oder, wie bei einer älteren Legehenne, langsamer, wirkt sich das auf die Schalenhärte aus.
  • Bei einer E.coli-Infektion empfiehlt sich eine Impfung, möglichst stallspezifisch. Sie erfolgt für gewöhnlich im Junghennenalter und kann bei älteren Herden in der Legepause aufgefrischt werden. Die Legenester sollten sauber sein, um eine Verschleppung von Keimen über den Eileiter zu vermeiden. Gegen das Egg-Drop-Syndrom hilft eine Nadelimpfung vor der Legereife im Junghennenalter.
  • Darüber hinaus sollten die Tiere zu jedem Zeitpunkt bedarfsgerecht gefüttert werden, besonders auf die Mineralstoff- und Spurenelementversorgung ist zu achten. Die Gabe von Muschelgrit ab der 35. bis 40. Lebenswoche hat sich bewährt. Das darin enthaltene Calcium steht der Legehenne länger zur Verfügung und kann nachts zur Eischalenbildung beitragen. Muschelgrit sollte nachmittags oder abends breitwürfig in die Einstreu gegeben werden. So ist die Herde beschäftigt.

3. Zu helle Eischalen

Wichtigste Ursache für eine blasse Eischale sind virale Erkrankungen. Folgendes ist zu beachten:

  • Zu den viralen Erkrankungen zählen die Infektiöse Bronchitis (IB), aber auch Aviäre Pneumoviren (z.B. Aviäre Rhinotracheitis). Beide können eine Hellerfärbung der Eischalen verursachen, die Schalenqualität herabsetzen (bei IB dünnschalige Eier) sowie zu einem Legeleistungsabfall führen. Die Sterblichkeit ist im Allgemeinen gering.
  • Die wichtigste Maßnahme gegen virale Krankheiten sind Impfungen. Bereits Junghennen sollten mit unterschiedlichen IB-Impfstämmen behandelt werden. Diese Impfungen mit Lebend- und inaktivierten Impfstoffen sollten auch während der Legephase vierteljährlich wiederholt werden. Gestresste Herden können nach der IB-Impfung kurzzeitig mit einer Schalenaufhellung reagieren. Kombinationsimpfungen können zu gegebener Zeit den Schutz auffrischen und zusätzlich vor anderen viralen oder bakteriellen Erregern schützen.
  • Ähnlich verhält es sich bei Aviären Pneumoviren. Auch hier sollte die Junghenne bereits mit den Erregern in Kontakt gekommen sein, um einen wirksamen Schutz aufzubauen. Eine spätere Impfung während der Legeperiode ist nicht mehr möglich. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt. Dieser kann im Bestand Proben nehmen und ein gezieltes Impfprogramm erstellen. Eine boosternde 4-fache Kombinationsimpfung (ND, IB-multi, EDS, ART), mit einem inaktivierten Impfstoff, einmalig im Junghennenalter, ist zwar teuer, aber aus Sicht führender Fachtierärzte empfehlenswert.   
  • Bei sonnigem Wetter tritt bei den Hennen, die den Auslauf nutzen, oftmals eine Aufhellung der Schale auf. Dies ist nicht krankheitsbedingt, sondern rein physiologisch zu erklären. Bei bedecktem Wetter dunkelt die Schale wieder nach. 

4. Blutige Eier

Bei blutig verschmierten Eiern sollte keine Zeit verloren werden. Folgendes ist wichtig:

