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Hofreport: Ammensauen helfen

von , am
05.10.2013

Lengerich - In unserem neuen Hofreport-Folge berichten wir über die Sauenhaltung von Familie Eilers in Lengerich. 190 Sauen gehören zum Betrieb. 29 Ferkel pro Sau und Jahr werden abgesetzt - eine stolze Zahl.

Bereits dreimal haben wir in diesem Jahr in unserem LAND & Forst-Hofreport aus dem Hähnchenstall von Beate und Alfons Eilers berichtet. Zum Betrieb gehört außerdem eine Sauenhaltung mit derzeit rund 190 dänischen Sauen, die wir heute vorstellen wollen. Alfons Eilers zeigt uns den Abferkelstall. Seit dem vergangenen Wochenende gibt es wieder neue Ferkel. Der Betrieb arbeitet im Drei-Wochen-Rhythmus. Abgesetzt wird immer freitags, ein etwas ungewöhnlicher Zeitpunkt: "Bei den dänischen Sauen können wir das aber machen, da sie meist etwas übertragen", stellt der Betriebsleiter fest. Einige Sauen ferkeln am 115-ten, die meisten aber am 116-ten Tag. "So haben wir zwar sonntags Abferkelungen, aber die Sauen sind dabei recht selbständig, so dass sich die Arbeit in Grenzen hält." An dem jeweiligen Wochenende ist außerdem immer das Dienstwochenende der Auszubildenden. Nur alle drei Wochen wird ein Wochenende gearbeitet. "So sind die Azubis mit dieser Regelung auch ganz zufrieden", betont Eilers und schmunzelt.
 
Sauenhaltung ausgebaut
 
Seit gut 20 Jahren arbeitet der Landwirtschaftsmeister im Drei-Wochen Rhythmus, seit er den Betrieb von seinen Eltern gepachtet hat. Damals hatten sie 45 Sauen sowie 13 Kühe mit Nachzucht. Eilers entschied sich, die Sauenhaltung auszubauen, verkaufte die Kühe und stockte nach einem Stallbau auf einen Bestand von 110 Tieren auf. 1998 vergrößerte er die Herde auf 168 Tiere und verkaufte zusätzlich Systemferkel. 2002 baute er den Abferkelstall mit 36 Plätzen. Die alten Abferkelabteile baute er um, für die Ferkelaufzucht. 2003 vergrößerte er nochmals seinen Bestand auf 210 Sauen und stellte einen Wartestall fertig. Durch die permanente Leistungssteigerung bei den Sauen und die Umstellung der Haltungsverordnung ergab sich dann wieder eine Reduzierung der Herdengröße auf 190 Tiere. Die Obergrenze ist durch seine etwa 800 Flatdeck-Plätze vorgegeben.
 
MMA-Infektionen sofort bekämpfen
 
Pro Sau und Jahr werden im Betrieb gut 29 Ferkel abgesetzt. Die dänischen Sauen bringen eher größere Würfe zur Welt, im Durchschnitt sind es 14,5 bis 15 lebend geborene Ferkel. Alfons Eilers führt das Ergebnis aber auch auf die gute Kondition seiner Sauen zurück. Außerdem sei es wichtig, den MMA-Infektionen (Mastitis-Metritis-Agalaktie-Syndrom) im Abferkelstall immer sofort entgegenzuwirken. "Unsere Sauen mit dänischer Herkunft haben öfter das Problem, dass sie Milch haben, Fieber bekommen und trotzdem weiterfressen. Wenn wir dann die Ursache für das Fieber nicht finden, gibt es leider Schwierigkeiten im nächsten Wurf." Schon bei den ersten Anzeichen dafür, dass eine Sau sich unwohl fühlt, misst Alfons Eilers Fieber. So kann er entscheiden, ob er eine Behandlung durchführen muss oder nicht.
 
