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Geflügel

Hygienische Qualität im Stall sichern

von , am
12.06.2013

Wasser soll bei Nutztieren Trinkwasserqualität haben. In diesem Sinne müssen Tränksysteme im Hähnchenstall regelmäßig gereinigt und auch desinfiziert werden. Lesen Sie hier, was wichtig ist.

Zwischen den Durchgängen muss eine Reinigung und Desinfektion der Tränkeleitungen erfolgen, Maßnahmen während des Durchgangs optimieren die Hygiene. © agrarfoto.at
Moderne Tränkeleitungen bestehen zur Zeit noch überwiegend aus langen Stichleitungssystemen mit "Totenden", zudem ist die Temperatur im Hähnchenstall vor allem zum Zeitpunkt der Einstallung sehr hoch. Dass das Wasser in den Tränkelinien generell eine niedrige Fließgeschwindigkeit aufweist, teilweise in der Dunkelphase von den Tieren nicht verbraucht wird und dann in den Leitungen steht, sind weitere begünstigende Faktoren für die Entstehung des sogenannten Biofilms im Leitungssystem.

Ein Biofilm ist eine komplexe Lebensgemeinschaft verschiedener Mikroorganismen, welche an der Innenwand der Leitungen anhaften. Dazu können auch Krankheitserreger gehören. Mängel der Wasserqualität können daher in einigen Fällen auch Konsequenzen für die Gesundheit und die Leistung der Hähnchen haben. Unter Umständen können sich in den Tränkeleitungen auch Reste von Ergänzungsfuttermitteln und Arzneimitteln ansammeln und die Bildung des Biofilms, abhängig von der Löslichkeit der Produkte, der Wasserdurchflussmenge,  -fließgeschwindigkeit und der Tränketechnik, fördern.

Unerwünschte Folgen

Die unerwünschten Folgen belasteter Tränkelinien sind vielfältig. Es kann sowohl zur Verbreitung und Vermehrung von pathogenen Infektions-/Zoonoseerregern kommen als auch ggf. zu mangelndem Therapieerfolg oder im schlimmsten Fall positiven Rückstandsproben im Lebensmittel, obwohl Wartezeiten korrekt eingehalten wurden. Desweite-ren erhöht sich das Risiko von Resistenzen.

Besonders im Gefügelbereich sind Landwirte und Tierärzte daher auf saubere Wasserleitungen angewiesen, denn die Gabe von Ergänzungsfuttermitteln, Arzneimitteln und Impfungen kann meistens nur über das Tränkwasser erfolgen.

Die Wasserleitungshygiene ist vor diesem Hintergrund schon seit längerem Thema in der Hähnchenmast - angesichts der Diskussion um die Reduzierung des Medikamenteneinsatzes in der Tierproduktion ist sie noch stärker in den Fokus gerückt. Reinigung und Desinfektion der Wasserleitungen zwischen den Durchgängen gehören heute zum Standard. Hier kommen alkalische Reiniger, Wasserstoffperoxid und zur Desinfektion Peressigsäure oder Chlorbleichlauge zum Einsatz.

Aber auch im belegten Stall wird mehr und mehr durch physikalische und chemischen Verfahren und Wasserzusätze versucht, einer Biofilmbildung entgegenzuwirken. Als physikalisches Verfahren spielt vor allem die elektromagnetische Reinigung eine zunehmend größere Rolle. Wassermoleküle sind darüber in der Lage, Wasserinhaltsstoffe zu "umhüllen". Somit wird das Anhaften an die Leitungswand verhindert.

Chemische Desinfektion

Im Bereich der chemischen Desinfektion sind die Möglichkeiten vielfältig. Die Desinfektion gelingt zum Beispiel über den Einsatz von Präparaten, die ein Säuregemisch aus Zitronen-, Milch-, Ameisen- und Propionsäure enhalten. Diese haben eine stabilisierende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt und eine ausreichende Desinfektionswirkung, aber sie können den Biofilm nicht vollständig auflösen. Ähnlich ist es bei Chlorverbindungen, die eine lange Einwirkzeit benötigen und korrosiv wirken können.

Chlordioxid wirkt gut desinfizierend mit einem breiten Wirkungsspektrum und ist in der Lage, auch den Biofilm recht gut aufzulösen, die Wirkung ist jedoch bei stark eisen- und manganhaltigem Wasser eingeschränkt. Kaliumperoxomonosulfat eignet sich gut zur Desinfektion und hat den Vorteil, nicht korrosiv und biologisch abbaubar zu sein.
Eine zunehmend weiter verbreitete Möglichkeit zur Tränkwasserdesinfektion ist die Herstellung und der Einsatz von elektrochemisch aktiviertem Wasser. Durch das Anlegen einer Stromspannung kommt es zur elektrochemischen Aktivierung, wobei verschiedene reaktive Produkte wie Chlorbleichlauge, Chlordioxid, reaktiver Sauerstoff u.v.m. entstehen.
 
Für die Herstellung des ionisierten Wassers wird normales Leitungswasser verwendet. Die saure Lösung ist ein ausgezeichnetes Oxidations- und Desinfektionsmittel allerdings sehr korrosiv und nur kurze Zeit stabil. Ein Teil der basischen Lösung wird daher mit der sauren Lösung zusammengeführt, so dass ein mehr oder weniger neutrales Produkt entsteht. Das neutrale elektrochemisch aktivierte Wasser ist deutlich stabiler und nicht korrosiv. Es wird mithilfe der Anlage automatisch über den gesamten Mastdurchgang eindosiert und hat ein breites Wirkspektrum (Viren, Bakterien, Pilze, Sporen).
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