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Tönnies

ISN verärgert über Maskenumstellung

Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland
am
11.02.2016

Damme - In einem Schreiben an die Lieferanten hat das Unternehmen Tönnies angekündigt, die unkastrierten männlichen Mastschweine ab dem 18. Februar nach einer neuen Ebermaske abzurechnen. Die ISN ist nicht nur über die kurzfristige Umsetzung der Maßnahme verärgert.

Hauptunterschied der neuen Maske ist die schlechtere Bewertung von Tieren mit einem Bauch-MFA von weniger als 57 % sowie eine geringere Bewertung für den Lachs. Schweine mit hohen Bauchfleischanteilen werden nach der neuen Maske dagegen leicht besser bewertet als bislang. Zudem ist die Abstufung beim Schinken geändert worden.

Einzelne Tiere verlieren deutlich

Tönnies begründet die Maskenumstellung mit neuen Erkenntnissen zu den Handelswerten von unkastrierten Mastschweinen. Erst zu Beginn des Jahres 2014 hatte Tönnies die Ebermaske angepasst und auch damals weniger fleischreiche Tiere deutlich abgestraft.

Auch jetzt setzt Tönnies den bereits eingeschlagenen Kurs fort. Nach Aussagen aus dem Hause Tönnies zielt die Änderung insbesondere auf Eber aus der Vermehrung ab. Abgestraft werden aber auch die meisten übrigen Ebermäster. Einzelne Tiere mit einem zu geringem Bauch-MFA sowie zu leichtem Schinken- und Lachsgewicht können durchaus 6-10 €/Tier im Vergleich zur alten Maske verlieren.

Maskenänderung ohne Vorlauf

Besonders ärgerlich ist wieder einmal die kurzfristige Umsetzung. Die Maske wurde zum wiederholten Male ohne den von Tönnies selbst genannten üblichen Vorlauf von einem halben Jahr geändert. Diese Tatsache ist insbesondere für Ebermäster problematisch da die Vermarktungsalternativen sehr begrenzt sind.

Anreiz zur Ebermast noch vorhanden?

Die Ebermaske von Tönnies konnte sich im Wettbewerb mit den Westfleisch- und Vionmasken bisher sehen lassen. Durch die jüngsten Änderungen dürfte der Vorteil nicht mehr vorhanden sein. Das deckt sich mit den Aussagen aus dem Unternehmen Tönnies, dass man zwar nicht auf der Bremse aber auf der Kupplung stehe, was den Zuwachs an Eberschlachtungen angehe.

Eberboot ohne klaren Kurs

Erst in der vergangenen Woche kündigte nach Aldi Süd auch Aldi Nord an, bereits ab dem kommenden Jahr kein Fleisch von kastrierten Schweinen mehr verkaufen zu wollen. Um dieses Ziel erreichen zu können und eben nicht nur Fleisch von weiblichen Tieren zu verkaufen, müsste der Marktanteil der Eber nach Expertenschätzungen noch in diesem Jahr mindestens verdoppelt werden. Bislang ist ein Wunsch der Abnehmer nach mehr Ebern im Markt definitiv nicht zu erkennen.

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