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Schwein

Hofreport aus Niedersachsen: Jungsauen auf Stroh

von , am
09.12.2013

Lengerich - Im fünften und letzten Teil des Hofreportes von Sauenhalter Eilers schauen wir uns die Gruppenhaltung der Sauen an. Seit April 2012 wird sie im Betrieb umgesetzt.

Zur Sauenhaltung des Hofes gehören 190 Sauen. Bei unserem letzten Besuch Anfang Oktober hat Betriebsleiter Alfons Eilers uns vom Einsatz der Ammensauen und seinen Erfolgen bei der Ferkelerzeugung berichtet. Heute zeigt er uns die zwei Abteile für die tragenden Altsauen. Je 44 Tiere pro Abteil hält er in einer Großgruppe. Sie können sich in Selbstfangbuchten mit Wippen zurückziehen. 2,05 Quadratmeter stehen jeder Sau zur Verfügung, inklusive der Fläche unter den hochgelegten Trögen.
 
Eilers ist zufrieden mit dem System: "Die Sauen können die Buchten selbst verriegeln und sind ungestört, wenn sie in der Bucht liegen. Das war mir bei der Suche nach einem passenden Haltungssystem wichtig und mein Plan scheint aufzugehen." Der Landwirt erzählt, dass die Tiere oft und ausgiebig in den Buchten liegen: "Jede Sau könnte diesen Platz aus eigenem Antrieb verlassen, aber meist bevorzugen sie die Ruhe und fühlen sich dort pudelwohl." Die Tiere würden sogar so wenig herumlaufen, dass er immer wieder die Spalten im Gang mit einem Schieber reinigen müsse.
 
Frische Luft gelangt durch die Rieseldecke oberhalb des Futtergangs in den Stall. Sie strömt an der Wand mit der Twinnrohr-Heizung herunter unter die hochgelegten Tröge zu den Sauen. Die genießen die Kühlung. Die Tiere lieben es, einen kühlen Kopf und einen warmen Hintern zu haben, betont der Landwirtschaftsmeister.
 
Umbau hielt sich in Grenzen
 
Zur Umstellung auf die Gruppenhaltung musste Alfons Eilers in den 20 Jahre alten Ställen die Spaltenböden austauschen, die Tröge erneuern und zum Teil neue Laufflächen bauen lassen. Den Güllekeller brauchte der 42-Jährige nicht zu verändern. Zum Glück, sagt er. So ist sein Betrieb relativ gut mit der Umstellung auf die Gruppenhaltung klargekommen. In den alten Ställen hätte er sowieso einiges erneuern müssen.
 
Erstbelegung nicht zu früh
 
Nebenan im Deckstall scannt der Tierarzt gerade die tragenden Sauen. Heute ist der 26. Tag ihrer Trächtigkeit, sie werden nachher noch in die Gruppenhaltung umgestallt. Die Erstbelegung der Jungsauen erfolgt bei den Eilers zwischen dem 230. und 250. Tag, zum Teil auch erst bis zum 270. Tag. Alfons Eilers möchte, dass seine Tiere lange leben. Die Remontierung liegt in seinem Betrieb bei nur 35 Prozent. Vor dem ersten Abferkeln sollen die Sauen zunächst eine vernünftige Größe aufbauen. Ziel seien dann dreizehn oder vierzehn abgesetzte Ferkel beim ersten Wurf. Er habe durchaus Tiere im Stall mit insgesamt elf bis zwölf Würfen und 150 abgesetzten Ferkeln. "Durch das höhere Erstabferkelalter bleiben unsere Sauen länger fit."
 
Mehr Magenvolumen durch Stroh
 
Alle neun Wochen erhält der Betrieb zwölf neue Jungsauen, in geteilten Altergruppen mit 160 (acht Stück) und 180 Tagen (vier Stück): "Die Jungsauen werden eine Woche vor dem Absetzen geliefert, dann kommen sie vernünftig mit in den Takt." Die jüngeren Tiere lässt er, je nach Kondition und Aussehen, nacheinander belegen, die größten jeweils zuerst.  
 
Eilers hält die Jungsauen in einem offenen Stall auf Stroh. So können sie zunächst noch Fundament und durch die Aufnahme von Stroh auch Magenvolumen aufbauen. Neben dem Stroh gibt es dort "satt Futter" über zwei Breiautomaten. "Das einfache Fütterungssystem bei den Jungsauen hat für mich die Vorteile, dass die Tiere wegen des Strohs nicht verfetten und dass ich kein Eingliederungsfutter brauche." Das Stroh kommt aus dem eigenen Betrieb. Wichtig sei es, auf eine gute Strohqualität zu achten. Zum Einsatz kommt Sommergerstenstroh oder sehr gutes Roggenstroh.
 
Die Quarantänezeit in dem offenen Strohstall beträgt mindestens vier, meist aber sechs Wochen. Der Stall befindet sich in etwa 20 Metern Entfernung zu den Abteilen mit den Stammsauen. Eine klinisch getrennte Lösung sei in seinem Betrieb nicht möglich, aber eine vernünftige Abschottung vom Ist-Bestand schon, sagt Alfons Eilers. "Wir können mit dieser Konstellation ganz gut arbeiten." Ihr Futter erhalten die Jungsauen in Quarantäne zum Beispiel erst nach den Altsauen. Wenn der Ist-Bestand gesundheitliche Problem habe, versorge seine Frau die Jungsauen. Sie hat normalerweise keinen Kontakt zu den Sauen und kümmert sich ausschließlich um die Hähnchenmast, die ebenfalls zum Betrieb gehört.
 
Impfen bei Ankunft
 
Bei der Lieferung werden die Sauen geimpft: "Zum Teil sind die Tiere schon vorgeimpft gegen PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom) und haben oft auch schon den Circo- und Glässer-Schutz. Der Booster wird dann bei uns gesetzt." Die Jungsauen, die länger in dem offenen Stall stehen, werden noch während der Quarantäne in den betriebseigenen Impfrhythmus eingeführt: "Ich impfe lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig", unterstreicht Eilers.
 
Mittagspause bei Oma Gertrud
 
Schließlich ist es Zeit für das Mittagessen. In der Küche werden wir schon erwartet: Oma Gertrud kocht jeden Tag, so auch heute. Es gibt Möhrenkartoffeln mit Frikadellen. Mit ihrem Service erfüllt sie gerne jeden Sonderwunsch. Und wer nicht rechtzeitig am Tisch sitzen kann, für den liefert sie auch später noch eine warme Portion.
 
Das LAND & Forst-Hofreportteam verabschiedet sich nun für 2013 vom Betrieb Eilers, bis es im nächsten Jahr wieder heißt: Film ab von einem Hof in Niedersachsen.
 
Wir waren schon viermal auf dem Betrieb von Beate und Alfons Eilers:
 
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