  • Ein Grund kann der Befall mit der Roten Vogelmilbe sein, der zu Unruhe bei den Legehennen führt und mit einer verminderten Legeleistung einhergehen kann. Weitere Symptome können ein blasser Kamm sein oder auch Todesfälle infolge des Blutverlusts.
  • Eine weitere Ursache kann Kloakenpicken/Kannibalismus sein. Hier sollte sofort gehandelt werden! Das gegenseitige Bepicken kann zu schweren Entzündungen führen, die im schlimmsten Fall zum Tod des betroffenen Tieres führen. Aber auch eine Entzündung des Legeapparates kann zu blutigen Eiern führen.
  • Durch eindringende Bakterien kann es zu einer Eileiter- und Bauchfellentzündung kommen, die ebenfalls häufig den Tod des Tieres zur Folge hat. Junghennen, die zum Legen von Doppeldottereiern mit Übergröße neigen, können sich leicht den Legedarm einreißen. Auch das kann zu blutigen Eiern führen. Eine zu frühe Stimulierung bei zu leichten oder sogar zu „fetten“ Herden kann hier die Ursache sein.
  • Treten blutige Eier auf, sollte der Stall gründlich auf das Vorkommen der Roten Vogelmilbe untersucht werden. Ein neues Mittel wirkt vorteilhaft und sicher (auch bei hohen Temperaturen) über das Trinkwasser und im belegten Stall. Der Einsatz ist jedoch relativ teuer und daher sollten prophylaktische Maßnahmen vor Einstallung, etwa mit flüssigem Silikatstaub, zuerst vorgenommen werden. Linderung kann auch das Aufstellen von Staubbädern bringen. Stress bei den Tieren, etwa durch Milbenbefall, kann zu Federpicken oder Kannibalismus führen. Bereits in den Anfängen sollte den Tieren umgehend Beschäftigungsmaterial zur Verfügung gestellt werden.
  • Daneben sollten Futter, Wasser, Temperatur und Luftzufuhr sowie das Lichtprogramm überprüft werden. Der Notfallplan zur Eindämmung von Federpicken und Kannibalismus kann die Gabe von Kochsalz, die Anreicherung des Futters mit eiweißhaltigen Substanzen (Süßmolke, Magermilchpulver, Kartoffeleiweiß, Biertreber, synthetisches Methionin) und die Erhöhung des Rohfasergehalts durch eine Haferkörnergabe in die Einstreu umfassen. Auch der Zusatz von B-Vitaminen als Nervennahrung kann helfen. Eine Verdunkelung des Stalls allein ist kein Allheilmittel und Selbstläufer.

5. Blasse Dotterfarbe

  • Ein ausgebleichter Dotter hat oft endoparasitäre Ursachen. Deshalb sind vorwiegend Freilandbetriebe betroffen. Ein Wurmbefall oder seltener auch der Erreger der Schwarzkopfkrankheit kann die Legeleistung beeinflussen und auch zu einem Ausbleichen des Dotters oder der Eischale führen. Schwefelgelber Durchfall und tiefe gelbgrüne Nekrosen auf der Leber (Sektionsbild) sind ein sicheres Indiz für eine Schwarzkopferkrankung.
  • Freilandbetriebe müssen bei diesem Problem ihr Weidemanagement optimieren, kalken sowie regelmäßig Entwurmungen im Bestand durchführen. Bei der Schwarzkopfkrankheit steht aktuell keine medikamentöse Behandlung zur Verfügung. Der Einsatz pflanzlicher Präparate wie von Oregano-Extrakten, ist beim Legestart vor Nutzung des Auslaufs und in den ersten Auslaufwochen über Futter und eventuell über Wasser zu empfehlen. Anschließend können die Legehennen eine gewisse Immunität gegen diesen Erreger ausbilden.
  • Als Zwischenwirt ist häufig der Regenwurm anzutreffen und so sind auch frische Ausläufe mitunter kontaminiert. Daher ist es empfehlenswert, schon im Vorlegemehl bis zur 25./27. Lebenswoche prophylaktisch mit Kräuterzusätzen zu arbeiten. Darüber hinaus sind Oreganoprodukte in geringen Dosen appetitanregend und können in hohen Dosen sogar therapeutisch wirken. Dabei ist zu beachten, dass bei einer Überdosierung die Futter- bzw. Wasseraufnahme zurückgehen kann.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 8/19.

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