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Schwein

Mit Journalisten im Schweinestall

von , am
04.09.2013

Vertreter von Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen auf Tuchfühlung mit Sauen und Ferkeln bei einer Pressefahrt der LWK Niedersachsen. Ziel war es, unfairer Berichterstattung entgegenzuwirken.

Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel, stellt sich auf dem Hof von Familie Seeger kritischen Fragen der Journalisten. © Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Kreislandwirt Jürgen Seeger gab zusammen mit Fachleuten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen authentische Einblicke in die Schweineställe auf seinem Hof. Die Kammer hatte zu einer Pressefahrt eingeladen, um in den Medien kursierende Zerrbilder von der heutigen Landwirtschaft geradezurücken. Empfangen wurden die Redakteure auf der überbetrieblichen Aus- und Weiterbildungsstätte in Wehnen im Landkreis Ammerland. Nach kurzen Impulsvorträgen bestand hier Gelegenheit, über die Besuchergänge einen Blick in verschiedene Haltungssysteme für Sauen, Ferkel und Mastschweine zu werfen. Stroh konnte mit Spaltenböden verglichen werden, es ging in zwangsbelüftete und Außenklimaställe, den konventionellen Kastenständen standen niederländische Prodromi-Abferkelbuchten gegenüber. Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme erklärten die Fachleute.
 
Interessenkonflikt  verdeutlicht
 
"Wir sehen die Bilder immer so, wie wir sie interpretieren" sagte Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel zu Beginn der Fahrt. Deshalb wolle die Landwirtschaftskammer als neutrale und unabhängige Fachbehörde die Schweinehaltung so zeigen, wie sie ist: Nicht romantisch, aber auch nicht skandalös. Die auseinandergehenden Ansprüche an die Schweinehaltung machte Dr. Ludwig Diekmann, Tierfachmann der Kammer, an einem Beispiel deutlich: Die kritisch berichtenden Zeitungen seien gleichzeitig "Verpackung" für die Werbeprospekte der Discounter, die mit ihren Sonderangeboten für Fleisch Kunden locken. Höchste Anforderungen stünden einer überwiegend gering ausgeprägten Zahlungsbereitschaft gegenüber. Mit Blick auf steigende Produktionsauflagen laufe die deutsche Landwirtschaft Gefahr, sich selbst aus einem internationalen Markt zu "kicken", warnte Diekmann. Keinen Zweifel ließ er daran, dass die Tierhaltung sich ständig weiterentwickelt und neue Erkenntnisse aufgreift. „Nicht alles, was wir Menschen aus emotionalem Blickwinkel für richtig halten, ist auch für das Schwein unbedingt besser," merkte er an.
 
Die wirtschaftlichen Zusammenhänge des internationalen Wettbewerbs stellte Marktexperte Dr. Albert Hortmann-Scholten heraus. Gerade kleinere Betriebe stünden durch steigende Auflagen und die preisgünstige Konkurrenz aus dem Ausland zusehends unter Druck. Dr. Heiko Janssen machte deutlich, dass Ställe neben den Anforderungen der Schweine und wirtschaftlichen Ansprüchen auch den dort arbeitenden Menschen und Anwohnern gerecht werden müssen. Dazu gebe es zahlreiche gesetzliche Anforderungen.
 
Am Nachmittag stand die landwirtschaftliche Praxis auf dem Hof von Kreislandwirt Jürgen Seeger im Mittelpunkt. Unterwegs erklärte Seeger, wie der einst sieben Hektar große Betrieb auf heute 186 Hektar mit Milchvieh, Schweinehaltung und kleinem Lohnbetrieb angewachsen ist. Alle drei Söhne hatten den Berufswunsch "Landwirt" und sind heute aktiv mit im Betrieb, jeder in seinem eigenen Bereich. Lars Seeger kümmert sich um die 260 Sauen, 1.000 Babyferkel und 2.200 Mastschweine. Wie sein Vater führte er eine Gruppe durch die Stallungen und gab Interviews.
 
Gut geführten Betrieb vorgestellt
 
In Schutzkleidung durften die Redakteure und Kamerateams den Deckstall betreten, Ferkel anfassen und die Sauen im Wartestall beobachten. Hier stießen die Chip-Fütterung und der große Strohbereich gleichermaßen auf positive Anerkennung, aber auch auf Skepsis. Der NDR bezeichnet es in einem Filmbeitrag in den 18-Uhr-Nachrichten als fraglich, "Standardställe" gesehen zu haben. "Natürlich haben wir einen gut geführten Betrieb ausgewählt. Vor allem aber war es uns wichtig, einen typischen Familienbetrieb zu zeigen", entkräftet Ludwig Diekmann und ergänzt: "Wir waren nicht vorher da und haben Tiere aussortiert, deshalb waren, wie im echten Leben üblich, auch mal Tiere mit Schrammen zu sehen". Diekmann ist sich sicher, dass die Pressefahrt dazu beigetragen hat, unfairer Berichterstattung entgegenzuwirken und ein unverfälschtes Bild von der echten Landwirtschaft zu zeichnen. "Es war ein erster Versuch", sagt Diekmann. Zusammen mit den Journalisten soll nun Verbesserungspotenzial ausgelotet werden. Auch über Thementage zu anderen Tierarten denkt die Landwirtschaftskammer nach. Diekmann ist sich sicher: "Fortsetzung folgt!"
 
Nachfolgend finden Sie drei Links zur Berichterstattung in anderen Medien:

 

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