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Initiative Tierwohl: Neues Siegel ab April 2018 im Handel

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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
23.01.2018

Die Initiative Tierwohl startet breiter aufgestellt in ihre zweite Phase. Geflügelfleisch aus teilnehmenden Betrieben wird ab April als solches gekennzeichnet.

Die Initiative Tierwohl (ITW) geht in die nächste Programmphase

  • mit mehr Teilnehmern,
  • einem größeren Budget und
  • einem neuen Siegel.

Bis Ende 2020 werden 4.100 Schweinehalter und 1.900 Geflügelmäster teilnehmen – rund 2.600 mehr Tierhalter als in der ersten Phase. Damit werden 520 Mio. Schweine, Hähnchen und Puten einbezogen.

Was bietet die Initiative Tierwohl?

Für folgendes steht die Initiative Tierwohl:

  • Die Initiative unterstützt Landwirte finanziell dabei, über das gesetzliche Mindestmaß hinaus etwas für ihre Tiere zu tun, beispielsweise mehr Platz sowie zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.
  • Sie kontrolliert die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen.
  • Ab 2018 profitieren jährlich rund 492 Millionen Hähnchen und Puten.
  • ITW-zertifizierte Produkte sind inzwischen in 83 % des deutschen Lebensmittelhandels vertreten.
  • Weil die beteiligten Unternehmen die Finanzierung von 85 auf 130 Mio. Euro jährlich aufstocken, können alle interessierten Tierhalter teilnehmen, jedoch mit strengeren Kriterien als bislang.

ITW-Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs sagte vor der Presse in Berlin. „Die Initiative Tierwohl ist – und das hat sie allen bisherigen Siegeln oder vergleichbaren Programmen voraus – keine Lösung für wenige.“

Bei Geflügelfleisch fehlen 10 Millionen Euro

Allerdings besteht beim Geflügelfleisch immer noch eine Finanzierungslücke von 10 Mio. Euro, bemängelt der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG).

Bislang haben von den für 2018 registrierten Betrieben mit rund 492 Mio. Hähnchen und Puten nur gut zwei Drittel eine verbindliche Zusage für die Ausgleichszahlungen erhalten.

Um die für den 1. April geplante Einführung des neuen ITW-Siegels nicht scheitern zu lassen, ging die Geflügelwirtschaft laut ZDG finanziell „in erhebliche Vorleistung“.

ZDG-Geschäftsführer Dr. Thomas Janning erklärte: "Erst, wenn die Finanzierung vollständig gesichert sei, könne die Wirtschaft eine verbindliche Zusage für ein ausreichendes Angebot an ITW-Geflügelfleisch geben."

Das bedeutet: Kommt es beim nächsten Treffen der Projektgruppe Geflügel in dieser Woche zu keiner Einigung, könnte ITW-Hähnchen- und -Putenfleisch nicht durchgängig verfügbar sein.

Kritik am neuen Siegel

Erstmals wird die Initiative Tierwohl Produkte mit einem Siegel versehen. Ab April wird es dem Verbraucher anzeigen, dass das von ihm gekaufte Fleisch aus einem ITW-Betrieb stammt. Zunächst wird ausschließlich unverarbeitetes Geflügelfleisch gekennzeichnet. Damit komme man Verbraucherwünschen nach und reagiere auf Kritik, sagte Hinrichs.

Die Dauerkritiker überzeugt das neue Siegel indes nicht. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, griff die Initiative scharf dafür an, mit einem Siegel ausschließlich für Geflügelfleisch zu starten. Hinrichs begründete diesen Schritt mit den komplexeren Marktbedingungen bei Schweinefleisch, die einen Einstieg erschwerten.

Initiative Tierwohl zum Branchenstandard

Die mögliche Konkurrenzsituation zwischen Initiative Tierwohl und staatlichem Tierwohllabel sah Dr. Hinrichs gelassen: Für den Erfolg des staatlichen Siegels liegt es für ihn nahe, auf bewährte Programme zurückzugreifen.

Er könne sich ITW durchaus als Einstiegsstufe vorstellen. Sein Anspruch ist, dass die Initiative zum Branchenstandard wird. Diesen hohen Anspruch zeigt auch folgende Zahl: Nach den seit Anfang 2017 durchgeführten 13.000 Kontrollen mussten 270 Betriebe das Programm verlassen.

Mit Material von AgE
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