Würfe konsequent ausgleichen
 
Ein weiterer wichtiger Grund für die hohe Anzahl abgesetzter Ferkel ist für ihn der konsequente Wurfausgleich. Alfons Eilers steigt in eine Bucht und begutachtet die Neugeborenen. Überzählige Ferkel setzt der 42-Jährige grundsätzlich an Ammensauen: "Bei einer Abferkelgruppe brauchen wir meistens zwei bis drei Sauen, manchmal aber auch eine vierte als Amme. Das sind oft Schlachtsauen mit angemessener Kondition und gesundem Gesäuge."
 
Auch untereinander müssen die Würfe ausgeglichen werden. Den groben Ausgleich nimmt er direkt nach dem Abferkeln vor. Auch wenn es theoretisch möglich sei, dass die Sauen 15 Ferkel großziehen, so setzt er das 14. und 15. Ferkel doch lieber um. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Sauen, die in mehreren Würfen nacheinander bis zu 15 Ferkel großgezogen haben, konditionell eher Schwierigkeiten bekommen.
 
Ammensauen helfen aus
 
Die erste Möglichkeit, eine Amme anzusetzen, ist der Montag oder der Dienstag nach dem Abferkeln. "Wir setzen dann eine Sau aus der Vorgruppe ab und die größten Ferkel aus der neuen Gruppe kommen an diese Ammensau." Die kleinsten Neugeborenen der neuen Gruppe wiederum setzt Eilers an die freigewordenen Sauen. "Für eine Ammensau muss ich somit insgesamt mindestens 30 bis 35 Ferkel versetzen." Ein kleines Ferkel unter zwölf Großen würde vielleicht nicht überleben. "Aber zwölf kleine Ferkel, die ich zusammensuche und die dann an einer Sau die Säugezeit verbringen, haben schon viel bessere Chancen."
 
Azubi macht Erstbehandlung
 
Heute ist so ein Montag nach dem Abferkeln. Die Auszubildende des Betriebes, Elisabeth Kottebernds, ist bereits mitten bei der Arbeit. Ihr Chef erwartet Selbstständigkeit von seinen Azubis. Das gefällt der 19-Jährigen, die nach dem Abitur hier angefangen hat und aus der Landwirtschaft kommt. Ihre Eltern haben auch eine Sauenhaltung. "Ich finde es toll, dass ich hier schon nach kurzer Zeit eigenverantwortlich mitarbeiten kann. Hauptsächlich bin ich im Abferkelstall tätig. Nach dem Abferkeln führe ich zum Beispiel die Erstbehandlungen durch."
 
Zu einer Erstlingsbehandlung gehört bei den Eilers das Kupieren der Schwänze und das Abschleifen der Zahnspitzen, um Verletzungen zu vermeiden. Eine Eisenspritze soll die Blutbildung der Ferkel stabilisieren. Ein am ersten Lebenstag injiziertes Antibiotikum verhindert Nabelinfektionen sowie Gelenkprobleme. Außerdem gewährt es den notwendigen Schutz für die Kastration am darauffolgenden Tag.
 
Wasser für die Ferkel
 
Alfons Eilers holt den Wasserschlauch, den es hier in jedem Abferkelstall gibt und füllt Wasser in die Anfütterungsschalen und in den Futtertrog der Sauen. "Das gibt es bei uns für die Ferkel ab dem ersten Lebenstag." Das erste Trockenfutter bekommen sie am Ende der ersten Lebenswoche, zunächst nur auf die Liegefläche, nach 10 bis 14 Tagen dann in die Schalen. "Und die kennen sie somit ja schon vom Wassersaufen." Die Sauen bekommen direkt nach dem Abferkeln noch das Futter aus dem Wartestall. Das ist sehr gut verdaulich. Verstopfungen gibt es in dieser Phase im Betrieb nicht.
 
