Login
Geflügel

Hofreport: Hähnchenmäster spart durch Wärmetauscher

von , am
18.04.2013

Lengerich - Hähnchenmast im Neueinstieg und Wärmetauscher zum Kostensparen: In unserem Hofreport stellt LAND & Forst-Videoredakteurin Birgit Greuner den Betrieb von Familie Eilers vor.

 
Beate Eilers fährt jeden Morgen mit dem Fahrrad zu ihren zwei Hähnchenmastställen, 300 m vom Wohnhaus der Familie entfernt. Die 42-Jährige versorgt dann ihre derzeit 77.000 Hähn-chen. Das Team vom Hofreport ist heute dabei, wir treffen die Hähnchenmästerin auf dem Stallvorplatz. Sie stellt ihr Fahrrad ab und nimmt uns mit in den Vorraum, der beide Ställe verbindet.
 
2008 hat Beate Eilers zusammen mit ihrem Mann Alfons mit der Hähnchenmast begonnen. Damals ging es um die Frage, wie sie sich betrieblich erweitern könnten. Beate Eilers arbeitete zu der Zeit noch als Krankenschwester, wollte aber diesen Beruf für die geplante betriebliche Veränderung aufgeben und auf dem Hof mitarbeiten. Eine Möglichkeit, den Betrieb zu erweitern, wäre der Ausbau ihrer Sauenhaltung gewesen, mit heute 190 Sauen zur Ferkelerzeugung. "Für mich war aber klar, dass ich mit Schweinen nicht so gerne arbeite. Das ist die Sache meines Mannes", sagt Beate Eilers. So schauten sich beide nach einer Alternative um. Die Integrationen suchten zu der Zeit intensiv nach Neueinsteigern. Nach einem Praktikum bei einem Hähnchenmäster war dem Ehepaar Eilers klar, dass sie Hähnchen mästen wollen und die Sauenhaltung wie bisher weiterführen.
 
Strohgranulat als Einstreu
 
Bevor Beate Eilers sich an diesem Morgen den Overall überzieht, stellt sie noch schnell eine Waschmaschine an. Die steht im Vorraum zum Stall. Die Eilers waschen und trocknen die Arbeitskleidung immer direkt an Ort und Stelle: "Wir haben bald gemerkt, dass es lästig ist, immer alles mit in das Wohnhaus zu nehmen. Die Arbeitskleidung hier zu reinigen ist die beste Lösung."
 
Dann geht die Mästerin in den Stall. Mit langsamen Schritten kontrolliert sie die vier Futterbahnen und acht Wasserlinien. Außerdem schaut sie sich die Tiere genau an. Der aktuelle Durchgang ist zwei Wochen alt. Beate Eilers überprüft täglich, ob die Hähnchen ausreichend aktiv sind, ob sie sich im Stall gleichmäßig verteilen.
 
Gerade kommt ihr Mann Alfons herein. Der 41-jährige Landwirtschaftsmeister überprüft die Einstreu bei den Küken und lockert sie an feuchteren Stellen auf. Die Eilers bevorzugen als Einstreu zurzeit ausschließlich Strohgranulat in einer Menge von etwa 380 g pro Quadratmeter. "Das Material ist leicht zu verarbeiten und nicht zu grob, so können die Tiere darauf herumlaufen ohne auszurutschen." Zum Wenden und Auflockern der Einstreu hatte Alfons Eilers vor ein paar Monaten eine besondere Idee. Er setzt Stoßscharren ein, die er sonst nur im Schweinestall benutzt: "Das geht viel besser als die Gartenhaken oder die Aluschaufeln, die wir vorher verwendet haben."
 
Radio gegen Stress
 
Der Vorfang erfolgt in dem Betrieb meist ab dem 33. Tag des Durchgangs, je nach dem Gewicht der Tiere. Eine Woche später steht dann der Hauptfang an. Um die Hähnchen auf solche Stresssituationen vorzubereiten, werden die Ställe recht hell gefahren. Außerdem gibt es dort Radios, die regelmäßig angehen und die Tiere an Stimmen oder auch Krach gewöhnen.
 
Heizkosten senken
 
Bei der Planung der Geflügelställe haben die Eilers zunächst Energiekosten von 8 bis 10 Cent pro Tier angesetzt. "Das kam mir allerdings sehr hoch vor. Da ich gerne mit spitzem Bleistift rechne, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, diese Kosten zu senken", erzählt der Betriebsleiter. Erfahrene Mästern berichteten von 6 bis 7 Cent pro Tier, davon sind 80 Prozent den Heizkosten zuzurechnen. Nach mehreren Beratungsgesprächen entschied sich Alfons Eilers dazu, Wärmetauscher zu nutzen, um die Heizkosten zu senken. 
 
