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Geflügel

Hofreport: Den Vorfang optimal begleiten

von , am
02.07.2013

Lengerich - Die Hähnchenmäster Beate und Alfons Eilers probieren gerne Neues aus, um möglichst effektiv zu arbeiten. Im Hofreport berichten wir, wie sie die Fütterung zum Vorfang steuern.

Vor 36 Tagen war das LAND & Forst-Hofreportteam mit der Kamera auf dem Betrieb Eilers: Ein neuer Durchgang wurde eingestallt, insgesamt 78.000 Hähnchen verteilt auf zwei Ställe. Gut fünf Wochen sind seitdem vergangen, einen Tag nach dem Vorfang sind wir nun wieder vor Ort. Wir treffen Beate und Alfons Eilers im Hähnchenstall. Sie sind gerade bei der täglichen Bestandskontrolle.
 
Ausstallen vorbereiten
 
Beim Vorfang gestern wurden je Stall 10.000 Tiere herausgefangen, mit einem Durchschnittsgewicht von 1.800 Gramm. Alfons Eilers ist froh, dass die Schlachterei zum Vorfang schon ein paar Tiere mehr angenommen hat als ursprünglich geplant: "Wir haben gerne etwas mehr Luft für die letzte Woche des Durchgangs. Dann können wir das Ausstallen besser planen, je nach der weiteren Entwicklung der Herde."
 
Manchmal fressen die Tiere nach dem Vorfang etwas schlechter, so dass es für die Mäster von Vorteil ist, wenn sie bis zum Ausstallen noch einen Tag mehr zur Verfügung haben. Gleiches gilt, wenn die Tiere sich beim Vorfang einen Infekt einfangen, der mit Medikamenten auskuriert werden muss: "Sind die Tiere krank, müssen sie behandelt werden. Sie sollen gesund in der Schlachterei ankommen. Die oral verabreichten Medikamente erfordern meist eine Wartezeit von ein bis zwei Tagen und so ist es gut, wenn wir uns ein bisschen Puffer schaffen", betont der 41-jährige Betriebsleiter. Oft kommt auch die Tierärztin am Tag des Vorfangs. Sie beurteilt die verbleibende Herde noch einmal und kann möglichen Infekten medikamentös entgegenwirken.
 
Nur der halbe Stall ohne Futter
 
Bis vor zwei Jahren hatten die Eilers nach dem Vorfang bei den verbleibenden Tieren oft leichte gesundheitliche Probleme, vermutlich wegen der langen Nüchterungszeit. Beate Eilers erinnert sich: "In den ersten Jahren haben wir die Fütterung zum Vorfang immer komplett abgestellt. Die Hähnchen hatten damals zum Teil bis zu 10 Stunden keine Möglichkeit zu fressen." Sechs Stunden vor der Schlachtung wurde die Futterzufuhr unterbrochen. Bis die Futterverteilung nach dem Vorfang dann wieder reibungslos angelaufen war, vergingen nochmal bis zu fünf Stunden. "Wenn die Hähnchen zwischenzeitlich etwas aus der Einstreu aufgepickt haben, fingen sie sich leicht einen Virus ein und waren dann gesundheitlich angeschlagen. Wir haben uns deshalb einen andere Lösung überlegt: Wir schließen die Futterzufuhr während des Vorfangs nur in der vorderen Hälfte des Stalls." So stockt die Futteraufnahme nicht und die Tiere im hinteren Teil bekommen keinen Stress. "Die Tiere sind etwa ab der 4. Woche nicht mehr so mobil. Deshalb kann man die Futterversorgung zum Vorfang ohne weiteres trennen. Wir sind mit dieser Lösung sehr zufrieden und stellen fest, dass die Herde dadurch wirklich stabiler bleibt", hält Alfons Eilers fest. Maximal drei Stunden dauert die Nüchterung für die Tiere jetzt.
 
Fangtunnel gegen Stress
 
Um beim Fangen weiteren Stress zu vermeiden, haben die Eilers sich einen Fangtunnel bauen lassen. Dieser passt genau vor das Stalltor. So werden die Tiere beim Tagfang, wie sie ihn gestern hatten, nicht vom Tageslicht geblendet und bleiben ruhiger. Die Ställe werden von Beate und Alfons Eilers allerdings ohnehin schon sehr hell gefahren. Dadurch sind die Tiere von vorn herein weniger schreckhaft.
 
Frische Luft muss sein
 
Immer frische Luft im Hähnchenstall ist ein Muss für eine gesunde Mast. Ein gutes Abluftmanagement ist daher besonders wichtig. In den zwei Ställen der Eilers kommt eine sogenannte Tunnellüftung zum Einsatz. In Längs- und Querwänden wurden 158 Zuluftelemente integriert. In der hinteren Giebelwand arbeiten neun Ventilatoren: "Eigentlich waren nur fünf vorgeschrieben", sagt Alfons Eilers. "Wir haben vier weitere installiert, um im Sommer besonders effektiv lüften zu können." Kurz vor einem Gewitter z.B. könne man nicht mehr richtig kühlen. Dann liege die Luftfeuchtigkeit sowieso schon bei achtzig Prozent und es gibt keine Kondensationskälte mehr. "In solchen Fällen brauchen wir einfach nur Luft." Die zusätzlichen Ventilatoren laufen zwar nur an etwa drei Tagen im Jahr, aber "das war es uns wert", fügt der Betriebsleiter hinzu.
 
Die elf Meter hohen Ablufttürme stehen an der Rückseite der Ställe. Zur Stallhygiene gehört es auch, diese Türme nach jedem Durchgang zu reinigen und zu desinfizieren. Dazu wurde in jedem Turm nachträglich eine Brücke eingebaut, um das Ausspritzen mit dem Hochdruckreiniger zu erleichtern.
 
Für den Notfall vorsorgen
 
Die Lüftung muss reibungslos funktionieren, um die Hähnchen nicht zu gefährden. Auch für einen plötzlichen Stromausfall haben die Eilers deshalb vorgesorgt. Im Vorraum der Ställe haben sie ein Notstromaggregat installiert, angeschraubt an einem festen Platz. Das Anschrauben hat einen guten Grund. Alfons Eilers erzählt: "Wenn man das Aggregat irgendwo in der Scheune platziert, kann man es zwar auch an anderer Stelle einsetzen. Aber wenn das Geräte dann dringend benötigt wird, steht es möglicherweise genau hinter einem beladenen Anhänger. Und das darf nicht sein." Eilers hat das Notstromaggregat vor dem Fenster im Vorraum angedübelt. "Wenn Gewitter angesagt ist und wir gerade Endmasttiere haben, steht unser Trecker sowieso immer vor dem Stall. Durch das Fenster können wir, wenn es nötig ist, aus der Schlepperkabine heraus die Regeleinheit sehen und die Drehzahl genau justieren."
 
Weiter gehts zu den Schweinen
 
Nach zwei Stunden sind die Hähnchen für heute versorgt. Alfons Eilers fährt weiter zu seinen Schweinen. Neben der Hähnchenmast gehört auch eine Sauenhaltung mit 190 Tieren zum Betrieb. Von dort werden wir in der nächsten Folge unseres Hofreports aus Lengerich berichten.
 
Wir waren schon zweimal auf dem Betrieb von Beate und Alfons Eilers:
 
 
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