Impfen mit Bedacht
 
In Sachen Impfung erhalten die Ferkel bei Alfons Eilers nur noch den Schutz gegen das Porzine Circovirus Typ 2. Die sogenannte Circo-Impfung setzt er seit vier Jahren erfolgreich ein: "Die Ferkel machen seit dem weniger Probleme im Flatdeck-Stall. Hustenprobleme sind so gut wie weg", freut sich der Sauenhalter. Natürlich gebe es auch hin und wieder einen kleinen Grippeeinbruch, aber kein regelmäßiges Husten.
 
Gegen PRRS, das Porzine Reproduktive und Respiratorische Syndrom, impft Eilers seit einem halben Jahr nicht mehr: "Wir haben geschaut, wo bei uns PRRS-Infektionen stattgefunden haben und wie hoch der Titer bei den Tieren lag." Anhand der Ergebnisse habe er schließlich zusammen mit dem Tierarzt und dem Berater vom Ferkelerzeugerring Lengerich beschlossen, die Sauen etwas intensiver zu impfen. "So haben wir einen vernünftigen Impfschutz in der Herde und brauchen die Ferkel seitdem nicht mehr gegen PRRS zu impfen."
 
Streptokokken: kein Problem
 
Das Streptokokken-Problem hat Alfons Eilers in seiner Sauenhaltung gut im Griff. Durch die frühe Antibiotika-Gabe sind die Ferkel in den ersten Lebenstagen bereits geschützt. Außerdem benutzt Eilers im Abferkelstall ein Trockendesinfektionsmittel. So heilt der Nabel bei den frischgeborenen Ferkeln besser, weil er schneller abtrocknet und vor Infektionen geschützt ist. Das Desinfektionspulver reduziert auch mögliche Infektionen des Geschlechtstraktes bei den Sauen und es vermindert die Gefahr möglicher Verunreinigungen von Verletzungen am Gesäuge der Muttertiere. "Sauen werden standardmäßig bei uns nicht gewaschen", sagt Eilers. Das sei in seinem Betrieb nicht notwendig.
 
Vermarktung mündlich und flexibel
 
Vermarktet werden die Ferkel von Alfons Eilers über die eigene Ferkelerzeugergemeinschaft: "Wir sind zwar ein relativ kleiner Haufen", erzählt Eilers, "aber wir haben dadurch den Vorteil, sehr flexibel zu sein." Die meisten Erzeuger seien an bestimmte Mäster gebunden, aber auf schriftliche Verträge werde weitestgehend verzichtet. "Mit diesem System fahren wir seit 25 Jahren sehr gut." Eilers Ferkel gehen zu 95 Prozent an einen Mäster in der Nachbargemeinde. Es gebe kaum persönlichen Kontakt, die Geschäftsbeziehungen laufen in erster Linie über den Erzeugerring. "Das funktioniert bei uns in der Region über mündliche Zuschläge. Das finde ich angenehmer. Wenn Probleme auftreten, brauche ich meinem Kollegen dann nicht auf die Füße zu treten oder gar einen Rechtsanwalt dazuschalten", sagt Eilers.
 
800 Flatdeckplätze
 
Seine Ferkel verkauft er spätestens nach acht Wochen mit einem Gewicht von etwa 30 Kilo: "Wenn wir mal knapp sind mit dem Platz, wir haben 800 Flatdeck-Plätze, dann nimmt mein Mäster auch einmal 26 Kilo-Tiere." Wenn andererseits der Mäster zu wenig Platz hat, dann behalte Eilers die Tiere auch, bis sie 32 Kilo wiegen. "Das ist eben die Flexibilität, von der wir hier untereinander alle profitieren."
 
Zum Schluss schauen wir uns die Gruppenhaltung des Betriebes an sowie den Stall mit den Jungsauen. Von hier werden wir in unserem nächsten Hofreport aus Lengerich berichten. 
 
Wir waren schon dreimal auf dem Betrieb von Beate und Alfons Eilers:

 

 
 
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