Die Technik war 2008 noch nicht sehr verbreitet, aber die Erfahrungen eines anderen Mästers in der Region überzeugten. "Um zu sehen, welches Einsparpotenzial so ein Wärmetauscher wirklich hat, haben wir zunächst nur einen der zwei Ställe mit einem solchen Gerät ausgerüstet." Aber schon nach einem Jahr rüsteten sie auch am zweiten Stall  nach, weil die Energiekosten auf etwa die Hälfte gesunken waren. Mit ihrer Entscheidung sind sie bisher sehr zufrieden: "Seit einigen Durchgängen liegen wir bei Heizkosten von 2,4 bis 2,7 Cent pro Tier." In beiden Ställen haben sich die Wärmetauscher somit schon nach sechs Jahren amortisiert.
 
Luft entfeuchtet
 
Aber nicht nur die Kostensenkung spricht für die Wärmetauschertechnik: "Ein großer Vorteil ist, dass die Geräte uns sehr viel Feuchtigkeit aus der Zuluft filtern. Über den Winter sind das etwa 35 Kubikmeter Wasser." So bleibt auch die Einstreu deutlich trockener, was für die Ballengesundheit von Vorteil ist.
 
Nachgerüstet wurden die Wärmetauscher mit einer Spülung, da sich auf den Lamellen viel Staub aus den Ställen absetzt. Dadurch wird der Wirkungsgrad gemindert. Durch das tägliche Spülen bleibt ein beständig hoher Wirkungsgrad gewährleistet.
 
Stalltechnik aus einer Hand
 
In Sachen Stalltechnik mit Lüftung, Steuerung, Wassertechnik und Fütterung haben Beate und Alfons Eilers bewusst nur ein Partnerunternehmen gewählt: "Das war auch eine gute Entscheidung." So schiebe, wenn Probleme aufträten, nicht der eine die Schuld auf den anderen. Zu Beginn des ersten Durchgangs trat zum Beispiel ein Problem mit der Lüftung auf: Bei Produktionsbeginn schaffte die Lüftung den notwendigen Luftdurchsatz nicht. Schuld war ein banaler Einbaufehler. "Als der gefunden war, wurde er rasch behoben. Der Stalleinrichter hat sich damals sehr korrekt verhalten", erinnert sich Eilers.
 
Kosten pro Mastplatz
 
Inklusive der Genehmigungskosten kostete ein Mastplatz im Stall der Eilers zum Zeitpunkt der Fertigstellung 10 Euro. Nach heutigem Stand sind pro Mastplatz etwa 11 Euro anzusetzen. Zum einen kam der zweite Wärmetauscher erst ein Jahr nach dem Bau dazu, der Vorplatz wurde nachträglich großzügiger gepflastert und von den ursprünglich genehmigten 83.000 Mastplätzen sind derzeit in Absprache mit dem Vermarkter nur 77.000 Plätze belegt.
 
Nur ein Integrationspartner
 
Vermarktet werden die Hähnchen über die Firma Rothkötter: "Wir bekommen das Kükenfutter von Rothkötter und im Gegenzug bekommt die Firma von uns die Tiere geliefert." Alfons Eilers gefällt die Zusammenarbeit mit nur einem Integrationspartner: " Wir haben somit nur einen Ansprechpartner und können, wenn mal Probleme auftreten, relativ einfach gemeinsame Lösungen finden."
 
Wasser aus eigenem Brunnen
 
Nach dem Stallgang setzt sich Beate Eilers noch an den Computer im Stallbüro. Sie checkt die Temperaturen vom Tag vorher, überprüft, wieviel Futter und Wasser aufgenommen wurden. Alfons Eilers kontrolliert die Filtereinheiten der Wasserversorgung, die in einem abgetrennten Raum angebracht sind. Dort sind auch die Kühlung und die Medikamentendosierer positioniert. Seit einem Jahr nutzt der Betrieb eigenes Wasser - aus Kostengründen . Das Brunnenwasser hat nach der Enteisenung eine gute Qualität und kommt mit 12 Grad Celsius aus der Anlage. Durch die höhere Temperatur entsteht im Stall weniger Kondenswasser, es ergeben sich Vorteile beim Reinigen und die Tiere trinken einfach gerne, wie Beate Eilers festgestellt hat.
 
Gemeinsam essen
 
Dann ist es Mittag und somit Familienzeit. Beate Eilers fährt nach Hause, um das Mittagessen zu kochen. Denn um 13 Uhr kommen alle zusammen, auch die Kinder Sigrid und Felix sind dann aus der Schule zurück, der Azubi Lukas unterbricht seine Arbeit im Sauenstall und Oma Gertrud wartet schon am Esstisch. Ende Mai sind die Hofreporter wieder vor Ort, für den nächsten Bericht vom Betrieb der Familie. Dann werden neue Hähnchen eingestallt.
 
Auch interessant