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Rind

Gute Tiergesundheit von Anfang an

von , am
13.03.2013

Kälber sollten in den ersten drei Lebenswochen eine ad libitum Fütterung erhalten. Die Milchaufnahme ist dann stetiger als Voraussetzung für eine bessere Verdauung.

Euterentzündungen führen zu hohen Verlusten und sind bei Milchvieh der häufigste Grund für eine Antibiotikabehandlung. © landpixel

Das war ein Ergebnis der Bachelorarbeit von Mathias Klahsen von der Hochschule Osnabrück in Zusammenarbeit mit dem Versuchs- und Bildungszentrum Haus Riswick (LWK NRW).

Wenn Kälber Nahrung aufnehmen, ist einerseits die Sauggeschwindigkeit wichtig. Bei der restriktiven Zuteilung saufen die Kälber hastiger. Eine stetige Aufnahme, wie sie Kälber bei der ad libitum Tränke zeigten, sei aber für die Verdauung besser. Zum anderen nahmen diese Tiere im Mittel der gesamten Beobachtungszeit von 35 Tagen mehr Tränke/MAT (Milchaustauscher) auf, wiesen höhere tägliche Zunahmen auf und schöpften so ihr Wachstumspotenzial besser aus.

Nicht vermeiden ließe sich, nach Klahsen, der Leistungseinbruch, der typisch ist nach der Umstallung der Kälber von der Einzel- in die Gruppenhaltung. Jedoch kamen die Versuchstiere schneller und besser aus diesem "Tief" heraus als die Kontrollgruppe.
Dr. Heiner Westendarp, der die Bachelorarbeit betreute, wird die Entwicklung der Kälber weiter beobachten und untersuchen, ob sich Auswirkungen auf die spätere Milch-leistung und Gesundheit ergeben.

Diese Punkte werden in der öffentlichen Diskussion immer wichtiger, erklärte Dr. Volker Krömker, Hochschule Hannover. Die Antibiotika-Diskussion ist hoch aktuell, im Milchviehbereich ist es hauptsächlich die Mastitis, bei der Antibiotika zum Einsatz kommen, führte er aus. Für eine Mastitis gibt es viele Ursachen, häufig sind es Managementfehler. Einige davon lassen sich auch kurzfristig verbessern, dazu gehöre u. a. konsequentes Reinigen von Boxen/Melkzeug, Hygiene bei der Anwendung von Trockenstellern, Belegungsdichte und Trennung von Abkalbe- und Krankenstall. Vor jeder antibiotischen Mastitistherapie sollte immer die Frage stehen: Wie sinnvoll ist dies? Wenn ein Tier schon häufig auffällig war, wenn nur geringe Heilungschancen bestehen, dann sei eine Merzung häufig sinnvoller, um Neuinfektionen innerhalb der Herde zu vermeiden. "Die Heilung ist nicht das Problem, sondern die Neuinfektionen", fasste Krömker zusammen.

Um diese, und damit auch den Antibiotikaeinsatz zu verringern, ist es wichtig zu erkennen, wann treten Mastitiden vermehrt auf. Das Auftreten rund um den dritten Laktationsmonat spräche z.B. für Stoffwechselprobleme, im sechsten Monat für Problem mit der Zitzenkondition. Werden mehrere Tiere gleichzeitig krank, könnten Änderungen der Arbeitstechnik oder beim Futter die Ursache sein. "Regelmäßige Datenanalyse macht die Probleme einfach sichtbarer," sagte Krömker, "und dafür sollte man z.B. die Infos aus der MLP (Milchleistungsprüfung) intensiv nutzen." Es gebe eine Reihe von Möglichkeiten, den Antibiotikaaufwand zu reduzieren, ohne die Tiergesundheit zu gefährden. Es bestünde aber noch ein hoher Forschungsbedarf für praxisorientierte Lösungsansätze und das bereits vorhandene Wissen müsse auch an die Praxis transferiert werden.

Welchen Nutzen man aus einem guten Herdenmanagementprogramm ziehen kann, berichtete Amos Venema, Milchviehhalter aus Ostfriesland. Er arbeitet schon seit  1980er Jahren damit, um einen genauen Überblick über seine Milchviehherde zu haben. Mittlerweile nutzt er ein umfangreiches, professionelles Programm, in dem er "alles, was im Betrieb passiert", eingibt, wie er im Vortrag betonte.

Dazu gehörten selbstverständlich alle tierindividuellen Daten seiner 165 Milchkühe, aber auch Informationen über die gesamte Herde, das Betriebsmanagement und die Melk- und Fütterungstechnik. "Ob Ergebnisse der tierärztlichen Untersuchungen, Besamungsdaten oder Futterwechsel, vertrauen Sie ihrem Programm alles an", war seine Empfehlung. Besonders wichtig war Venema, eine Vernetzung mit allen Dienstleistern, sei es Tierarzt, Berater oder seiner Bank. Dann ist eine umfangreiche, sinnvolle Nutzung der Daten von der Reproduktion, Remontierung, und Selektion, über Futter-, Düngung  und Milchmengenplanung, bis hin zur Finanzplanung möglich.

"Für mich ist unser Herdenmanagementprogramm ein sehr wertvoller und zuverlässiger Mitarbeiter", sagte Venema.
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