Login
Schweinefleischvermarktung

Die Holländer machen es anders

© Mühlhausen/landpixel
Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst ,
am
06.01.2016

In den Niederlanden ist die Diskussion um die Tierhaltung genauso im Gange wie hierzulande. Während deutsche Verbraucher wenig über das Tierschutz-Label des Deutschen Tierschutzbundes oder die Initiative Tierwohl wissen, kennt fast jeder Holländer deren Label „Beter Leven“. Die größte Supermarktkette dort verkauft jetzt nur noch „Beter Leven“-Fleisch und Fleischprodukte.

Bereits vor fünf Jahren wurde in den Niederlanden von der dortigen Tierschutzorganisation „Dierenbescherming“ (=Tierschutz) ein Tierwohl-Label mit dem Namen „Beter Leven“ (=besseres Leben) für die Schweine- und Hähnchenfleischproduktion sowie die Legehennenhaltung ins Leben gerufen. In drei Abstufungen (1-3 Sterne) wird das Label vergeben, wenn in der Haltung der Tiere erhöhte Anforderungen in Sachen Tierwohl erfüllt werden.Vergleichbar ist das „Beter Leven“-Label im Grundsatz mit dem in Deutschland vor zwei Jahren gestarteten Label „Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes. Während dieses Label in Deutschland jedoch kaum bis gar nicht bekannt ist, erfreut sich „Beter Leven“ in den Niederlanden sehr großer Bekanntheit und Akzeptanz beim Verbraucher. Mit dazu beigetragen hat sicher auch die intensive Werbung für das Label, bzw. für die entsprechenden Produkte.

Nur noch „Beter Leven“-Frischfleisch im LEH

Jüngster Schritt, das Ziel einer großflächigen Verbreitung des Labels zu erreichen: ca. 90 % des  niederländischen Lebensmitteleinzelhandels hat sich auf freiwilliger Basis dazu verpflichtet, ab Januar dieses Jahres bei Schweinefleisch ausschließlich Produkte mit dem „Beter Leven“-Label in seinen Läden anzubieten (1-Stern-Stufe). Dies gilt vorerst für Frischfleisch, verarbeitete Ware soll später folgen. Nur etwa 20 bis 30 % des Schlachtkörpers können als Frischfleisch verkauft werden und nur dafür zahlt der Verbraucher den Label-Aufpreis gegenüber anderem Fleisch. Die höheren Produktionskosten beim Landwirt mussten bislang von diesen 20 bis 30 % Frischfleisch erlöst werden. Das war aber kaum möglich.

Seit Januar dieses Jahres hat sich diese Situation jedoch deutlich geändert. Denn die niederländische Supermarktkette Albert Heijn, die mit einem Anteil von ca. 34 % im Lebensmittelsektor Marktführer ist, verkauft in ihren Märkten seit Januar auch bei verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren ausschließlich Produkte, die mit „Beter Leven“-Schweinefleisch hergestellt wurden.

Damit geht man schon jetzt einen Schritt weiter als die oben genannte freiwillige Vereinbarung des Lebensmittelhandels. Alleinlieferant bei Albert Heijn, bzw. seinen Fleischwarenzulieferern bzgl. „Beter Leven“ ist Vion. „Damit haben wir die Möglichkeit, ca. 85 % des Schlachtkörpers über das Label zu vermarkten“, erläutert Frans Stortelder. Stortelder ist beim niederländisch-deutschen Schlachtkonzern Vion für die Sparte Schweinefleisch verantwortlich. Die Rechnung sieht dann natürlich ganz anders aus. Und zum anderen rechnet Vion natürlich mit einer deutlichen Erhöhung der Nachfrage nach „Beter Leven“-Fleisch. Die liefernden Landwirte, die vertraglich an Vion gebunden sind, erhalten derzeit einen Aufpreis von 10 Cent/kg Schlachtgewicht für die Haltung mit mehr Tierwohl


Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 01/2016 ab Seite 42. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 

 

 

Auch interessant